Schlagwort-Archive: Kurosawa

Mādadayo – Kurosawas persönlichstes Werk

madadayo_03
Uchida feiert mit seinen Schülern seinen Geburtstag (Bild: trigon-film)

Ein alter Lehrer mit kindlichem Gemüt – Jörn Krantz stellt uns Kurosawa Akiras letzten Film Mādadayo vor, ein liebevolles Portrait des Schriftstellers Uchida Hyakken. 

Zwei Jahre vor Kurosawas Tod 1993 vollendet, weist Mādadayo vielleicht nicht die Bildgewalt oder erzählerische Intensität auf, welche beispielsweise in seinen früheren Epen Ran und Kagemusha zu finden sind und erscheint im direkten Vergleich zu diesen eher als “leichte Kost”. Der Film schafft es jedoch, den geneigten Betrachter durch seine Ehrlichkeit und Sentimentalität in den Bann zu ziehen. Als sein letztes und im Nachhinein abschließendes Werk kann dieser Film als eine Art Selbstportrait Kurosawas verstanden werden und zugleich als ein Appell, sich bis ins hohe Alter einen kindlichen Geist zu bewahren.

Mādadayo erzählt auf liebevolle und leichtherzige Art und Weise die Geschichte von Uchida Hyakken (gespielt von Matsumura Tatsuo) ab dem Zeitpunkt, als dieser mit Anfang 60 zu Zeiten des zweiten Weltkriegs seine Arbeit als Deutschlehrer an einer Tokyoter Militärakademie niederlegt, um sich mehr dem Schreiben widmen zu können. Hierbei handelt es sich nicht um eine fiktive Figur, sondern der Protagonist ist an den Deutschlehrer Uchida Hyakken (1889–1971) angelehnt, der in erster Linie durch seine literarischen Werke eine bekannte Persönlichkeit Japans geworden ist.  Mādadayo – Kurosawas persönlichstes Werk weiterlesen

生きる Ikiru – Einmal wirklich leben (1952)

Der Kampf zwischen dem Leben und der Sinnlosigkeit in Kurosawa Akiras Filmklassiker – eine Rezension von Manuel Rodriguez

Die Momente, in denen wir unserer eigenen Sterblichkeit bewusst werden, führen oftmals dazu, dass wir unser bisheriges Leben hinterfragen. Leben wir sinnvoll? Gibt es überhaupt einen Sinn in unseren vergänglichen Leben? Und vor allem wie wollen wir die Lebenszeit verbringen, die uns noch bleibt?

Quelle: www.trigon-film.org.
Quelle: trigon-film

Vor genau diese Fragen muss sich auch Herr Watanabe in dem japanischen Film Ikiru aus dem Jahre 1952 stellen, nachdem er erfährt, dass er aufgrund eines Magenkrebses nur noch etwa ein halbes Jahr zu leben hat. Als Abteilungsleiter der Beschwerdestelle für öffentliche Angelegenheiten hatte Herr Watanabe die letzten 20 Jahre seines Lebens sich immer zu mit der selben Arbeit am selben Arbeitsplatz beschäftigt. Aus Angst, seine Stellung zu verlieren, fokussierte er sich voll und ganz auf die Arbeit und vernachlässigte alle weiteren Lebensbereiche. Der Erzähler des Films kommentiert aus dem Off das bisherige Leben von Herrn Watanabe wie folgt: „Eigentlich ist er schon längst gestorben.“ Zu dem selben Ergebnis gelangt auch Herr Watanabe schon bald. Auf die Urkunde, die ihn dafür ehrt, dass er in den letzten 20 Jahren nicht einmal auf der Arbeit fehlte, ist er nicht mehr stolz. Stattdessen ist er nun der Ansicht, dass seine Arbeit ihm sein Leben raubte.

生きる Ikiru – Einmal wirklich leben (1952) weiterlesen

Yojimbo: Böttcher, bereite die Särge vor!

Flickr cc, Phineas Jones
Flickr cc, Phineas Jones

„Signor Leone, ich hatte die Möglichkeit Ihren Film zu sehen. Es ist ein sehr guter Film, aber es ist mein Film. Da Japan ein Unterzeichner der Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst ist, müssen Sie mich bezahlen“. Der Verfasser dieser Zeilen war Kurosawa Akira (1910- 1998), der den Brief an den italienischen Regisseur Sergio Leone (1929- 1989) schrieb. Der Grund war Leones Italo-Western „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) mit Clint Eastwood (geboren 1930) in der Hauptrolle. Die Gemeinsamkeiten zwischen diesem und Kurosawas Film „Yôjimbô- Der Leibwächter“ (im Original „Yôjimbô“; 1961) waren unübersehbar und es kam zu einer Klage. Aber warum sollte man das Original überhaupt kopieren, geschweige denn sehen? Yojimbo: Böttcher, bereite die Särge vor! weiterlesen

