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Tōkyō Kazoku: Eine Hommage an Ozu

Das Remake eines zeitlosen Klassikers:  60 Jahre nach Ozus Meisterwerk Tōkyō Monogatari traute sich Yamada Yōji an eine Neuverfilmung. Lingdi Qu sah sich für uns den Film Tōkyō Kazoku genauer an.
(Die Rezension zu Tōkyō Monogatari von Jason Blaslov findet man hier)

DVD-Cover (www.trigon-film.org)
DVD-Cover (trigon-film)

„Alter(n)“, wie es im Filmclub diskutiert wird, ist bereits seit vielen Jahren ein soziales Thema, das vielfältig in den Medien und der Politik Japans diskutiert wird. Ich habe Yamada Yōjis Film „Tōkyō Kazoku“ (東京家族, 2013), ein Remake von Ozus „Tōkyō Monogatari“ aus dem Jahr 1953, ausgewählt, da er meiner Ansicht nach einige wichtige Themen in Hinblick auf die aktuelle Situation zum „Alter(n) “ in Japan aufgreift. Dies sind neben der Altenpflege vor allem die Beziehungen zwischen Eltern, Kindern und Enkelkindern, die ich im Folgenden diskutieren möchte.

Der Film handelt von dem älteren Ehepaar Hirayama Shukichi und seiner Frau Tomiko, beide 68 Jahre alt, die von Osaki Island in der Präfektur Hiroshima losfahren, um ihre drei Kinder in Tôkyô zu besuchen. Ihr ältester Sohn Koichi ist Leiter einer Klinik, die Tochter Shigeko Inhaberin eines Beauty Salons und der jüngste Sohn Shoji (gespielt von Tsumabuki Satoshi) arbeitet als Bühnenbauer. Allerdings sind die Familienmitglieder so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, dass Shukichi und Tomiko sich vernachlässigt und fehl am Platz fühlen und kurzerhand in ein Hotel umziehen. Nachdem er die Witwe eines alten Freundes besucht hat, möchte Shukichi schließlich zurück nach Hause. Er erzählt Tomiko, dass er den letzten Abend in Tôkyô mit seinem alten Freund Sanpei verbringen wird, während sie bei Shoji unterkommt. Shukichi und Sanpei betrinken sich den Abend über in einer Bar. Bei Shoji angekommen lernt Tomiko währenddessen seine Freundin Mamiya Noriko kennen und erfährt später von Shoji, dass er Noriko heiraten möchte. Tōkyō Kazoku: Eine Hommage an Ozu weiterlesen

Tokyo Monogatari: Wohin mit den alten Eltern?

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Noriko und Shûkichi (Shôchiku 1953, via Wikimedia Commons)

Die eigenen Kinder, die man großgezogen hat – wie stehen sie zu einem im hohen Alter? Jason Blaslov stellt Ozu Yasujirôs Klassiker Tokyo Monogatari vor und sieht in ihm auch 60 Jahre nach seinem Erscheinen noch eine hohe Aktualität.

Der japanische Klassiker Tokyo Monogatari 東京物語 von Ozu Yasujirô, im Deutschen „Die Reise nach Tokyo“, behandelt das gesellschaftliche Problem der fehlenden Zuneigung und des mangelnden Respekts gegenüber den Eltern im hohen Alter. Im Erscheinungsjahr des Films, 1953, war es übliche Tradition, sich bis zum Tode um die Eltern zu kümmern. Die Tochter bzw. Schwiegertochter übernahm in der Regel diese Pflicht. Obwohl dieses System heute weitgehend überholt ist und sich Pflegeeinrichtungen gebildet haben, ist der Gedanke dieser Tradition teilweise noch in den Köpfen der Menschen in Japan erhalten, und ist in der Diskussion darüber, wie mit alten Menschen umgegangen werden sollte, immer noch präsent. Tokyo Monogatari: Wohin mit den alten Eltern? weiterlesen