Die K-Wave: schwimmt Japan gegen den Strom?

TVXQ_in_Paris
Die Gruppe TVXQ in Paris, Wikimedia public domain, Ninjacatherine

Um das Thema an sich vorzustellen: Die K-Wave ist für Korea, was Manga und Anime für Japan sind.  Eine „Soft Power“, mit der das Land hofft, seinen Einfluss und seine Präsenz in der Welt deutlich zu machen. Sie ist ein kulturelles Phänomen, welche das Ausbreiten von koreanischer Populärkultur, vor allem Musik, in Asien und mittlerweile auch Europa und Amerika beschreibt. Ein sehr markantes Beispiel hierfür ist der Hit „Gangnam Style“ von Psy, der überall in der Welt in den Charts für Aufruhr sorgte. Als jemand, der Japanisch studiert und K-Pop-Fan ist, möchte ich hier versuchen, mich an das Thema kritisch heranzuwagen.

Wir alle haben in unserem Geschichts-Basisseminar viel über die Konflikte zwischen Japan und Korea in der Vergangenheit gelernt. Daher eröffnet sich doch die Frage: Wie hat Südkorea es geschafft, dass koreanische Popmusik so groß in Japan werden konnte? Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Willst du in einer anderen Kultur erfolgreich sein, dann pass dich an! Der Bergriff K-Wave entstand um 1995 und wurde zu einem Thema in Japan mit dem Erfolg des TV-Dramas  „Winter Sonata“ (Ausstrahlung in Japan 2003) und mit dem Durchbruch der Sängerin BoA, ebenfalls 2003. Nachdem BoA einmal Fuß gefasst hatte, schickte das Label SM Entertainment gleich noch seine damals berühmteste Boyband TVXQ, die im lokalen Markt unter dem Namen DBSK(동방신기) bekannt waren, nach Japan und passte die Jungs ganz den japanischen Idealen an, samt neuem Namen. Als 東方神起 (tohoshinki Die aufgehenden Götter des Ostens) ebneten sie schließlich den Weg für viele neue Künstler, die in den Jahren darauf folgen sollten.

Schauspieler(innen), TV-Dramen und vor allem auch koreanische Populärmusik wurden regelrecht zum Trend. Doch wie jeder andere Boom auch, muss auch die K-Wave voraussichtlich irgendwann einmal abklingen. In Bezug auf Japan gibt es hierfür auch schon erste Anzeichen. Die Japaner gehen auf die Straße und demonstrieren gegen K-Pop im eigenen Land. Fernsehsender, zum Beispiel Fuji TV, werden dafür kritisiert, dass sie zu viel K-Pop zeigen. Auch in kultureller Hinsicht scheint es immer noch einzelne Unstimmigkeiten zu geben. Hierfür als Beispiel das umstrittene Handeln der Boyband BEAST, als diese im Rahmen einer Fashion Show dazu aufgefordert wurden einen Yukata zu tragen, sich jedoch weigerte, mit dem Grund, dass es ihren nationalen Stolz verletzen würde. Hierzu gab es verschiedene Meinungen und Ansichten, jedoch kam dies bei den Japanern natürlich nicht sonderlich gut an. Allgemein verhalten sich K-Pop-Idols ziemlich eigen gegenüber Japanern und nur wenige Künstler beherrschen halbwegs gut die Sprache zu dem Zeitpunkt, an dem sie in Japan ihr Debüt machen.

Als東方神起 nach Japan geschickt wurde, wurde ihnen weder ein Übersetzer zur Seite gestellt, noch hatten sie die Freiheit, sich auf Koreanisch zu verständigen. Das Prinzip war: pass dich an, oder geh zurück nach Hause. Wobei hier natürlich auch die Sprache dazu gehörte. Heutzutage ist es an der Tagesordnung, dass koreanischen Künstlern ein Dolmetscher zur Seite gestellt wird. Nur selten kann ein koreanisches Idol wirklich Japanisch, was ich nicht nur schade, sondern auch irgendwo eine Frechheit finde.