Akira Kurosawa zum 105.- Ein japanischer Kosmopolit

Flickr cc, NCMallory
Flickr cc, NCMallory

„Die glorreichen Sieben“ (1960), „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Star Wars“ (1977). Kurosawa Akira (1910- 1998) lieferte mit seinen Werken manchmal die direkte, manchmal die geistige Vorlage für einige der bekanntesten Filme des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig erschuf er eigene Werke, die ihren Platz in der Geschichte des Kinos erworben haben. Heute wäre er 105 Jahre alt geworden. Eine Würdigung für einen Meister des Kinos, der sich auch am Höhepunkt seiner Karriere als Schüler des Films gesehen hat. Akira Kurosawa zum 105.- Ein japanischer Kosmopolit weiterlesen

Die sieben Samurai

Flickr cc, ORAZ Studio
Flickr cc, ORAZ Studio

Mit Superlativen, sagte einmal ein deutscher Nachrichtensprecher vor fast 26 Jahren, müsse man vorsichtig umgehen, da sie sich schnell abnutzen würden. Allzu oft verwendet man Adjektive wie „großartig“, „fantastisch“ oder „episch“, um Ereignisse und Dinge positiv zu beschreiben und sie von anderen Sachen zu unterscheiden. Bei dem dritten Film, den ich im Rahmen des „Kurosawa-Themenmonats“ nun vorstellen werde, möchte ich aber dies riskieren: „Die sieben Samurai“ (1954) von Akira Kurosawa ist ein Meisterwerk.

Chaos regiert das Land. Banditen ziehen in Scharen umher und rauben alles und jeden aus, der sich auf ihrem Weg befindet. Die Bauern sind die Leidtragenden dieser Anarchie. Wer die Beute nicht freiwillig herausrückt, wird ermordet. Frauen werden vergewaltigt oder gleich mitgenommen, Hütten angezündet, Existenzen vernichtet. Dies ist auch das Schicksal des Dorfes, auf das sich der Film konzentriert. Die sieben Samurai weiterlesen

Ikiru: Die Lust am Leben

Wikimedia Commons
Wikimedia Commons

Das japanische Kino wird gerne in zwei grobe Genres eingeteilt: jidaigeki (Historienfilme) und gendaigeki (zeitgenössische Filme). Akira Kurosawa produzierte zu beiden Arten mehrere Filme.

Einer seiner bekanntesten gendaigeki und, neben Die sieben Samurai (1954), auch einer seiner Lieblinge unter seinen eigenen Filmen ist Ikiru (1952).

Das Ende von Watanabe Kanjis (Shimura Takashi) Leben ist schon am Anfang des Films in Sicht. Bereits in der ersten Szene informiert eine Off-Stimme den Zuschauer, dass er Magenkrebs hat und es noch nicht weiß. Sie fragt aber auch, ob er überhaupt lebendig sei. Ein Einblick in seinen Arbeitsalltag zeigt uns auch, warum. Ikiru: Die Lust am Leben weiterlesen

Rashomon oder „Das habe ich aber anders in Erinnerung“

Box 2
Flickr cc, Duke University Archives

Seit 26 Staffeln treten die Simpsons im Fernsehen auf. Ihre Geschichten beschränken sich aber nicht nur auf ihre Heimatstadt Springfield, sondern sie haben sie im Laufe der Jahre auch ins Ausland gebracht. Auch Japan blieb vor der gelben Familie nicht verschont. Durch Zufall kommen Marge, Homer, Bart, Lisa und Maggie in einer Episode (S10-E23) an Flugtickets heran. Trotzdem ist Homer vor dem Abflug alles andere als begeistert.

Marge: „Come on Homer, Japan will be fun. You liked Rashomon.“

Homer: „That’s not how I remember it.“

Was sagt uns diese kleine Szene? Dass Homer Japan nicht mag? Nein, der Dialog ist ein Beispiel dafür, wie subtil der Humor von den Machern der Simpsons eigentlich sein kann. Ohne Vorwissen wird sie nämlich nicht wirklich in Erinnerung bleiben. Den wahren Sinn dieses Gesprächs werden nur diejenigen verstehen, die den Film Rashomon (1950) von Akira Kurosawa gesehen haben, mit dem ich den kleinen „Kurosawa-Themenmonat“ hier auf Poypura beginnen möchte. Rashomon oder „Das habe ich aber anders in Erinnerung“ weiterlesen