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Tokushima: die udatsu-Straße und wie ein Film von Yamada Yôji ein altes Kino rettete

Von Sebastian Czepuck

Udatsu-Straße; Flickr, CC  Hideki Yoshida

In der japanischen Präfektur Tokushima (徳島県), die auf Shikoku (四国) liegt, gibt es diverse Ziele für Touristen. Zum Beispiel gibt es viele natürliche Sehenswürdigkeiten, wie die großen Naruto-Strudel oder das Iya-Tal, aber auch kulturelle, wie der awa-odori – der Name setzt sich aus dem obon-odori, einem Tanz, der zum Obon-Fest, einem Fest zur Ehrung der Ahnen im August und dem früheren Namen der Region Awa zusammen. Unter den Tourismuszielen befinden sich unter anderem auch Orte wie Wakimachi, ein Teil der heutigen Stadt Mima (美馬市), die durch mediale Inszenierungen wie Dramen und Werbespots bekannt wurden. Wakimachi (脇町) ist ein Ort in dem, von der Edo-Zeit (江戸時代) bis hin zur frühen Showa-Zeit (昭和時代) der Handel florierte.

In der Edo-Zeit fokussierte sich der Handel hauptsächlich auf die indigoblaue Farbe, wodurch die  Händler so wohlhabend waren, dass sie sich immer prunkvollere Häuser bauen konnten. Dies gipfelte darin, dass sich besonders wohlhabende Händler sogenannte udatsu (うだつ), kleine weiße Wandelemente, die ursprünglich dazu dienten vor dem Ausbreitung von Bränden zu schützen, auf ihre Häuser bauten. Sie dienten jedoch in erster Linie dem Ausdruck des eigenen Reichtums und weniger zum Schutz vor Bränden. In Wakimachi gibt es einen etwa 430 Meter langen Straßenzug mit ungefähr 50 traditionell japanischen Häusern, auf dem man diese udatsu sehen kann und die deswegen „udatsu-Straße“ (うだつの町並み) genannt wird. Gerade dieser Straßenzug wird von den Fernsehanstalten häufig in Dramen und Werbespots verwendet um eine sehr alte japanische Stadt darzustellen.

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Tōkyō Kazoku: Eine Hommage an Ozu

Das Remake eines zeitlosen Klassikers:  60 Jahre nach Ozus Meisterwerk Tōkyō Monogatari traute sich Yamada Yōji an eine Neuverfilmung. Lingdi Qu sah sich für uns den Film Tōkyō Kazoku genauer an.
(Die Rezension zu Tōkyō Monogatari von Jason Blaslov findet man hier)

DVD-Cover (www.trigon-film.org)
DVD-Cover (trigon-film)

„Alter(n)“, wie es im Filmclub diskutiert wird, ist bereits seit vielen Jahren ein soziales Thema, das vielfältig in den Medien und der Politik Japans diskutiert wird. Ich habe Yamada Yōjis Film „Tōkyō Kazoku“ (東京家族, 2013), ein Remake von Ozus „Tōkyō Monogatari“ aus dem Jahr 1953, ausgewählt, da er meiner Ansicht nach einige wichtige Themen in Hinblick auf die aktuelle Situation zum „Alter(n) “ in Japan aufgreift. Dies sind neben der Altenpflege vor allem die Beziehungen zwischen Eltern, Kindern und Enkelkindern, die ich im Folgenden diskutieren möchte.

Der Film handelt von dem älteren Ehepaar Hirayama Shukichi und seiner Frau Tomiko, beide 68 Jahre alt, die von Osaki Island in der Präfektur Hiroshima losfahren, um ihre drei Kinder in Tôkyô zu besuchen. Ihr ältester Sohn Koichi ist Leiter einer Klinik, die Tochter Shigeko Inhaberin eines Beauty Salons und der jüngste Sohn Shoji (gespielt von Tsumabuki Satoshi) arbeitet als Bühnenbauer. Allerdings sind die Familienmitglieder so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, dass Shukichi und Tomiko sich vernachlässigt und fehl am Platz fühlen und kurzerhand in ein Hotel umziehen. Nachdem er die Witwe eines alten Freundes besucht hat, möchte Shukichi schließlich zurück nach Hause. Er erzählt Tomiko, dass er den letzten Abend in Tôkyô mit seinem alten Freund Sanpei verbringen wird, während sie bei Shoji unterkommt. Shukichi und Sanpei betrinken sich den Abend über in einer Bar. Bei Shoji angekommen lernt Tomiko währenddessen seine Freundin Mamiya Noriko kennen und erfährt später von Shoji, dass er Noriko heiraten möchte. Tōkyō Kazoku: Eine Hommage an Ozu weiterlesen