Was jedoch auch Grund für die Aufstände gegen K-Pop in Japan sein könnte wären die Stigmata, die sich im Laufe der Jahre in der koreanischen Musikindustrie gebildet haben. Die Individualität der Gruppen und Künstler flacht sich immer weiter ab zu einem Punkt, wo man sie nicht mehr auseinanderhalten kann, egal ob gesanglich oder vom Aussehen her. Plagiatsskandale sind alltäglich und die Außergewöhnlichkeit der Musik macht dem Profithunger Platz. Es wird deutlich, dass das Interesse sich nicht in erster Linie auf die Kultur und das Land richtet, sondern dass vielmehr Profit und Popularität Kern der gesamten K-Wave sind – nicht nur in Japan.

Doch das Marketing der K-Pop Industrie ist einfach erstklassig und somit verkaufen sich auch weiterhin Gruppen wie KARA, SHINee, 東方神起 und sogar auch BEAST. Ob sie nun wirklich so beliebt sind oder die Firmen sich nur der Methode des „album hoarding“ (ein massiver Einkauf der Alben durch Mittelmänner um höhere Positionen in den Charts zu erreichen) bedienen, das weiß man nicht. Ohne Frage sind die Namen der genannten Künstler ein Begriff und man wird sicherlich mindestens einen großen Banner oder einen Werbetruck mit dem Aufdruck der Band in Tokyo wiederfinden. Jedoch, ob die K-Wave wirklich weiterhin ihre Wellen in Japan schlagen kann wie bisher? Nun ich frage euch! Was denkt ihr darüber und vor allem, was haltet ihr von BEAST und ihrem kleinen „Yukata-skandal“?

6 Gedanken zu „Die K-Wave: schwimmt Japan gegen den Strom?

  1. Ich bin jetzt schon seit Längerem nicht mehr up-to-date was K-Pop angeht, aber die Geschichte mit den Yutaka überrascht mich doch sehr.
    Wenn man schon nach Japan fährt, um dort seine Musik populär zu machen, kann ich nicht verstehen, wieso man so etwas ablehnt.
    Mal abgesehen davon, dass ich das Konzept von „Nationalstolz“ noch nie so wirklich verstanden habe denke ich, dass dieses Verhalten einfach Taktisch unklug ist. Es hinterlässt einfach einen negativen Eindruck. Außerdem befürchte ich mal, dass diese Entscheidung nicht einmal von den Jungs selbst kommt, da sie wahrscheinlich ohne Absprache mit ihrem Label gar nichts entscheiden dürfen.
    Aber naja, das ist nur eine Vermutung.

    Ich finde es allerdings nicht unbedingt verwerflich, wenn die Bands heutzutage nicht mehr gezwungen werden, Japanisch zu lernen. Ich finde es zwar auch toll, dass DBSK das getan haben, aber ich denke die Mitglieder der ganzen Boybands sind sowieso schon überlastet mit dem ganzen herumgereise und damit, dass sie Texte/Choreographien lernen müssen, sowie weder Privatleben noch sonst irgendwelche Freiheiten haben können, wenn sie denn erfolgreich sein wollen.
    Man könnte ja noch einen Schritt weitergehen und sagen, wenn sie in China Auftritte haben sollten sie auch Chinesisch lernen und das auf jedes Land das sie bereisen ausweiten. Das finde ich übertrieben.
    Von US-Stars, die hier erfolgreich sind, würde ja auch niemals jemand erwarten, dass sie alle Sprachen der jeweiligen Länder, in denen sie auftreten, lernen.
    Von einem japanischen Künstler, der die Sprache eines Landes in dem er erfolgreich ist gezielt deswegen gelernt hat, habe ich jetzt auch noch nichts gehört. Aber das mag auch daran liegen, dass J-Pop idols generell bei weitem nicht solche Erfolgsschlager sind wie ihre koreanischen Äquivalente.

    Danke für den interessanten Artikel jedenfalls! Die Frage zu Anfang hatte ich mir auch schon öfter gestellt.

    1. Hierzu würde ich gern auf meine Antwort zum ersten Kommentar verweisen,welche meine Meinung über das Lernen von Japanisch der Idols ausführlicher beschreibt. Ansonsten gebe ich dir vollkommen Recht! Es ist wirklich viel zu viel erwartet von allen Idols jede Sprache von dem Land zu können, wo sie auftreten oder ein Konzert geben.

