Schlagwort-Archive: Anime

Wenn ein Pflegeroboter Amok läuft – Eine Filmkritik zu Rôjin-Z

14714223698880 Werden Altenpleger in der Zukunft durch Roboter ersetzt werden können? Und wenn ja, wird es den bedürftigen Senioren zugute kommen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich der Film Rôjin-Z und zeichnet dabei eine skurrile Zukunftsvision.

Florian Münstermann hat sich den Film angeschaut und sich die Mühe gemacht, eine Filmkritik für uns zu verfassen.

 

 

Rôjin Z – Ein Pflegebett randaliert in Kamakura

Anfang des 21. Jahrhunderts hat man endlich eine Lösung für das Problem der Überalterung der japanischen Gesellschaft gefunden. Tja, wäre schön, wenn dies wirklich der Fall wäre. Doch der Animationsfilm, Rôjin Z (老人Z, 1991), zeigt uns eine Zukunftsvision, in der überfüllte Pflegeheime und Mangel an Pflegekräften endlich der Vergangenheit angehören könnten. Hiroyuki Kitakubo, bekannt durch „Golden Boy“, übernahm die Regie und Umsetzung des Drehbuchs aus der Feder von Akira-Regisseur Katsuhiro Ôtomo. Mit Witz und Humor geht der Film auf ein wachsendes, gegenwärtiges Problem der Gesellschaft ein.  Wenn ein Pflegeroboter Amok läuft – Eine Filmkritik zu Rôjin-Z weiterlesen

火垂るの墓 Die letzten Glühwürmchen (1988) – Eine Geschichte über das Sterben

Eine Reflexion über den berühmten Anime von Takahata Isao – von Isabelle Kullat

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Die berühmte Bonbondose aus dem Film und die deutsche Blue-Ray. Foto: Isabelle Kullat

Der Film mutet selbst schon wie ein Glühwürmchen an: versucht man ihn zu fangen, erlischt seine Kraft langsam in der Gefangenschaft und durch die Begrenzung der menschlichen Worte. Ein Versuch sollte trotzdem unternommen werden! Was macht diesen Film so besonders, dass er es auch beim wiederholten Ansehen schafft, zu berühren und zu deprimieren? Und warum sollte man sich überhaupt einen solch deprimierenden Film ansehen?

Takahatas Isaos berüchtigter Anime aus dem Studio Ghibli basiert auf der in Teilen autobiografischen Kurzgeschichte Hotaru no haka („Das Grab der Leuchtkäfer“, 1967) von Nosaka Akiyuki und erzählt den Zuschauern die Geschichte der Geschwister Seita und Setsuko, die im 2. Weltkrieg nicht nur ihr Zuhause und ihre Familie, sondern auch ihren Platz in der Gesellschaft Japans verlieren, um am Ende einsam zu sterben. Nosaka Akiyuki verarbeitete in ihr seine eigenen traumatischen Erlebnisse während des Krieges und den Tod seiner kleinen Schwester. Er selbst hat den Krieg überlebt, findet aber in der Rolle des Seitas in der Fiktion seinen eigenen Tod. Das Werk scheint eine Entschuldigung an seine Schwester zu sein, die unter seiner missglückten Obhut den Hungertod fand. 火垂るの墓 Die letzten Glühwürmchen (1988) – Eine Geschichte über das Sterben weiterlesen

Death Note als terebi dorama

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Abb. 1: Webseite zum dorama

Mit Manga, Anime, Realfilmen, Videospielen, einem Musical und Light Novels hat das Death-Note-Universum schon sehr beachtliche Ausmaße angenommen. Nun erobert sich die Geschichte noch ein weiteres Medium: Am 5. Juli startet zur neuen dorama-Saison in Japan Death Note als real verfilmte TV-Serie (terebi dorama) auf dem Sender NTV (immer sonntags 22.30 Uhr). Auf der Webseite zu der Serie, die in einem düsteren Look gehalten ist (vgl. Abb. 1), gibt es erste Informationen.

