Wakayama: ein Samurai und ein haariger Bahnhofsvorsteher

Von Jessica Thiele

Nitama; Flickr, CC  brassynn

Die an der Küste gelegene Präfektur Wakayama (和歌山県) auf der Hauptinsel Honshû im Südosten Japans ist vielleicht für viele eine eher unbekannte Gegend, aber auch in dieser von Natur bestimmten Landschaft kann man so einiges erleben. Wakayama ist vor allem für die hohe Anzahl an Bergen perfekt geeignet für lange Wanderungen, welche man mit dem Besuch von unzählig vielen Schreinen kombinieren kann. Neben heiligen Bergen und einer wunderschönen Küstenlandschaft punktet die Präfektur bei ihren Besuchern aber auch durch den berühmten Wasserfall in Katsuura, der Burg in der gleichnamigen Hauptstadt und mit kulinarischen Delikatessen. Die im 16. Jahrhundert errichtete Burg geht auf den ersten Shogun Japans zurück und ist heute noch eine sehr beliebte Touristenattraktion. Allen Touristen, die es geschafft haben, die Burg zu erklimmen, schenkt diese den Besuchern eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Wakayama. Aber um diese Stufen überhaupt erklimmen zu können, gibt es die Möglichkeit sich von verkleideten Ninja helfen zu lassen. Diese begrüßen Touristen am Eingang der Burg und begleiten sie bis ganz nach oben. Wer nach diesem Ausflug eine Verstärkung braucht, kann die kulinarischen Delikatessen Wakayamas probieren. Berühmt sind unter anderem die Ramen aus der Präfektur kombiniert mit Makrelen-sushi. Nach Entspannung suchende Touristen haben die Möglichkeit, das kleinste Onsen Japans zu besuchen und dabei die angrenzende Natur zu genießen.

Die Touristen, die japanische Subkultur (zum Beispiel Anime, Manga oder Computerspiele) gerne mit der Geschichte Japans als Thema sehen, haben in Wakayama Glück. Das im Jahre 2005 von der Firma Capcom hergestellte Actionspiel Sengoku Basara (戦国BASARA) für die PlayStation 2 war so beliebt, dass es 2009 und 2010 eine Anime-Adaption bestehend aus zwei Staffeln sowie einen Kinofilm erhielt. Das Geschehen spielt sich im 15. und 16. Jahrhundert in Japan ab. Diese Zeit wird auch Sengoku-Zeit genannt, daher der Titel. Die Charaktere des Spiels und des Anime basieren dabei auf historischen Figuren der damaligen Zeit. Einer dieser Charaktere ist Sanada Yukimura . Dieser Samurai stammte aus der Region südlich von Osaka, wo jetzt die Präfektur Wakayama liegt. Capcom erlaubte 2016 der Präfektur, den Charakter der berühmten Spielereihe für die Förderung des Tourismus in Wakayama zu benutzen. Somit wurde das Gesicht von Sanada Yukimura überall in Wakayama sichtbar. Er schmückt die öffentlichen Transportmittel, befindet sich auf dem Titelblatt einer Broschüre über Touristenattraktionen und Restaurants und auch bei einer Stempel-Rallye, welche zu allen berühmten Orten in Wakayama führt, darf sein Gesicht nicht fehlen. Seine Beliebtheit, besonders bei jungen Frauen, brachte das Interesse für die Sengoku-Zeit zurück und auch Wakayama profitierte von dem Charakter durch den wachsenden Tourismus während des Events.

Aber auch Tier, besonders Katzenliebhaber kommen in Wakayama auf ihre Kosten. Die japanische Katze Tama (たま) lebte bis 2015 am Bahnhof Kishi von Kinokawa in der Präfektur Wakayama. Um den Bahnhof vor dem finanziellen Ruin zu schützen wurde Tama als Touristenattraktion eingesetzt und 2007 zum Bahnhofsvorsteher ernannt. Zu ihren Hauptaufgaben zählten das Rumliegen am Schalter, sowie Begrüßen und Verabschieden der Besucher. Tama wurde schnell zu einer berühmten Touristenattraktion in der Umgebung, aber auch international, unter anderem durch CNN, Telegraph und TheGuardian, wurde Tama bekannt. Nach der Ernennung zum Bahnhofsvorsteher erhielt das flauschige Wesen noch weitere Titel, 2013 wurde sie zum Assistant Company President befördert.

Im Juni 2015 verstarb Japans berühmteste Katze im Alter von 16 Jahren an Herzversagen. Zu ihrer Beerdigung erschienen 3.000 Trauernde und legten vor dem hergerichteten Altar Fotos der Katze, Sake (japanischer Reiswein), Wassermelonen und Gemüse ab. Besucher brachten außerdem noch Blumen, Tunfisch, Katzenfutter und viele weitere Geschenke mit. Die Trauerfeier wurde traditionell im Shinto-Stil gehalten und Tama wurde zu einer Gottheit zum Schutz der fast pleite gegangenen Kishigawa-Linie und erlangte den höchsten Titel eines Bahnhofsvorstehers „honourable eternal stationmaster“. Zu Ehren der verstorbenen Katze wurden Züge im „Tama-Stil“ umgestaltet und auch ihr 10-jähriges Jubiläum wurde gefeiert.

Um die neue Tradition des Bahnhofsvorstehers beizubehalten nahm die 5-jährige Katze namens Nitama (にたま, „Tama zwei“), der gleichen Rasse, den Platz von Tama ein und übernimmt seit 2015 die Aufgaben der verstorbenen Katze. Durch den großen Erfolg des Bahnhofes und der weltweiten Aufmerksamkeit an Tama und auch an Nitama, folgten viele weitere kleine Bahnhöfe in ganz Japan dem Beispiel und führten Katzen, Hunde, Hasen und weitere Tiere als Bahnhofsvorsteher ein, um durch eine Touristenattraktion mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.

Quellen
http://www.animenewsnetwork.com/interest/2016-07-14/sengoku-basara-sanada-yukimura-to-promote-tourism-in-wakayama-prefecture/.104322 (Zugriff 22.6.17)
http://www.4gamer.net/games/328/G032818/20160713017/ (Zugriff 22.6.17)
http://www.wakayama-dentetsu.co.jp/en/ (Zugriff 22.6.17)
http://www.japantimes.co.jp/news/2015/06/25/national/wakayamas-popular-stationmaster-cat-tama-16-dies/#.WUuKDOvyjIU (Zugriff 22.6.17)
http://wasa-bi.com/topics/2597 (Zugriff 21.6.17)
http://edition.cnn.com/travel/article/japan-best-of-wakayama/index.html (Zugriff 21.6.17)
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/japan/11704428/Cat-stationmaster-Tama-mourned-in-Japan-and-elevated-as-goddess.html (Zugriff 24.6.17)
https://en.visitwakayama.jp/venues/venue_57/ (Zugriff 21.6.17)
http://www.japantimes.co.jp/news/2015/08/11/national/railway-names-tama-cats-replacement-stationmaster/#.WVCwi1Tygfl (Zugriff 24.6.17)

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