Dark Tourism in Hiroshima

Von Sara Karagöz

Flickr, CC Arnaud Malon

Heute hat sich noch eine neue Form der Reiselust entwickelt und zwar der Katastrophentourismus oder engl. „Dark Tourism“. Der Katastrophentourismus ist eine bestimmte Art des Reisens, wo Menschen an Orte reisen, wo etwas Schreckliches passiert ist bzw. wo sich eine Katastrophe ereignet hat. Viele sind auf der Suche nach Sensationen und es reicht ihnen nicht von den Katastrophen in den Nachrichten zu hören, sie wollen selbst an den Orten gewesen sein und sich u.U. auch bereit Risiken dafür einzugehen. Beliebte Reiseziele des „Dark Tourism“ sind zum Beispiel Tschernobyl oder die Konzentrationslager in Ausschwitz. Da ist es auch nicht verwunderlich das Hiroshima als Ort einer historischen Katastrophe so gutbesucht wird.

Vor 72 Jahren am 6. August 1945 warf die USA die erste Atombombe „Little Boy“ auf die japanische Stadt Hiroshima ab. Die Bombe brachte sofort 800.000 Todesopfer. Drei Tage später am 9.August 1945 warf die USA eine weitere Atombombe auf die Stadt Nagasaki ab und zwang Japan somit zur Kapitulation. Und am 12. September war der 2. Weltkrieg offiziell zu ende. Auch in den Wochen darauf starben viele Menschen anhand innerer Verletzungen oder an einer Dosis der Strahlung.  Bis 1946 starben Menschen an den Langzeitfolgen der radioaktiven Strahlung. Insgesamt brachte die Atombombe in Hiroshima schätzungsweise bis 1946 160.000 Todesopfer. Die Überlebenden dieser beiden Atombombenabwürfen werden „Hibakusha“ 被爆者 (deutsch: Explosionsopfer) genannt.Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima wurden große Anstrengungen unternormen die zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Somit wurden auch historische Denkmäler wie das Schloss und der Shukkeien-Garten neu errichtet. Auch wenn Menschen immer noch zum Teil an den Folgen der Langzeitstrahlung erkranken, muss man sich keine Sorgen machen radioaktiver Strahlungen ausgesetzt zu sein. Die Strahlung ist in Hiroshima heute auf normalen Werten. Mittlerweile ist Hiroshima eine moderne Stadt mit circa einer Millionen Einwohner.

In der Mitte Hiroshimas liegt der Peace Memorial Park und gilt als wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt. Der Park umfasst 12 Hektar und in ihm stehen 60 Denkmäler, die an den 6.August und deren Opfer erinnern sollen. Seit 1947 wird jedes Jahr eine Friedenszeremonie am Peace Memorial Park abgehalten, wo Menschen die Todesopfer betrauern und eine Schweigeminute um 08:15 Uhr einlegen. Die Uhrzeit, als die Bombe gezündet wurde. Danach lassen viele Menschen angezündete Papierlaternen ins Wasser treiben Einer der bedeutendsten Denkmäler ist wohl der Atomic Bomb Dome (Genbaku Dome). Dieses Gebäude mit der Kuppel war um 1945 eine Handelskammer. Obwohl mit der Atombombe auf Hiroshima fast 80% der Stadt zerstört wurde, blieben die Grundmauern dieses Gebäudes auf wundersamer Weise verschont und sind seitdem her auch so erhalten geblieben. Aus diesem Grund wurde der Genbaku Dome zum UNESCO Kulturerbe ernannt und gilt heute als ikonisches Wahrzeichen der Friedensbewegung mit dem Apell nukleare Waffen weltweit zu verbieten. Gleichzeitig erinnert es an die Atombombe als zerstörerische Kraft, die von der Menschheit je geschaffen wurde.

Als weiteres berühmtes Denkmal gilt das „Children’s Peace Monument“. Dieses Denkmal stellt die 12-jährige Sasaki Sadako dar, die einen riesigen Origami-Kranich hält. Dieses Denkmal soll die toten Kinder gedenken. Als die Bombe fiel war sie 2 Jahre alt, überlebte sie und schien gesund. Aber als sie 12 Jahre alt war, wurde an ihr Leukämie diagnostiziert, eine häufig auftretende Krankheit der Menschen, die der Strahlung ausgesetzt waren. Man sagte Sadako, dass wenn man 1000 Kraniche falte, wieder gesund werde, so begann sie ohne Pause Kraniche zu falten. Nach ihrem Tod falteten ihre Klassenkammeraden die restlichen Kraniche und so wurde es schließlich 1.000 Kraniche. Um das Denkmal stehen aufgestellte Glaskästen, die mit Papierkranichen gefüllt sind. Weltweit kann man für Hiroshima 1000 gefaltete Kraniche spenden und so ein Zeichen

Insgesamt kommen jährlich ca. 1,3 Millionen Touristen nach Hiroshima, womit macht der Tourismus 2,3% der lokalen Wirtschaft aus. Dieser Wert ist höher als im japanischen Durschnitt. Die meisten Touristen kommen aus Europa und Amerika und Australien, Menschen aus asiatischen Ländern sind eher weniger. Viele Touristen tummeln sich vor dem Peace Memorial Park, dabei wird dieser Besuch meist stillschweigend und mit Ernst und Respekt abgehalten. Viele Touristen nehmen auch an der Friedenszeremonie jährlich am 6. August zum Jahrestag des Atombombenabwurfes teil. Hiroshima versteht sich heute als eine Stadt der Friedensbewegung und lockt natürlich mit diesem Image Besucher an. Dabei wird oft insbesondere das Leiden der Japaner in der Rolle des Opfers betont. In den Museen werden andere asiatische Todesopfer kaum erwähnt. Es wäre denkbar, dass eine bessere Aufarbeitung der Vergangenheit aufarbeitet, die Zahl der asiatischen Touristen vergrößert.

Quellenverzeichnis:
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/gedenktourismus-hiroshima-lockt-mehr-als-nagasaki/10310694.html
http://www.foxnews.com/travel/2016/05/26/hiroshima-moves-into-spotlight-as-tourist-destination-ahead-obamas-visit.html
http://en.unesco.org/
http://edition.cnn.com/2016/05/26/travel/hiroshima-peace-memorial/
https://hpd.de/artikel/12040
http://www.zeit.de/kultur/2016-03/dark-tourism-leid-reisen-sarajevo-fehlendes-mitgefuehl-10nach8
http://www.dark-tourism.com/index.php/15-countries/individual-chapters/460-hiroshima-peace-memorial-park
http://www.geschichte-lexikon.de/atombombenabwurf-hiroshima-nagasaki.php
http://www.netzpiloten.de/katastrophentourismus-menschheitsgeschichte-lernen/

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