      Zu dem „yukata-skandal“ finde ich deine Reaktion sehr verständlich. So habe ich auch als erstes reagiert. Nachdem ich jedoch ein paar Berichte zu dem Thema nachgelesen hab, um sicher zu gehen das es nicht nur ein Gerücht war, muss ich doch sagen, dass sich meine Meinung ein wenig geändert hat. Im Hinblick auf die Vergangenheit und den Nationalstolz, den beide Länder nun mal sehr ausgeprägt vertreten, finde ich es ein wenig pikär zu sagen BEAST hat falsch gehandelt. Es war übrigens die Entscheidung der Mitglieder und nicht der Firms. ^^ Der Vater eines Mitglieds hat es eigentlich sehr schön formuliert. Hierzu hab ich ein übersetztes Zitat von ihm: „Because Korea and Japan have problems with Dokdo currently, I think it was the best to not have asked them to wear kimonos in the first place. However, but I do not think that they should only be praised because they refused to wear kimonos. If Japanese artists were at a Korean fashion show and they refused to wear hanbok, what would you say about them? Most likely, the request to wear kimonos had nothing to do with any political issues. It was right for Beast to refuse to wear them. But it’s also right that they should have worn the kimonos.“ Hanbok ist übrigens das Koreanische Gegenstück zum Kimono oder Yukata.

      Wenn du noch mehr Informationen haben möchtest, kann ich dir gerne auch privat noch mehr darüber erzählen! Jedoch sind auch viele Gerüchte dabei, die ich in dem Artikel nicht unbedingt anführen wollte.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag zu einem Thema, das ja in Japan wirklich ein wenig kontrovers ist und von dem man vielleicht auch sagen kann, dass es ganze politische Lager spaltet. Ich denke, du hast die Situation ganz hübsch und anschaulich zusammengefasst.

    Eine etwas kritische Frage habe ich aber: Warum genau findest du es frech, wenn ein koreanisches Idol, das auch in Japan veröffentlicht, kein Japanisch kann? Und siehst du die „Schuld“ an diesem Nichtkönnen beim Idol an sich oder eher bei der Plattenfirma, die sich nicht genug um eine entsprechende Ausbildung kümmert? Fändest du es wichtig, die Sprache jedes Landes zu können, dessen Markt man betritt? Viele koreanische Idols sind ja mittlerweile im gesamten asiatischen Raum aktiv, wäre es da nicht tatsächlich etwas zu viel verlangt, wenn sie wirklich alle Sprachen auf einem guten Niveau beherrschen müssten?
    Dazu würde ich ganz gerne mal deine Meinung und vielleicht auch die ein paar weiterer Kommentatoren hören 😉

    Zum „Yukata-Skandal“: Das finde ich wirklich etwas affig. Es gibt für mich persönlich auch viele Gründe, warum ich keinen Yukata tragen würde, aber ein verletzter Nationalstolz gehört nicht dazu. Insgesamt finde ich es auch etwas schwer nachvollziehbar, weshalb Kleidungsstücke anderer Kulturen meinen persönlichen Stolz verletzen sollten.

    An alle Hallyu-Experten außerdem noch eine Frage: In den meisten Ländern scheint die Korean Wave in der Jugendkultur verankert (den Eindruck hatte ich jedenfalls immer), aber was Japan angeht, habe ich oft das Gefühl, dass es sich dort eher um so ein Hausfrauenphänomen handelt. Wie seht ihr das?

    1. Danke für dein Feedback! Um deine Fragen anzusprechen, so wie ich die Situation über die Jahre hinweg mitbekommen habe, pegeln die meisten Firmen an ihren Gruppen ein zweites Standbein im Japanischen Musikmarkt zu sichern, anstatt in wie anderen Asiatischen Ländern nur Konzerte oder Fanmeetings zu halten. Sie machen bei Talkshows mit, sind in Radiosendungen dabei, da finde ich es doch angemessen die Sprache, die dort numal Alltag ist, auch zu beherrschen. Im Endeffekt ist die Firma die leitende Kraft, jedoch ist das von Firma zu Firma unterschiedlich, wie viel Mitspracherecht die Idols wirklich darin haben, Japanisch zu lernen oder nicht. Was ich halt schade finde ist, dass die Firmen sich keine Mühe mehr machen ihren Idols wirklich das lernen der Sprache ans Herz zu legen. Was den Rest der Länder angeht, stimme ich eigentlich zu. Da finde ich es nicht unbedingt notwendig, da sich die Aktivitäten der Idols nunmal eher nur auf Konzerte oder Fansign events reduzieren. Ein paar Floskeln wie „Guten Tag“ und „Wie geht’s“ finde ich da aussreichend.

