Lichtschwerter und die „Big Bang Theory“-Crew auf der Connichi – ist das noch Cosplay?

Würde man auf der Straße eine Person verkleidet als Son Goku aus Manga Dragonball oder Cloud Strife aus dem Videospiel Final Fantasy VII treffen, dann wird für uns schnell klar: es handelt sich um einen Cosplayer. Aber wie ist das zu bezeichnen, wenn einem auf dem Parkplatz plötzlich Darth Vader aus Star Wars begegnet und dieser so tut, als würde er mit Leichtigkeit ein Auto vom Boden abheben lassen? Ist dies nun auch Cosplay oder hat sich diese Person nur mit dem Karnevalsdatum vertan?

Gut zweieinhalb ist es her, da habe ich zum ersten Mal auf Empfehlung eines Freundes die Anime-Convention Dokomi besucht. Vorsichtshalber mit einer Digitalkamera ausgerüstet ahnte ich schon was mich dort erwarten würde. Über den gesamten Veranstaltungsort ließen sich Cosplayer sämtlicher Bereiche der japanischen Populärkultur erblicken, sei es Manga, Anime oder Videospiele. Aber auch ein Trekkie – ein (verkleideter) Fan der Fernsehserie Star Trek – und eine vollständige Gruppe der Protagonisten aus dem amerikanischen Spielfilm Ghostbusters von 1984 waren dort anzutreffen.

Mittlerweile ist es 2013 und auf der im September stattgefundenen Connichi versammelten sich, zusätzlich zu den üblichen Cosplayern, große Gruppen von Menschen verkleidet als Charaktere aus britischen TV-Serien und anderen nicht-japanischen bzw. „westlichen“ Schöpfungen. Ein Trend, der weiter zuzunehmen scheint und spätestens jetzt stellt sich die Frage, was ist Cosplay eigentlich, wo hat dieses Phänomen seinen Anfang genommen und wie lässt es sich von anderen Formen des Kostümierens unterscheiden?

Schlägt man den Begriff Cosplay zum Beispiel im Online-Duden nach, dann wird einem erklärt, dass es sich hierbei um einen Neologismus japanischen Ursprungs handelt, der sich aus den englischen Wörtern costume (Verkleidung, Kostüm) und play (spielen) zusammensetzt. Damit unterscheidet man sich zwar von Karnevalisten, Liverollenspieler (LARPer) würden so allerdings auch zu den Cosplayern zählen, so sind diese schließlich auch „in character“. Bei weiterer Recherche stellt sich heraus, dass der Begriff zwar von dem Japaner Noboyuki Takayashi geprägt wurde, allerdings erst als er in den 1980ern in den USA war und dort das Verhalten von Science Fiction Fans erstmalig beobachtete. Bereits in den 1960ern und 1970ern erschienen solche nämlich zu den jeweiligen Conventions in Verkleidung ihrer Lieblingsfilme und Serien, wie zum Beispiel Star Wars.

Dass sich dieser Trend über die Jahre letzten Endes von Japan aus weltweit verbreiten konnte, liegt wohl daran, dass Cosplay in Japan offenherziger aufgenommen wurde als das in den USA stigmatisierte Science Fiction und deren verkleidete Fans, und die enge Verbundenheit zu den international populärer werdenden japanischen Unterhaltungsmedien (Anime, Manga & Videospiele), die die Welt eroberten.

Wenn man also auf einer Cosplay-Convention Menschen verkleidet als Charaktere aus Doctor Who antrifft, dann wird es sich demnach auch um Cosplayer handeln. Wichtiger zur Differenzierung von anderen Varianten von der Kostümierung ist nämlich die Art der Verbundenheit zwischen Kostüm und Kostümierten als die Charaktere nur spielerisch imitieren zu können. Cosplayer wählen ihre Kostüme aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel durch Identifikation mit dem fiktiven Charakter oder anderen emotionalen Bindungen. Manche mögen widerum bestimmte Outfits und wollen diese daher tragen, andere lieben die Herausforderung, die in der Herstellung komplexer Designs liegt.

Also, wenn ihr Cosplayer seid, wie seid ihr bislang mit „westlichen“ Charakteren im Bezug zu Cosplay umgegangen, was ist euch am cosplayen wichtig(er) und hättet ihr gedacht, dass dieses Hobby seine Wurzeln eigentlich in den USA hatte? Nicht-Cosplayer sind natürlich auch herzlich dazu eingeladen ihren Senf beizutragen!

7 Gedanken zu „Lichtschwerter und die „Big Bang Theory“-Crew auf der Connichi – ist das noch Cosplay?

  1. Eine schöne Einführung in das Thema! Da kann ich mir in der Cosplay-Sitzung ja evtl. schon einiges sparen 😉

    Gerade ist übrigens ein Buch erschienen, das sich genau damit beschäftigt, was die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen Anime- Cosplay und Star-Wars-Kostümierung sind: „Fan Costuming and Cosplay zu Star Wars und Anime: Die kulturelle Praxis von Fans japanischer und amerikanischer Populärkultur“ http://www.amazon.de/Costuming-Cosplay-Star-Wars-Anime/dp/3938946237

