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„Sensei no Kaban“ – eine gefühlvolle Geschichte in prächtigen Bildern

Die beiden Manga-Bände auf Deutsch (Carlsen-Verlag)

„Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ von Taniguchi Jirô ist einer der seltenen Fälle, in denen eine Manga-Umsetzung japanischer Literatur auch ins Deutsche übersetzt wurde. Michael Hons schreibt hier über diese gelungene Adaption des Romans von Kawakami Hiromi, für den sie 2001 in Japan den renommierten Tanizaki-Preis gewonnen hat.

Im Seminar „Moderne japanische Literatur intermedial“ widmeten wir uns den Werken bedeutender japanischer Autoren und prominenten Adaptionen dieser Literatur. Für „Sensei no Kaban“, so der Originaltitel des Romans, haben wir uns im Seminar zuerst die Umsetzung von Taniguchi Jirô angeschaut und diese anschließend mit einem Auszug aus der Literaturvorlage verglichen, so dass wir uns zunächst ganz unvoreingenommen dem Manga-Werk widmen konnten. Der Roman erzählt die Geschichte einer alleinlebenden Frau Mitte 30 namens Tsukiko, die zufällig ihren ehemaligen Japanischlehrer in ihrem Stammlokal, einem Izakaya, wiederbegegnet. Es entwickelt sich schnell eine Freundschaft zwischen den beiden und die Bar wird stets der Ort, an dem sie sich für weitere Unternehmungen verabreden. Langsam entwickelt sich zwischen dem ungleichen Paar eine ungewöhnliche, komplizierte Beziehung.

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Japanische Literatur als Anime – Aoi Bungaku Series

Abb. 1: Die Parade des Königs in „Kumo no ito“; Abb. 2: Höllendarstellung

Klassiker der modernen japanischen Literatur, aufgefrischt für ein junges Publikum von bekannten Anime-Künstlern: Nadine Schmidt stellt die Serie Aoi Bungaku aus dem Jahr 2009 vor.

Für all diejenigen, die sich gerne mit japanischer Literatur befassen, jedoch kein Buch in die Hand nehmen möchten, hat das Studio Madhouse mit seiner Anime Serie Aoi Bungaku Series (青い文学シリーズ) eine Lösung parat. In Zusammenarbeit mit bekannten Mangaka wie Kubo Taito (Bleach) und Obata Takeshi (Death Note) wurden 12 Folgen produziert, die auf sechs berühmten Werken japanischer Autoren beruhen. Diese sind Ningen Shikkaku von Dazai Osamu (dt. „Gezeichnet“, 1-4), Sakura no Mori no Mankai no Shita von Sakaguchi Ango (dt. „Unter der vollen Blüte im Kirschbaumwald“, 5-6), Kokoro von Natsume Sôseki (7-8), Hashire Merosu von Dazai Osamu (dt. „Lauf Melos, lauf!“, 9-10), Kumo no Ito von Akutagawa Ryûnosuke (dt. „Der Faden der Spinne“, 11) sowie Jigokuhen, ebenfalls von Akutagawa (dt. „Qualen der Hölle“, 12).

Der Titel der Serie lässt sich mit „Blaue Literatur Serie“ übersetzen, wobei aoi ursprünglich die Farbe junger Reispflanzen (ein Farbton zwischen Blau und Grün) bezeichnete und in diesem Fall im Sinne von „frisch, aktuell“ bzw. „Evergreens“ verstanden werden kann. Dementsprechend lautet das Motto der Serie „Meisaku koso aoi“ – „Berühmte Werke bleiben aktuell“. Moderiert wird die Serie von Schauspieler Sakai Masato, der in der Einleitung der Serie erklärt, viele Leute hätten keinen Bezug mehr zu Klassikern des literarischen Kanons, weil sie diese für alte Kamellen hielten oder während ihrer Schulzeit gezwungen waren sie zu lesen. Allerdings könne man sich heute noch mit den Gefühlen und Problemen der Protagonisten identifizieren. Sie erinnerten uns an uns selbst und daran, dass Leben und Schmerz Hand in Hand gehen. Aus diesem Grund versucht die Serie, durch das Medium Anime frischen Wind in den altbekannten Stoff zu bringen, um ihn so den Zuschauern wieder schmackhaft zu machen. Zu diesem Zweck vermittelt Sakai außerdem vor jeder Folge Hintergrundwissen zur Biographie des Autors, zur Entstehung des Werkes sowie zur zeitgenössischen Rezeption. Die Adaptionen weichen dann doch häufig recht stark vom Original ab, allerdings bleiben die Geschichten in ihrer Essenz erhalten. Wie diese Umgestaltung aussehen kann, soll im Folgenden anhand der 11. Folge, Kumo no Ito („Der Faden der Spinne“), exemplarisch geschildert werden.  Japanische Literatur als Anime – Aoi Bungaku Series weiterlesen