Tokushima: die udatsu-Straße und wie ein Film von Yamada Yôji ein altes Kino rettete

Von Sebastian Czepuck

Udatsu-Straße; Flickr, CC  Hideki Yoshida

In der japanischen Präfektur Tokushima (徳島県), die auf Shikoku (四国) liegt, gibt es diverse Ziele für Touristen. Zum Beispiel gibt es viele natürliche Sehenswürdigkeiten, wie die großen Naruto-Strudel oder das Iya-Tal, aber auch kulturelle, wie der awa-odori – der Name setzt sich aus dem obon-odori, einem Tanz, der zum Obon-Fest, einem Fest zur Ehrung der Ahnen im August und dem früheren Namen der Region Awa zusammen. Unter den Tourismuszielen befinden sich unter anderem auch Orte wie Wakimachi, ein Teil der heutigen Stadt Mima (美馬市), die durch mediale Inszenierungen wie Dramen und Werbespots bekannt wurden. Wakimachi (脇町) ist ein Ort in dem, von der Edo-Zeit (江戸時代) bis hin zur frühen Showa-Zeit (昭和時代) der Handel florierte.

In der Edo-Zeit fokussierte sich der Handel hauptsächlich auf die indigoblaue Farbe, wodurch die  Händler so wohlhabend waren, dass sie sich immer prunkvollere Häuser bauen konnten. Dies gipfelte darin, dass sich besonders wohlhabende Händler sogenannte udatsu (うだつ), kleine weiße Wandelemente, die ursprünglich dazu dienten vor dem Ausbreitung von Bränden zu schützen, auf ihre Häuser bauten. Sie dienten jedoch in erster Linie dem Ausdruck des eigenen Reichtums und weniger zum Schutz vor Bränden. In Wakimachi gibt es einen etwa 430 Meter langen Straßenzug mit ungefähr 50 traditionell japanischen Häusern, auf dem man diese udatsu sehen kann und die deswegen „udatsu-Straße“ (うだつの町並み) genannt wird. Gerade dieser Straßenzug wird von den Fernsehanstalten häufig in Dramen und Werbespots verwendet um eine sehr alte japanische Stadt darzustellen.

Ein bekanntes Beispiel ist der Film „The Rainbow Seeker“(虹をつかむ男) von Yamada Yôji von 1996, der nicht nur in Teilen der udatsu-Straße, sondern auch das Odeon-Theater (オデオン座), dass sich am Ende der udatsu-Straße befindet, zeigt. In diesem Film geht es um Hirayama Ryô (gespielt von Yoshioka Hidetaka), der die Einstiegsprüfung bei einer großen Firma nicht geschafft hat und deswegen bei einem heruntergekommenen Kino in Wakimachi arbeitet. Dort trifft er auf den schüchternen Besitzer Shirogane Katsuo (gespielt von Nishida Toshiyuki), der niedergeschlagen ist, weil seine wahre Liebe Tonari Yaeko (gespielt von Tanaka Yuko) die Stadt verlässt, um sich um ihren kranken Vater zu kümmern.

Dieser Film ist zwar nur einer von vielen Filmen, die die udatsu-Straße bekannt gemacht haben, aber er ist auch gleichzeitig der Film, der das Odeon-Theater gerettet hat. Das Theater wurde 1934 gebaut und wurde ursprünglich für kabuki und rōkyoku-Stücke genutzt, jedoch wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Kino umgebaut. Im Jahr 1995 wurde es geschlossen und sollte abgerissen werde, allerdings wurde es durch den oben genannten Film gerettet, da das Gebäude als Hauptschauplatz des Films viel Aufmerksamkeit erhielt. Nach Renovierungsarbeiten im Jahr 1999 wieder geöffnet. Heute wird es in dieser Region für Theater-Stücke oder Konzerte genutzt und kann auch von Film-Touristen besichtigt werden. Aber auch die udatsu-Straße, die im Film zwar nur kurzzeitig zu sehen ist, gilt als Sehenswürdigkeit dieser Stadt. Wie eingangs schon erwähnt kann man hier noch den Wohlstand der Händler aus der Edo-Zeit sehr gut erkennen. Es wurde von der Regierung im Dezember 1988 als wichtiger Bezirk zur Erhaltung von historischen Gebäuden erklärt. Das Gebiet der udatsu-Straße ist relativ klein, sodass man es in relativ kurzer Zeit besichtigen kann.

Auf dem Straßenzug befinden sich, neben Lokalen und Restaurants, auch kleine Souvenir-Läden in denen man Indigo-Souvenirs wie T-Shirts oder ähnliches, kaufen kann. In einen Laden werden beispielsweise Puppen aus Bambus herstellt und verkauft, die so arrangiert werden, als würden sie den für die Region typischen awa-odori tanzen. Damit bringen sie den Touristen unter anderem auch Teile ihrer regionalen Kultur näher und machen sie über ihre Region hinaus bekannt, wodurch durchaus auch ein weiteres Touristenziel beworben wird. Auch wenn viele Sehenswürdigkeiten am besten bei Tag besucht werden können, so bietet die udatsu-Straße auch die Möglichkeit für einen nächtlichen Spaziergang. Die Straße wird bei Anbruch der Dunkelheit mit sogenannten andon (行灯), Laternen mit einem Lampenschirm aus Papier, erhellt. Auch diesem nächtlichen Schauspiel ist es zu verdanken, dass die udatsu-Straße zu den hundert schönsten Straßen in Japan zählt.

Quellen
Japan Hoppers „Traditional Townscape of Udatsu, Wakimachi”;   https://www.japanhoppers.com/en/shikoku/tokushima/kanko/910/ [Stand: 15.06.2017].
Jnto Japan: the Offical Guide „Wakimachi, Tokushima, Shikoku”;
https://www.jnto.go.jp/eng/regional/tokushima/wakimachi.html [Stand: 15.06.2017].
Ikidane Nippon „Udatsu-no-Machinami“;                                                                                         http://ikidane-nippon.com/en/interest/udatsu-no-machinami [Stand: 17.06.2017].
Shochiku Films „The Rainbwo Seeker“;                                                                                                   http://shochikufilms.com/product/the-rainbow-seeker  [Stand: 16.06.2017].
IMDb „Niji o tsukamu otoko (1996)“;
http://www.imdb.com/title/tt0117182/  [Stand: 16.06.2017].

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