Light Yagami wird gespielt von dem sehr populären Schauspieler Kubota Masataka, der zur Zeit in vielen Kinofilmen und TV-Serien (z.B. gerade Algernon ni Hanataba o) zu sehen ist. Sein Gegenspieler L wird verköpert von Yamazaki Kentô (derzeit auch in Mare zu sehen), und Yûki Mio spielt Near (die im Gegensatz zu den Kinofilmen, wo sie gar nicht zu sehen war, hier eine wichtige Rolle spielen wird). Die Story soll angeblich Neues bieten, allzuviel wird aber noch nicht verraten.

Als kleinen Vorgeschmack auf die Serie – und um immer mit den aktuellsten Infos versorgt zu sein – kann man dem offiziellen Twitter-Account folgen, wo Ryuk persönlich die Fans auf dem Laufenden hält (und seine Tweets stilecht immer mit einem クックックッ… beendet).

Bericht zum Symposium „Japan-Pop ohne Grenzen“

richterEin Symposium zum Thema „Japan-Pop ohne Grenzen“ hat das Institut für Modernes Japan am Freitag, 22. Mai 2015, im Haus der Universität Düsseldorf veranstaltet. Auf dem Blog des Instituts gibt es jetzt dazu einen ausführlichen Bericht. Auf dem Programm standen unter anderem Vorträge zu den Themen shôjo-Manga, dôjinshi, Cosplay und Idols. Im Rahmenprogramm interpretierte die Sängerin Désirée Richter (siehe Foto) zwei Songs aus bekannten Anime.

Freundschaft über alles – Moralische Werte im Shônen Anime

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Naruto und seine Freunde; Flickr cc, Ryoh A

Naruto, One Piece, Bleach – diese Anime könnten vom Inhalt nicht verschiedener sein und doch haben sie alle eine Gemeinsamkeit: für die Protagonisten stehen Freundschaft und Kameradschaft an erster Stelle. Niemand wird zurückgelassen, jeder Feind, der die eigenen Freunde bedroht, wird bekämpft. Fast schon plakativ wird immer das Word „Nakama“ benutzt, was oft als „Kamerad“ oder „Freund“ übersetzt wird. Aber warum wird Freundschaft als so wichtig dargestellt? Freundschaft über alles – Moralische Werte im Shônen Anime weiterlesen

Naruto Shippuden Opening 16 – Cover von Pellek

Fredrik Pellek Åsly, ein norwegischer Singer-Songwriter, bekannt für seinen Stimmumfang von 4 Oktaven, covert verschiedenste Songs im Metal-Stil, darunter auch auch Musikthemen berühmter Serien – vom Batman-Hauptthema (für diejenigen, die sich überzeugen wollen, wie hoch er singen kann) bis hin zu Anime-Openings, wie hier zum Beispiel ein Naruto Shippuden Opening. Wie findet ihr sein gesungenes Japanisch..?

„Ich bin die Gerechtigkeit“ – Helden und Monster der japanischen Popkultur

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Tokyo-Ghoul-Cosplay von Leocadius, Foto: Flickr cc, Alkun(岸蓮)

Sie bestechen durch unglaublichen Facettenreichtum und Eigenschaften, die sie von der Masse abheben. Sie sind anders und doch scheinen sie genau wie wir zu sein. Doch ein Protagonist wird erst dann besonders faszinierend, wenn er mit Schrecken seinen eigenen Abgründen gegenüber stehen muss. Eren Jäger aus Shingeki no Kyojin, Kaneki Ken aus Tokyo Ghoul und Light Yagami aus Death Note erfreuen sich besonderer Beliebtheit unter den Zuschauern. Doch während Kira für hitzige Diskussionen sorgt, erregen Eren Jäger und Kaneki Ken Sympathie. Was macht Eren und Kaneki zu Helden, mit denen wir mitfühlen? Warum steht Light Yagami in Verruf, wenn alle drei Monster sind und schlussendlich, welches Heldenbild wird in diesen Animes/Mangas vermittelt? „Ich bin die Gerechtigkeit“ – Helden und Monster der japanischen Popkultur weiterlesen

Tentakel-Monster und anderer „Schweinekram“ – Zwischen Obszönität und Meinungsfreiheit

