Miyazaki und ein Regional-Drama über zweite Flitterwochen

Von Simon Sack

Aoshima in Miyazaki; Flickr, CC Casey Yee

Miyazaki (宮崎県) mag vielleicht nicht die bekannteste Präfektur Japans sein, bietet aber sicherlich eines der vielseitigsten touristischen Angebote. Recht weit im Süden Japans gelegen, hat sie ein tropisches Klima und bietet von Naturtourismus und „spirituellen Erfahrungen“, wie eine Seite es anpreist, über besondere Gerichte, wie etwa das Miyazaki-Rindfleisch, bis hin zu Surf-Stränden quasi allen Touristentypen etwas an. Auch Baseballfans kommen auf ihre Kosten, da viele große japanischen Baseball-Teams hier ihre Camps haben.

Neben diesen typischen Urlaubsattraktionen hat Miyazaki aber auch fernsehbegeisterten Drama-Freunden etwa zu bieten: Fans der 2016 erschienenen Serie „Miyazaki no futari“ (宮崎のふたり) können auf der offiziellen Internetseite der Serie genau nachvollziehen, welche Episode an welcher Location gedreht wurde und diese dann anschließend selbst besuchen. Die Serie handelt von einem Rentner namens Koyama Yukihiko, der vor vierzig Jahren mit seiner Frau Kyoko in den Flitterwochen in Miyazaki war. Im Laufe der Handlung kehrt er nun als verbitterter alter Mann wieder dorthin zurück und besucht gemeinsam mit einem Taxifahrer und dessen Frau all die Orte, an denen er damals mit seiner Frau gewesen war.

Damit spielt die Serie geschickt an den Honeymoon–Boom (新婚旅行ブーム) an, der in den 60er und 70er Jahren ausbrach, nachdem ein zur japanischen Kaiserfamilie gehörendes Paar hier die Flitterwochen verbracht hatten. Während des Booms kamen fast vierzig Prozent aller frisch verheirateten Paare in den Flitterwochen nach Miyazaki. Der Trend endete schließlich, als andere Ziele wie etwa Okinawa oder Hawaii beliebter wurden. Seitdem ist Miyazaki als Reiseziel etwas unbedeutender geworden und die Präfektur hofft noch immer, an die alten Erfolgstage wieder anschließen zu können. Als 2005 dann die südkoreanische Fernsehproduktion „Wedding“ teilweise in Miyazaki spielte, kamen Hoffnungen auf, dass nun vielleicht wieder mehr junge Paare ihre Flitterwochen verbringen oder hier heiraten würden, aber diese Hoffnungen scheinen sich nicht erfüllt zu haben. Stattdessen erfreuen sich offenbar momentan „mou ichido hanemūn“-Reisen (もう一度、ハネムーン) einiger Beliebtheit, bei denen Paare, die während des großen Booms geheiratet hatte und nun an die Orte ihrer Flitterwochen zurückkehren. Die Reise, die Koyama im Rahmen der Serie macht, wirkt in gewisser Weise wie eine tragische Version einer solchen Reise, da er sie allein und nur in Begleitung einer Postkarte von seiner Frau antritt.

Entsprechend besucht Koyama im Laufe der Serie auch alle typischen Orte, die ein Paar in klassischen Miyazaki-Flitterwochen besucht hätte; von der Stadt Miyazaki über Aoshima und Nichinan bis nach Kushima, wobei eine Vielzahl an der Strecke liegende Sehenswürdigkeiten, wie etwa die Strände oder den Schrein von Aoshima perfekt in Szene gesetzt werden. Auf diese Weise wirbt die Serie nebenbei auch für einen Urlaub in Miyazaki, indem sie den älteren Zuschauern, das Konzept von den zweiten Flitterwochen noch einmal näherbringt und gleichzeitig aber auch jüngere Fans der Regional-Dramas anspricht, die die Serie als Anregung betrachten, die nun vertrauten Locations zu besuchen.

„Miyazaki no futari“ ist Teil einer Reihe von Regional-Dramas (地域発ドラマ) bei NHK, die jeweils in einer bestimmten Präfektur produziert werden und dort die lokale Kultur und Attraktionen hervorheben sollen. Die Schauplätze der Serie spielen somit in gewisser Weise die eigentliche Hauptrolle. Diese Regional-Dramas sind offenbar recht beliebt, da sie viele Orte, die sonst eher nicht in Medienproduktionen auftauchen, in Szene setzen. Das erste Drama dieser Art war das 2002 erstausgestrahlte „Fukuoka hatsu chiiki dorama“ (福岡発地域ドラマ), das so erfolgreich war, dass seitdem jedes Jahr eine weitere derartige Produktion in einem anderen Teil von Fukuoka gemacht wurde. Außerdem ließ NHK aufgrund des nationalen Erfolges der Serie nun auch weitere Regionalsender derartige Serien für sie drehen. Die kleinen Regionalsender hätten in der Regel sonst nicht das Budget, um eine ganze Serie auf derart hohem Niveau zu produzieren.

Hauptzielgruppe dieser Produktionen sind die Menschen aus den jeweiligen Regionen, die so ihre eigene Kultur und Mentalität im Fernsehen repräsentiert sehen sollen, aber gleichzeitig auch ein nationales und teilweise sogar internationales Publikum, dass durch die hohe Qualität der Produktionen überzeugt werden soll. Die Dreharbeiten dieser Dramas ziehen immer auch Fans an, die begeistert sind, teils recht bekannte Schauspieler in ihrer eigenen Stadt sehen zu können. Zusätzlich bieten die Internetseiten fast jeder dieser Produktionen eine Karte, auf denen man nachschauen kann, an welchen Locations die Serie gedreht wurde, was nahelegt, dass es durchaus auch nach Ausstrahlung der Serien Touristen gibt, die diese Orte besuchen wollen. Oftmals finden sich hier sogar Beschreibungen, was die einzelnen Locations besonders macht, bzw. was ihre Atmosphäre ist.

Ob man von diesen Serien begeistert sein mag oder sie nur als bessere Urlaubswerbespots mit ein bisschen mehr Handlung betrachten will, sie scheinen doch durchaus recht hochwertig produziert zu sein, einige von ihnen wurden sogar mit Preisen ausgezeichnet. Auch scheinen sie kleineren Regionalsendern die Möglichkeit zu geben, Dramas zu produzieren, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten und die auch den lokalen Tourismus ankurbeln können.

Quellen
http://www.jnto.go.jp/eng/location/regional/miyazaki/
http://www.kanko-miyazaki.jp/
http://www.miyazaki-city.tourism.or.jp/

もう一度ハネムーンて素敵すぎ!宮崎発地域ドラマ「宮崎のふたり」


http://www.nhk.or.jp/miyazaki/futari/
http://29mt.net/archives/4585
https://www.nhk.or.jp/bunken/summary/research/bangumi/052.html
https://www.pref.miyazaki.lg.jp/contents/org/shoko/appeal/jaja/20_08.html
http://www.japantimes.co.jp/news/2005/11/09/national/miyazaki-hoping-for-a honeymoon-boom/#.WS0jjBPyjEY
http://kyube01.com/aoshima-896

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