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Yamanashi: Die traurige Berühmtheit des „Selbstmord-Waldes“ Aokigahara

Von Silja Stolp

Flickr, CC  Guilhem Vellut

Die japanische Präfektur Yamanashi ist vielerorts für ihre schöne Natur bekannt. Westlich von Tokio und am südlichen Fuß der japanischen Alpen liegend, weist sie eine Vielfalt von spektakulären Landschaften auf. Doch abseits dieser Idylle liegt ein besonderer Ort, der in den letzten Jahren zu grausiger Berühmtheit gekommen ist. Die Rede ist von Aokigahara, auch genannt „Selbstmord-Wald“. Ebenfalls bekannt unter dem Namen „das Meer von Bäumen“ breitet sich der Forst am Fuße des Fuji über eine Fläche von 3.500 Hektar aus und zieht immer wieder Personen an, die ihres Lebens überdrüssig geworden sind und es im Schutze der dicht wachsenden Bäume beenden wollen. Die Statistiken variieren, doch man geht davon aus, dass sich pro Jahr um die hundert Menschen hier das Leben nehmen. Seit den 1950er Jahren sollen es ca. 6.500 gewesen sein. Von Arbeitslosigkeit, Einsamkeit oder zu hohem sozialen Druck jedweder Hoffnung beraubt, übt Aokigahara einen besonderen Reiz für die Verzweifelten aus. Laut dem Volksmund hat dieser Platz bereits seit dem 19. Jahrhundert einen besonderen Bezug zum Tod. Nicht nur soll man hier den Geistern und der spirituellen Welt besonders nahe sein, auch sollen aus ärmlichen Verhältnissen stammende Familien ihre Ältesten dort im Winter ausgesetzt haben. Verbreitet ist auch teilweise der Glaube an negative Energien, die die Bäume selbst durchdringen, oder an Dämonen (yūrei), welche die Lebenden jagen, wie auch an die Geister der Selbstmörder selbst, die ruhelos umherwandern.

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Sayonara Zetsubō Sensei und Selbstmord als Running-Gag

Zetsubo
Zetsubô-sensei-Cosplay; Flickr cc, jasohill

Sayonara Zetsubô Sensei ist ein Manga von Kôji Kumenta, welcher auch als Anime umgesetzt wurde (Anime Produktion: Akiyuki Shinbo, SHAFT).

Der Anime sticht durch seinen außergewöhnlichen Animationsstil, als auch besonders schwarzen Humor und interessante Kritik an der japanischen Gesellschaft, und auch zahlreiche Verweise an andere bekannte Animes hervor.

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Leistungsdruck und Mobbing: Im Freitod sehen die Jugendlichen in Japan oftmals den letzten Ausweg

Japanische Schülerinnen. Flickr cc, Stuart
Japanische Schülerinnen. Flickr cc, Stuart

Ein 14-jähriger Schüler erhängt sich, eine andere Schülerin springt aus dem achten Stockwerk in den Tod. Das sind nur zwei Beispiele von Vorfällen, welche sich in der jüngeren Vergangenheit in Japan ereignet haben. Aber was sind die Gründe für diese dramatischen Suizide?

Die Selbstmordrate Jugendlicher stellt schon seit langem in Japan ein Problem dar. Auch wenn die Quote in den letzten Jahren zurückgegangen ist, so sehen Jugendliche immer noch oft keinen anderen Ausweg mehr als sich das Leben zu nehmen.
Einer der häufigsten Gründe liegt darin, dass Schüler Opfer von Schikanen der Mitschüler werden. In  Japan ist das Wort für Schikanen Ijime (jap. 虐め). Drangsalieren von Mitschülern auf den Schulfluren oder zwischen den Stunden im Klassenraum gehört zur Tagesordnung.

So ist im oben genannten Fall des 14-jährigen Schülers von einem Klassenkameraden auf 500 Yen erpresst worden. Dabei hatte sich der mutmaßliche Täter nicht einmal etwas von seinem Opfer geborgt. Als der 14-Jährige die unbegründete Geldübergabe verweigerte, forderte der Erpresser anschließend eine Summe von 20.000 Yen (umgerechnet ca. 132 Euro). In seiner Verzweiflung wandte sich der Schüler an einen Lehrer. Der Pädagoge gab zwar an mit dem Erpresser reden zu wollen, doch dazu kam es nicht mehr. Man fand den 14-jährigen Jungen zu Hause, erhängt in einer Abstellkammer.

