„Sengoku Basara“-Tourismus in Miyagi

Von Andrea Frühauf

Date Masamune-Statue in Sendai; Flickr, CC jpellgen

Die Präfektur Miyagi (宮城県, Miyagi-ken) ist bekannt für ihre atemberaubende Natur und lange Küstenlandschaft, die Kieferinseln von Matsushima in der Bucht der gleichnamigen Stadt nahe Miyagis Hauptstadt Sendai gehören zu einer der drei schönsten Landschaften Japans (日本三景, Nihon sankei). Daneben ist Miyagi nicht nur für ihre Agrarprodukte und Fischfang bekannt, sondern auch für das berühmte Tanabata-Fest, welches jährlich von mehr als zwei Millionen Touristen besucht wird. Im Zuge von „Cool Japan“, einer Strategie zur Förderung der nationalen Kulturwirtschaft, konzentrierte sich die Präfektur Miyagi auch auf die Produktion lokaler Anime und den Verkauf von Anime-Merchandise.

Sengoku Basara (戦国BASARA/ 戦国婆娑羅) ist ein Action-Adventure-Spiel der Firma Capcom, welches im Jahre 2005 für die Playstation 2 auf den Markt kam. Seine Popularität sorgte dafür, dass neben dem Spiel auch eine Animeadaption mit 24 Folgen in zwei Staffeln 2009 und 2010 folgte. Hintergrund des Spielgeschehens bildet die Sengoku-Zeit, welche einen Zeitabschnitt im 15. und 16. Jahrhunderts der japanischen Geschichte beschreibt. Die meisten spielbaren Charaktere basieren dabei auf historischen Figuren: Kriegsherren, die in der Zeit der streitenden Reiche um Macht und die Einigung des Landes kämpften. Einer der Charaktere basiert auf den siebzehnten daimyô des Date-Clans, Date Masamune. Als Dank für seine Unterstützung  in der Schlacht von Sekigahara (ca.1600), welche zur endgültigen Herrschaft des TokugawaClans führte und die Edo-Zeit einläutete, verlieh der Shôgun Tokugawa Ieyasu ihm das riesige Lehen Sendai und machte Masamune damit zu einem der einflussreichsten daimyô des feudalen Japans. Im gleichen Jahr erhielt Masamune die Erlaubnis, in Sendai eine Burg bauen zu dürfen. Masamune bezog die Burg Sendai (仙台城, Sendai-jō), auch Burg Aoba (青葉城, Aoba-jō) genannt, welche auf dem Höhenrücken des Aobayama (青葉山) erbaut wurde. Von dort aus regierten der Date-Clan für mehr als 200 Jahre bis zum Zerfall des Shôgunats.

Unter den Charakteren des Spiels Sengoku Basara, welche alle samt als gutaussehende Männer dargestellt wurden, erfreute sich vor allem Date Masamune einer großen Beliebtheit. Bei Fan-Abstimmungen für den beliebtesten Charakter auf der offiziellen Basara-Website und beim Magazins Basara landete er auf den ersten Platz. Im Gegensatz zu Illustrationen seines historischen Pendants wird Masamune als großer schlanker Mann mit braunem Haar dargestellt, dabei trägt er einen schwarz-blauen yoroi (japanische Rüstung) und einen ebenso schwarzen Helm, welcher vorne mit einem auffälligen goldenen und querliegenden Sichelmond geschmückt ist. Die sechs Schwerter an seiner Hüfte und die Augenklappe über seinem rechten Auge lassen einen gefährlichen Krieger erahnen, wobei letztere ihm auch den Spitznamen „Einäugiger Drache“ gab. Das Spiel lockte schließlich viele Fans der Reihe nach Miyagi: besonders auch junge Frauen pilgern zu Masamunes Burg in Sendai, seinen Gokoku-Schrein und den Ruinen der Burg Shiroishi, welches Masamune während der Schlacht von Sekigahara eroberte und als Sitz seinem wichtigsten Vasallen, dem Katakura-Clan, überließ. Sendai begrüßte den neuen Trend und hoffte neben älteren somit auch junge Touristen anzulocken.