      Zu deiner anderen Frage, in Europa und den USA ist K-Pop tatsächlich eher ein Jugendphänomen, wobei in Asien das allgemein anders ist als im Westen. Da spielt das Alter keine Rolle und niemand wird schräg angeguckt wenn sie als verheiratete Hausfrau mal in einer Schlange bei einem Fansign event ansteht. Oder eine berufstätige Frau sich einen Tag für ein Konzert frei nimmt um früh anzustehen. Hier kenn ich mich bei den anderen Ländern nicht so gut aus, deshalb beziehen sich die Aussagen hauptsächlich auf China, Korea und Japan aber ich gehe nicht davon aus, dass es sehr große Unterschiede in den anderen Ländern gibt. Fanboys sind übrigens auch viel breiter und offener vertreten als hier! Auch bei männlichen Gruppen. Viele Jungs sehen Idols als Ideale an und beschäftigen sich mit ihnen, um genau solchen Erfolg bei Mädchen zu haben. Teilweise haben sie einfach auch nur viel gefallen an der Musik und sind deshalb in einem Fanclub oder einem Konzert anwesend.

      Ich hoffe das konnte deine Fragen beantworten =)

  3. Vielen Dank für den Beitrag, in dem Sie sich als Fan sehr kritisch äußern! Gut finde ich, dass Sie hier verschiedene Diskussionspunkte anführen, an die man anknüpfen kann.

    Die Bewegung gegen koreanische Populärkultur, die Sie schildern, zeigt sich auch in dem Manga Kenkanryû („Hating the Korea Wave“, http://en.wikipedia.org/wiki/Manga_Kenkanryu), der 2005 erschienen ist. Hier zeigen sich deutlich nationalistische und anti-koreanische Tendenzen. Vielleicht kommt es auch vor diesem Hintergrund zu Aktionen wie der Weigerung, einen Yukata zu tragen. Die Korea-Welle ist so einerseits geprägt von der Begeisterung für eine andere Kultur, andererseits werden aber auch die Unterschiede wieder stark hevorgehoben bzw. es wird offenbar die Notwendigkeit gesehen, Grenzen zu ziehen und das eigene „Nationale“ zu betonen.

    Ich sehe auch nicht unbedingt die Notwendigkeit, dass die Idols Japanisch lernen müssen – viel schöner wäre es doch noch, wenn sich die begeisterten Fans der koreanischen Sprache widmen würden!

    Im Bereich terebi dorama ist/war in Japan die Hauptzielgruppe der K-Wave tatsächlich die der älteren Hausfrauen, die sich der „Yon-sama“-Verehrung widmen. Es gibt sogar Reisen nach Korea, bei denen man die Originalschauplätze von „Winter Sonata“ besichtigen kann.

  4. Ich möchte ja fast glauben, dass der Yukata-Skandal ein miskalkulierter PR-Stunt war, man wollte halt mehr Aufmerksamkeit als brave Teilnahme alleine gegeben hätte, und das ist im doch durchaus nationalistischen Japan halt nach hinten losgegangen…
    (nicht das Südkorea da einen Deut besser wäre <.< #shotsfired) Tjo und insgesamt finde ich es für ostasiatische Bands schon wichtig, sich ihren Marktanteil in China, Korea und Japan zu sichern zu versuchen, aber so lange sie ihre Songs in anderen Sprachen singen können, reicht das ansich doch schon. (abgesehen vielleicht von dem Lipservice hallo / danke / lieben euch alle usw) Mehr würde ich für den Anfang jedenfalls nicht vorraussetzen, wenn sich aber nun Japan beispielsweise als großer Absatzmarkt erweist und man öfter dort auftritt, macht die Abwesenheit einer Mittelssprache wie Englisch das Aneignen des Japanischen deutlich wichtiger. Und solange ich als Konsument schön meine Musikvideos gucken kann, bin ich zufrieden, ich involviere mich ja nicht so in der Szene.

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