Asa-Dorama-Tourismus in Okinawa

Von Pia Hilken

Flickr, CC  Ippei & Janine Naoi

Okinawa gilt als ein beliebtes Urlaubsziel für Japaner. Die Werbung verspricht sommerliche Flitterwochen, einmalige tropische Strände und besondere Attraktionen. Die Insel befindet sich südlich von den vier Hauptinseln Japans (Honshu, Hokkaido, Shikoku und Kyushu) und ist von Kagoshima, der südlichsten Stadt in der südlichsten der vier Hauptinseln, nämlich Kyushu, mit einer ca. eintägigen Fährenfahrt erreichbar, wobei die meisten Japaner den ca. zweistündigen Flug bevorzugen. Die sich nah an Taiwan liegende Insel befand sich als Königreich Ryukyu lange in chinesischer Abhängigkeit bis sie 1879 von Japan als Präfektur Okinawa annektiert wurde. Im Jahr 1945 spielte Okinawa eine große Rolle im Zweiten Weltkrieg, als die USA gegen Japan drei Monate um die Insel kämpfte. Diese Schlacht war die einzige, die auf japanischem Boden stattfand und forderte ca. 250.000 Tote. Nachdem Japan kapitulierte, wurde Okinawa US-amerikanisches Besatzungsgebiet. Trotz der Rückgabe 1972 befindet sich auf Grundlage des Sicherheitsvertrages zwischen den USA und Japan immer noch US-amerikanisches Gebiet mit Militärbasen auf Okinawa.

Denkt man jedoch an die Vergangenheit und Vorgeschichte der Insel, wird klar, was für einen Image-Wandel Okinawa vollzogen hat. Mit dunklen Erinnerungen an den Krieg behaftet, wurde Okinawa als ein Spezialfall behandelt und immer wieder wurden neue, mit hohem Budget ausgestattete Pläne entworfen und Maßnahmen ergriffen, den Tourismus anzukurbeln und den Fokus von den negativen Erinnerungen an die Ereignisse aus der Vergangenheit auf die Betrachtung der Insel eines wunderschönen Urlaubsortes zu ändern. Okinawa gilt heute als Ort, an dem man entspannen kann: die Okinawaner gelten klischeehaft als ruhig und sollen allgemein viel lässiger und unbeschwerter leben als die hektischen Stadtmenschen auf den Hauptinseln. So erfreut sich die Insel an einer hohen Zahl von Touristen aus dem eigenen Land.

In dem von Oktober 2012 bis März 2013 ausgestrahlten Dorama (Bezeichnung für japanische Fernsehserien) „Jun to Ai“ (dt. Jun und die Liebe) geht es allerdings in die andere Richtung: Die junge Frau Jun, gespielt von Watanabe Natsuna, geboren und aufgewachsen in Okinawa, verlässt ihre Heimat um in der Großstadt Osaka zu studieren und zu arbeiten. Es handelt sich hierbei um ein „Asadora“, ein Morgen-Dorama, das, wie der Name schon sagt, jeden Morgen quasi als Frühstücksfernsehen läuft, 151 Folgen hat, und als leichte Kost zu genießen ist.

Die Hibiskusblüte im Titelschriftzug der Serie weist schon auf die Herkunft der Hauptperson hin. Werbebilder zeigen sie meist leichtfüßig am Meer unter einem strahlend blauen Himmel stehend wirken wie Urlaubsfotos und äußerst ansprechend, genauso wie Okinawa sonst auch als perfektes Urlaubsziel vermarktet wird. Der Traum der jungen Okinawanerin Jun ist es, geprägt durch ihren Großvater, der selbst ein Hotel führt, ein eigenes Hotel zu eröffnen, das den Gästen als „magisches Land“ dienen soll. Sie findet eine Anstellung im Osaki Plaza Hotel, wo sie, wie man schon im Trailer sehen kann, wegen ihrer unorthodoxen Art auffällt und von den anderen Mitarbeitern ermahnt wird.