Schon beim Betreten des Sendai-Bahnhofs begegnet man Date Masamune und dem regionalen Maskottchen Musubimaru, welcher wie ein Onigiri geformt und dessen Design Masamunes Rüstung nachempfunden ist. Ebenso hängen vereinzelt Sengoku Basara-Poster, mit denen beispielsweise für das Masamune-kô Matsuri geworben wird. Generell lässt sich sagen, dass wegen der hohen Popularität des Spiels viel mit Merchandise und Illustrationen aus dem Spiel bzw. Anime gearbeitet wird, um den Tourismus zu fördern und junge Menschen in die Stadt zu ziehen. Das wichtigste Pilgerziel für diese ist dabei die schon erwähnte Burg Sendai, und die große Statue, die Masamune auf dem Rücken seines Pferdes zeigt, während er über seine Stadt blickt. Aber auch der nahe gelegene Gokoku-Schrein (Schreine, in denen gefallene Soldaten als kami verehrt werden) zieht die Fans an. Nicht selten sind die ema (絵馬, dt. „Pferdebild“), kleine, einseitig bemalte Holztäfelchen, auf die man normalerweise Bitten an die Gottheiten schreibt, mit Zeichnungen und Zitaten aus Sengoku Basara geschmückt, welche dann neben den ernsteren Wünschen anderer Besucher hängen.

Eine Spezialität Miyagis, zunda (grüne Sojabohnenpaste), wird gerne in allen möglichen Variationen angeboten: neben Süßigkeiten werden noch weitere Leckereien mit zunda-Geschmack angeboten, z.B. ein zunda-Shake aus Sojabohnen und Reis, zunda-KitKat oder zunda dango. Hierbei ist auch anzumerken, dass zunda den Sengoku Basara-Fans kein Fremdbegriff ist, denn besonders zunda mochi (Reiskuchen umhüllt von grüner Sojabohnenpaste) hat dort einen kleinen Auftritt.

Ein weiteres Pilgerziel ist die Burg Shiroishi, welches in der gleichnamigen Stadt nicht weit von Sendai zu finden ist. Schon auf dem Weg zu den eigentlichen Attraktionen gibt es am Bahnhof Shiroishi-Zaô neben traditionellen Handwerksläden das „Uumen Noodle and Kokeshi Doll Mini-Museum“ und einem mikoshi (tragbarer Shintô-Schrein) in Form der Burg Shiroishi, sowie natürlich einen Souvenirshop mit Sengoku Basara-Merchandise. Wo Date Masamune Hauptakteur in Sendai ist, geht es in Shiroishi eher um Katakura Kojûrô, da der Katakura-Klan wie bereits erwähnt in der Burg Shiroishi residierte. Außerhalb des Bahnhofs befindet sich ein Geschäft, der Kojûrô-Plaza, wo es Unmengen an Merchandise zum Sengoku-Thema, aber auch zum Spiel zu kaufen gibt. Um zur Burg zu gelangen, kann man einen Bus nehmen, der mit Illustrationen aus dem Spiel geschmückt ist, und auch hier hängen Poster mit Artwork aus dem Spiel verteilt in der Stadt, um u.a. das Oni Kojûrô-Fest anzukündigen.

Vor allem Sendai hat die Popularität von Sengoku Basara dafür genutzt, ein jüngeres Publikum und somit weitere Touristen in die Präfektur zu ziehen. In diesem Zeitalter bietet sich der Trend des „contents tourism“, wie man am Beispiel von Miyagi sieht, besonders bei historischen Kulturgütern sehr gut an, um den Tourismus in einer Region zu stärken.

Quellen
http://web-japan.org/trends/08_culture/pop090130.html (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://www.akademiskkvarter.hum.aau.dk/pdf/vol10/8_DaleKAndrews_AnAnimatedAdoration.pdf (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://www.raindropsanddaydreams.co.uk/2013/05/travel-report-sengoku-basara-tourism_14.html (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://www.raindropsanddaydreams.co.uk/2013/05/travel-report-sengoku-basara-tourism.html (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://www.raindropsanddaydreams.co.uk/2013/05/travel-report-sengoku-basara-tourism_17.html (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://fpcj.jp/en/assistance-en/tours_notice-en/p=5034/ (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://capcom.wikia.com/wiki/Capcom_Database (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)
http://www.sendaitanabata.com/en (zuletzt aufgerufen: 30.05.17)

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