Fandom: Vom der Couchpotato zum „media creator“

loli stormtrooper
Flickr cc, icantcu

Das Bild von Konsumenten hat sich in Zeiten sozialer Medien stark gewandelt: Sie werden jetzt als aktiv, sozial und kreativ gesehen. Dies äußert sich in Begriffen wie „media-actives“, „prosumers“, „connectors“, „multipliers“ oder „inspirational consumers“. Das Wort „fan“ allerdings taucht in Diskursen über neue Medien nur noch äußerst selten auf, dabei wird die aktive Partizipation von Konsumenten gerade in Fan-Kreisen seit Jahrzehnten beobachtet.

Henry Jenkins kommentiert diesen Diskurs in seinem Text „The future of Fandom“ (2007) folgendermaßen: „The new multipliers are simply a less geeky version of the fan – fans who don’t wear rubber Spock ears, fans who didn’t live in their parents‘ basement, fans who have got a life.“ (S. 359) Alte Stereotype, mit denen Fans marginalisiert wurden, greifen heute nicht mehr, wo Menschen ganz selbstverständlich ihre Gedanken, Bilder und Text in Online-Communities teilen. Fandom – als Gesamtheit der Fans eines bestimmten Phänomens – hat laut Jenkins einen enormen Einfluss auf die Produktion von zum Beispiel Fernsehserien und Videospielen. Mit dem Prinzip des Crowdfunding können Fandoms sogar selbst zu Produzenten der von ihnen bevorzugten Produkte werden.

Jenkins sieht dieses Prinzip als Modell dafür, wie in Zukunft die gesamte Medienlandschaft funktionieren wird: „[…] fandom represents the experimental prototype, the testing ground for the way media and culture industries are going to operate in the future“ (S. 361). Fans sind damit seiner Meinung nach aus einer marginalisierten Position heraus ins Zentrum gerückt. Auch die Fan Studies nehmen in der Wissenschaft nicht mehr nur eine Randposition ein, sondern viele Dispziplinen beschäftigen sich mittlerweile mit Phänomenen wie „participation“, „emotional investment“ oder „virtual communities“. Die Fan Studies selbst haben ihr Untersuchungsfeld stark ausgeweitet, indem sie nicht mehr nur Science Fiction (die „Wiege“ der Fan Studies) in den Fokus nehmen, auch den historischen Kontext der Fankultur ins Visier nehmen und Fankultur im globalen Kontext betrachten.

Zu Ende seines Textes stellt Jenkins wichtige Fragen: Wo endet die „grassroots culture“ und wo fängt Kommerz an? Gibt es überhaupt noch eine „normale“ Art des Medienkonsums? Und wer ist eigentlich heute kein Fan mehr? Sein Fazit: „Maybe, […] there is no longer a centralized or dominant culture against which subcultures define themselves. Maybe there is no typical media consumer against which the cultural otherness of the fan can be located. Perhaps we are all fans or perhaps none of us is.“ (S. 64)

In unserer Seminardiskussion am Mittwoch haben wir noch einige weitere Aspekte des Fandoms kennengelernt: Kommerzialisierung von Fanbeiträgen (Homestuck), Handel mit handgemachten Fanartikeln (z.B. Sailor Moon, K-Pop), gespaltene Fandoms (Tôhôshinki) und Sammlertrieb (Star Wars). Nicht zuletzt kann das Fan-Sein einen großen Einfluss auf die Biographie nehmen, wie einige SeminarteilnehmerInnen berichteten. Die gesellschaftliche Bedeutung von Fandom fasst sehr schön folgendes Video zusammen:

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