Ein weiteres Opfer infolge von Ijime stürzte sich aus dem 8. Stockwerk eines Hochhauses. Das 12-jährige Mädchen nahm sich das Leben, weil sie wegen ihrer geringen Körpergröße gehänselt wurde. Zuvor schrieb sie in einem Abschiedsbrief: „Ich nehme mir das Leben. Tschüss.“ (Quelle: Spiegel)

Der stetig anwachsende Leistungsdruck ist neben dem Mobbing eine weitere Hauptursache für die hohe Selbstmordrate in Japan. Der immense Leistungsdruck wird von den Lehrern und  Eltern aufgebaut und kann sich ebenfalls auf das Mobbing auswirken. Vor allem die Schüler, die den hohen Erwartungen nicht standhalten können, neigen dazu ihren Frust an ihren Mitschülern auszulassen. Statistiken zeigen, dass insbesondere vor und während der Prüfungsphase das Mobbingpotenzial am höchsten ist.

Dabei treten die Täter meist nicht alleine sondern in Gruppen auf und suchen sich charakterlich schwache Schüler oder gar Neulinge aus, welche sie dann ausgrenzen und drangsalieren. Die Schikanen reichen von verbaler Gewalt, über Sachbeschädigung, bis hin zur physischen Gewalt. Es werden beispielsweise Tische und Schulmaterialien beschmiert und privates Eigentum in den Müll oder in die Toilette geworfen. Außerdem kann es zu starken körperlichen Verletzungen kommen, durch das Einprügeln der Gruppen auf ein einzelnes Opfer.

Japanisches Klassenzimmer. Flickr cc, naosuke ii
Japanisches Klassenzimmer. Flickr cc, naosuke ii

Warum aber greifen viele Jugendliche zu einem solch drastischen und brutalen Ende wie dem Selbstmord?

Die Schüler fühlen sich alleine gelassen und finden oft keinen anderen Ausweg.
Der sowohl von den Eltern als auch von der Schule vorgegebene Leistungsdruck, sowie die daraus resultierende Schikane, bewegen die Schüler immer wieder zum Suizid. Zudem zielt das japanische Gesellschaftsbild nicht darauf ab, die eigene Individualität zu fördern, sondern eine elitäre Auslese herauszubilden. Die mangelnde Unterstützung und fehlende Empathie der Pädagogen und Eltern tragen verstärkt zu dieser sozialdarwinistischen Ansicht bei.

Die Politik ist sich dieses unrühmlichen Phänomens bewusst und auch im Fernsehen wird die angeführte Problematik zunehmend behandelt. Das bekannte japanische Drama LIFE (ライフ) ist nur ein Beispiel für die anwachsende mediale Thematisierung des Suizids infolge mangelnden Schulerfolgs und Mobbings. Im ersten Teil dieser Serie wird zum Beispiel gezeigt, wie ein Mädchen unter dem Leistungsdruck zusammenbricht und Selbstmord begeht. Im weiteren Verlauf des Dramas wird außerdem vermehrt auf das Thema Mobbing eingegangen.

Um dem Mobbing und dem Leistungsdruck entgegenzuwirken muss man etwas an dem gesellschaftlichen Grundgedanken ändern. Dabei sollte das Individuum insbesondere von den Eltern und Lehrern sofortige Unterstützung erhalten  – vor allem in sozial-emotionaler Hinsicht. Gerade wenn ein Schüler die Eltern und Lehrer um Rat bittet, ist das bereits ein Zeichen höchster Alarmbereitschaft. Entsprechend sollten die Erzieher umgehend reagieren und nach einer gemeinsamen Lösung suchen, notfalls auch unter der Hinzunahme von professioneller Unterstützung (z.B. Psychologen). Eins sollte den Schülern aber stets bewusst gemacht werden: Selbstmord ist nicht nur nicht der einzige Ausweg aus dieser Misere, sondern auch der falsche.