Flickr cc, Jason Ahrns – Tentacles

Wer sich mit Japan auseinandersetzt, begegnet immer wieder Vorurteilen und Stereotypen. Gerne werden auch Hentai und Anime von Unwissenden durcheinander geworfen. Aber warum hat sich besonders Hentai so in das öffentliche Bewusstsein gebrannt? Schließlich ist es nur ein kleiner, sehr spezieller Teil der Anime-Kultur. Aber eben dieser kleine Teil ist so skurril und fremd, dass er bei vielen auf Unverständnis trifft. Obwohl auch Hentai, wie herkömmliche Animes, viele Genres bietet, scheinen besonders die sogenannten „Tentakel-Pornos“ heftige Reaktionen hervorzurufen. Tentakel-Monster und anderer „Schweinekram“ – Zwischen Obszönität und Meinungsfreiheit weiterlesen

Mit Hexenkraft in die reale Welt

eigenes Foto

 

Jeder kennt, das kleine Hexenmädchen Kiki mit ihrem Kater Jiji mit dem uns Ghibli seit 2005 (deutsche DVD-Veröffentlichung) verzaubert hat. Anfang März 2014 flog sie bereits in Real auf ihrem Besen durch die japanischen Kinos. Seit dem 22.01.2015 können sich nun auch die deutschen Fans in ihren Wohnzimmern, bewaffnet mit DVD oder Blu-Ray, mit der kleinen Kiki auf den Besen schwingen.

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Hayao Miyazaki – Die Werke eines großen Meisters im Kontext von Mensch und Umwelt

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Der Mononoke-hime-Wald auf Yakushima; Flickr cc, khkg

In diesem Artikel möchte ich drei Werke des japanischen Animationsfilm-Regisseurs Hayao Miyazaki vorstellen, in welchen unter anderem der Mensch in seinem Verhalten der Natur gegenüber reflektiert wird, sowie einen Bogen schlagen zu den Problemen, mit denen wir uns (vielleicht gerade heute) auch in unserer realen Welt konfrontiert sehen müssen. Dabei haben die Thematiken dieser schon etwas älteren Filme nichts an ihrer Aktualität eingebüßt – im Gegenteil. Anhand der Animationsfilme Prinzessin Mononoke, Nausicaä aus dem Tal der Winde und Das Schloss im Himmel lassen sich besonders gut Problematisierungen der Beziehung zwischen Mensch und (seiner) Umwelt festmachen. Nach eigener Aussage möchte Miyazaki selbst mit seinen Filmen lediglich unterhalten und keine tiefere Moral oder Botschaften vermitteln. Vielleicht liegt in diesen Worten aber auch die Absicht, keinen festen Rahmen vorzugeben, um der Imagination der Zuschauer bei ihrer eigenen Art der Interpretation keine Grenzen zu setzen. Gleichzeitig aber reflektiere laut Miyazaki ein Kunstwerk auch immer die Ereignisse seiner Entstehungszeit. Man kann dennoch nicht umhin, die Thematiken und Motive von Miyazakis Filmen zwangsläufig mit der eigenen Welt in Verbindung bringen zu wollen, da seine Werke einen enorm breiten Interpretationsspielraum lassen. In diesem Fall möchte ich versuchen, das Thema Mensch und Natur, das meiner Meinung nach eines der zentralen Motive in Teilen von Miyazakis Werken darstellt, zu betrachten. Welche Parallelen können wir ziehen zwischen Miyazakis phantasievollen Welten und unserer eigenen, insbesondere in Hinblick auf aktuelle Diskurse? Hayao Miyazaki – Die Werke eines großen Meisters im Kontext von Mensch und Umwelt weiterlesen

Digimon Adventure 15th Anniversary Project

DigimonSeid ihr nicht auch früher nach der Schule schnell nach Hause gelaufen um die neuesten Anime auf RTL II nicht zu verpassen? Und selbst heute schauen sich viele gerne noch einmal die Wiederholungen der Lieblingsserie von früher an. Für die Digimon-Fans unter euch gibt es dieses Jahr eine besondere Überraschung. Schon letzten Herbst ging die Seite digimon-adventure.net online, die verkündet, dass anlässlich des 15-jährigen Jubiläums von Digimon Adventure eine dritte Staffel namens Digimon tri. anlaufen wird.

Aber ich möchte hier nicht zu viel verraten, also schaut doch einfach mal auf der Seite vorbei und streichelt ein Digi-Ei.