Diese Darstellung ihrer Ungeschicktheit und Tollpatschigkeit lässt mich schnell eine versteckte Botschaft vermuten, die so etwas in die Richtung „typisches Mädchen vom Land“ aussagen soll, da Jun auf der Nebeninsel Miyakojima aufgewachsen ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, Okinawa hat bis auf Naha keine wirklichen „Städte“, es ist alles eher ländlich und da die Busse nicht überall hinkommen, ist man ist auf Autos als Transportmittel angewiesen. Im Vordergrund der Geschichte steht ihr Lebensweg, mit zu überkommenden Rückschlägen ihres Traumes, und natürlich die Liebe, die sie in dem jungen Mann Itoshi findet (das Schriftzeichen seines Namens ist dasselbe wie das für „Ai“ im Titel).

In einem Artikel vom 09.03.2013, also kurz nachdem die Serie endete, wird mitgeteilt, dass im Stadtbezirk Taisho in Osaka, der Hauptdrehort des Doramas, die Zahl der Touristen gestiegen sei. Der Artikel erzählt zunächst von einer Versammlung nach Drehende. Die Darsteller kamen auf eine Bühne in Taisho, bedankten sich bei den Menschen des Bezirks und trafen die Fans der Serie. Danach besuchten sie das Tourismusbüro in Taisho. Obwohl das Hotel „Satoya“, das Jun in der Serie eröffnet, fiktiv ist, fragten die Fans dort nach, wo es sei, und waren offensichtlich vom Einfluss der Serie berührt. Dann gehen sie in die Hirao-Einkaufspassage, wo Watanabe Natsuna mit der Dame eines Fleischgeschäfts, die zum Dreh beigetragen hatte, ein freudiges Wiedersehen hat. Sie erzählt, dass die Zahl der Touristen auch in der Einkaufspassage gestiegen ist. Die Darsteller freuen sich darüber, dass sie mit ihrer Arbeit einem Bezirk etwas Gutes tun konnten. Auch auf einem Treffen auf Okinawa schauten die Hauptdarsteller vorbei und bedankten sich dafür, dass sie in Okinawa und Taisho drehen durften mit den Worten „Beide Orte sind kostbare Heimaten!“. Am Ende des Artikels wird ein „Jun to Ai Fest“ angekündigt, bei dem das Set der Serie für Fans öffentlich zugänglich gemacht werde und man einen Einblick in das Osaki Plaza Hotel, in dem Jun arbeitet und wo die Serie die meiste Zeit spielt, ebenso wie in ihr eigenes Hotel „Satoya“ und in ein Hotel auf Miyakojima erhalten.

Eine Internetseite namens „Jun to Ai Miyako Förderungsverein“ widmet sich der Verbreitung von Info über die Serie und postet u.a. Sendezeiten für Talkshows und ähnliche mit der Sendung zusammenhängende Inhalte. Inwiefern sie die Stadt Miyako fördert ist unklar, jedoch lässt sich vermuten, dass durch die Verbreitung der Serie Miyakojima bekannter gemacht werden soll, um auch so wieder einen Anstieg an Tourismus zu erwirken. Oben rechts auf der Internetseite gelangt man über einen Klick auf eine farbenfrohe Seite mit Info und Artikeln über Miyakojima, Events und vieles mehr, was Besuchern die Insel schmackhaft macht.

An diesem Beispiel kann man sehen, wie ein einfaches Dorama den Tourismus ankurbeln und das Interesse an den in der Serie gezeigten Orten weckt, Menschen anzieht und bezaubert. Auch wenn es nicht die Reichweite und die Größe besitzt wie teuer produzierte amerikanische Hollywood-Filme, dessen Drehorte international besucht werden, so würde das eigene Hotel der Hauptfigur Jun, würde es wirklich existieren, sich durch die Serie bestimmt an einer erhöhten Besucherzahl erfreuen.

Quellen
Kaminski, Jaime; Benson, Angela M. and David Arnold (2014)­­: Contemporary issues in cultural heritage tourism. Abingdon: Routledge.
http://www.sankei.com/west/news/130309/wst1303090040-n1.html (Aufgerufen am 30.05.2017)
http://factsanddetails.com/japan/cat25/sub172/item958.html (Aufgerufen am 02.06.2017)
http://juntoai.ti-da.net/ (Aufgerufen am 30.05.2017)

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