  2. Danke für den interessanten Artikel!
    Die Frage nach der Definition von Cosplay beschäftigt denke ich jeden, der in der Szene tätig ist.
    Mir ist kürzlich im Gespräch mit anderen Cosplayern aufgefallen, dass die meisten deutsche Cosplayer der „älteren“ Generation (sprich diejenigen, die so um 2007 rum oder früher angefangen haben) ganz großen Wert auf den DIY Aspekt von Cosplay legen. Ich denke das hat Teils auch damit zu tun, dass Cosplays von der Stange, wie es in Japan und dank Internet mittlerweile auch International gang und gebe ist, damals nicht so einfach zugänglich waren. Da musste noch selbst Hand angelegt werden 🙂
    Für mich persönlich ist das „in character“ sein wie du hier so schön schreibst beim Cosplay sehr wichtig. Nicht nur in ein Kostüm sondern gleich in eine andere Rolle zu schlüpfen macht den Reiz bei diesem Hobby aus!

  3. Das ist wirklich ein sehr interessanter Artikel, besonders, wenn man sich natürlich selbst in der Cosplayer-Riege befindet. Ich war mir tatsächlich nicht dessen bewusst, dass das Ganze eher aus dem amerikanischen Bereich kommt – und dabei dachte ich eigentlich, ich kenne mich damit aus ;D
    Die Frage, ob Kostüme aus nicht-japanischen Werken auch als Cosplay gelten können, habe ich mir ehrlich gesagt nie wirlich gestellt, da für mich immer feststand: Cosplay ist einfach das Hineinschlüpfen und Verkörpern von Charakteren, ob nun aus Anime, Manga, Games, Büchern, TV-Serien, oder auch Own-Charas. Ich habe mich höchstens gefragt, ob nicht-japanische Cosplays wirklich auf Anime/Manga-Conventions gehören, aber ich persönlich bin auf jeden Fall voll und ganz dafür. Ich finde jetzt auch nicht, dass zum Cosplay umbedingt das Do-it-yourself-Prinzip gehören muss, oder die extreme Originaltreue (z.B. die ganze Zeit in-chara sein, oder jedes einzelne Detail im Kostüm genau beachten, so wie manche Leute in der Szene das leider sehen) – für mich heißt Cosplay einfach „Spaß dabei haben“, ganz egal, ob das Cosplay nun super-gut oder nur ein Kleiderschrank-Cosplay ist, oder ob es etwas japanisches oder westliches ist. Der Spaß-Faktor ist für mich also das wichtigste daran 🙂

  4. Auf Fotos von amerikanischen Conventions sind eher die japanischen Charaktere eine Neuheit.

    Aber interessant finde ich den „in character“-Aspekt. Ich dachte immer, dass nur LARPer tatsächlich ihre Figur spielen, während Cosplayer sie rein optisch darstellen. Also ist Cosplay tatsächlich auch ein Rollenspiel.

    Ich frage mich dann, wie die Interaktion funktioniert zwischen Cosplayern von bekannten Charakteren mit Cosplayern, die zwar die gleiche Serie als Quelle nehmen, aber eine eigene Figur darstellen (also einen OC).

  5. Da ich selbst nicht zur Cosplayer-Riege gehöre, aber es dennoch jedes Mal aufs Neue bewundernswert finde wie viel Arbeit und Herzblut viele in ihre Kostüme stecken und auch Fotos dieser Arbeit nur zu gerne bewundere habe ich den Artikel mit großem Interesse gelesen. Vielen Dank dafür!

    Das mit der Verbundenheit zwischen dem Cosplayer und dem von ihm dargestellten Charakter ist eigentlich ein ziemlich logisch erscheinender Aspekt für mich, denn es wäre wohl schwierig für den Gestalter des Kostüms das ganze Engagement aufzubringen, wenn er sich nicht irgendwie mit dem was er schafft identifizieren könnte. Dennoch erinnere ich mich daran, wie überrascht ich war, als ich das erste Mal ein Schauspiel von Cosplayern auf einer Convention sah, da ich durch das Internet anfänglich Cosplay immer nur mit Fotografie verbunden habe…
    Ist das Vortragen von diesen selbst geschrieben, oft humoristischen, Stücken von Anfang an Bestandteil der Szene gewesen?

    Definitiv ein sehr interessantes Thema auch für „passive Voyeure“, wie ich es in diesem Fall wohl bin. 🙂

  6. Ein sehr schöner Artikel zum Thema „Cosplay“.
    Ich selbst betreibe schon seit 2008 Cosplay und fand es ganz schön zu sehen, wie die Anzahl der Cosplayer von Jahr zu Jahr anstieg.
    Mittlerweile scheinen sich auch die Anwohner an den Anblick gewöhnt zu haben, denn man wird tendenziell nur noch einmal, statt fünfmal, gefragt, ob schon Karneval sei 😉

    Leider musste ich auch Häufiger die Kleinkriege der „DIY-Fraktion“und der „eBay-Fraktion“ miterleben.
    Auch habe ich auch heftige Diskussionen beobachten können, ob amerikanische Serien und Ähnliches, überhaupt auf eine Anime/Manga-Convention gehören.
    Ich denke, den Leuten ist auch nicht bewusst, woher das Cosplay ursprünglich kommt.
    Meiner Meinung nach sollte man einfach Spaß an der Sache haben und sich an dem Anblick der anderen Cosplayer erfreuen- unabhängig der Produktionsweise und des Genre des Cosplays.

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