Fujoshi – die Erscheinung weiblicher Otakus

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Fujoshi-Equipment. Flickr cc, girlinblack

Heutzutage gibt es immer mehr Bücher und Artikel über die otaku-Kultur Japans. Anfangs hatten otakus in Japan ein eher negatives Image und galten als die komischen Außenseiter. Seitdem in Europa und Amerika jedoch die japanischen Animes und Spiele immer mehr Ansehen gewinnen und otakus eher respektiert als verhöhnt werden, hat sich auch ihre Stellung in der japanischen Gesellschaft in den letzten Jahren verbessert. Es gibt einen riesigen Markt für otakus (Manga, Anime, Spiele, Figuren etc.) und darüber hinaus konsumieren sie nicht nur, sondern produzieren zum Beispiel auch dōjinshi 同人誌 (von Fans produzierte Manga), die zahlreich im Internet zu finden sind. Das Interesse der Allgemeinheit und Forscher an otakus wird deswegen immer größer und es gibt bereits zahlreiche Diskurse zu diesem Thema. In diesen Diskursen werden jedoch hauptsächlich Männer untersucht. Alleine das Wort otaku lässt an einen männlichen Fan denken, als ob Frauen sich nicht in demselben Maße für Manga und Anime interessieren würden. Allerdings ist in den letzten Jahren der Begriff fujoshi unter weiblichen Fans aufgetaucht und hat sich immer weiter verbreitet, aber was hat es damit auf sich? Fujoshi – die Erscheinung weiblicher Otakus weiterlesen

VRMMORPG – Vielleicht bald Realität?

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Flickr cc, Hina Ichigo

Wer die Anime-Serie Sword Art Online kennt, der hat vielleicht auch schon einmal den Begriff VRMMORPG (Virtual Reality Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) gehört.

Im Anime können die Charaktere mit Hilfe eines Nerve Gear‘s an virtuellen Online Rollenspielen teilnehmen. Das Nerve Gear ist ein VR-Helm (Virtual-Reality-Helm) der die motorischen und sensorischen Areale des Gehirns stimuliert und Nervenimpulse in Bewegungen im Spiel umwandelt, damit der virtuelle Avatar gesteuert werden kann. Der physische Körper ist bewegungsunfähig und die Gedanken an die Bewegung werden auf das Spiel übertragen. Der Spieler kann das Spiel nur verlassen, indem er „ingame“ den Log out-Button verwendet. VRMMORPG – Vielleicht bald Realität? weiterlesen

Psycho-Pass – Was, wenn wir nicht mehr frei denken können?

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Psycho-Pass-Figur, Flickr cc, Faris Taha

In Zeiten, in denen viele Anime sich stark durch ihre Charaktere definieren und insbesondere originelle Storylines wie Settings zunehmend rar zu werden scheinen (man sehe sich nur die Fülle an Slice-of-Life-Geschichten an, deren Hauptinhalt  eben im Grunde nur unspektakuläres Alltagsleben ist), ist es durchaus angenehm, auch noch Werke zu finden, die sich originellen und komplexeren Thematiken zuwenden.  Mit dem im Oktober 2012 im japanischen Fernsehen erstmals ausgestrahlten Anime Psycho-Pass (サイコパス) ist es dem Produktionsteam von Studio I.G. (u.a. Guilty Crown, Attack on Titan) um Katsuyuki Motohiro und Naoyuki Shiotani gelungen, ein solches Werk auf die Beine zu stellen. Psycho-Pass – Was, wenn wir nicht mehr frei denken können? weiterlesen

Aku no Hana (悪の華) – Spürst du auch das Böse in dir?

In diesem Artikel werde ich mich mit der sehr düsteren Thematik des Animes „Aku no Hana“ beschäftigen. Er besteht aus 13 Episoden und stammt von Oshimi Shûzô. Außerdem gehe ich ein wenig auf die Gedichtsammlung „Les Fleurs du mal“ von Charles Baudelaire, ein französischer Lyriker des 19. Jahrhunderts, ein, da diese wesentlicher Bestandteil der Story ist.

Aku no Hana lässt sich dem Genre Psychodrama zuordnen – und ja, man bekommt eine Menge psychischer Abgründe innerhalb der drei Hauptcharaktere zu sehen. Aku no Hana (悪の華) – Spürst du auch das Böse in dir? weiterlesen