Hokkaidō: Eine Geschichte über Liebe und Whisky

Von Milena Gross

Flickr, CC lefty1007

Die Präfektur Hokkaidō ist kein Unbekannter, selbst wenn man nicht viel von dieser Insel weiß, den Namen hat man zumindest schon einmal gehört. Entweder man hört von Hokkaidō durch die Medien, wenn im Winter deutsche Nachrichten kurz von den Eisskulpturen in Sapporo berichten, oder man begegnet ihr im Supermarkt als wichtiger Produktionsort für z.B. Milchprodukte. Doch die nördlichste Präfektur Japans hat noch einiges mehr zu bieten als nur Eis, Schnee und Kürbisse. Auch wenn man in Deutschland nicht allzu viel über die zweitgrößte Insel Japans weiß, im Sommer ist sie bei den Japanern selbst recht beliebt. Wegen ihrem subborealem Klima, wodurch die Winter zwar recht kalt und schneereich sind, ist der Sommer auf Hokkaidō  kühler und angenehmer als im restlichen Teils Japans. Aber auch die dortigen Skigebiete sind sehr beliebt, nicht nur bei Japanern. Das Klima beschert Hokkaidō  eine reiche Natur – im Frühling zeichnen weite, farbenfrohe Blumenwiesen die Landschaft und in den vielen Nationalparks lässt sich Natur dieser Insel in Ruhe genießen. Mit dem Shiretoko National Park (知床国立公園) besitzt Hokkaidō  einen der größten Parks, dieser Art, in Japan. Früher war die Präfektur einst das Zuhause der Ainu, eine indigene Bevölkerung. Noch heute leben einige von ihnen auf ihrer Insel, jedoch sind sie nur noch eine Minderheit. Doch durch Museen und Festivals kann man diese Kultur, diesen Teil von Hokkaidō  zumindest teilweise erleben.

Die kleine Küstenstadt Yoichi (余市町) liegt im Westen der Inseln, nahe der Städte Otaru und Sapporo. Bekannt ist sie vor allem durch ihre Getränke – der dort produzierte Apfelsaft, Wein und Whisky ist sehr beliebt. Vor allem der Whisky spielt eine ganz besondere Rolle für die Stadt, denn Yoichi gilt als die Geburtsstätte des japanischen Whiskys. Der Nikka Whiskey, der immer noch Vorort produziert wird, hat schon einige Preise eingeheimst und ist weltweit bekannt. Im September 2014 startete NHK das Asadora Massan (マッサン), welches rasch an Beliebtheit gewann. In ungefähr 150 Episoden erzählt es die Geschichte eines, für die Showa-Zeit, ungewöhnlichen Paares und der Geburtsstunde des japanischen Whiskys. Die erste Hälfte der Serie spielt in Hiroshima und Osaka, während der zweite Teil sich nur um Yoichi dreht.

Nachdem Masaharu Kameyama (Tetsuji Tamayama) mit seiner Frau Elizabeth „Ellie“ Kameyama (Charlotte Kate Fox) nach Hause zurückkehrt, ist der Schock groß. Die Blondine ist das neue Mitglied der Familie, eine westliche Frau, die ihr Sohn, während seiner Studienzeit in Schottland heiratete. Masaharu und Ellie scheinen ein ungleiches Paar zu sein, das Drama stellt ihn als Träumer dar, während sie die Elegante ist. Das multikulturelle Paar wird stets mit Problemen konfrontiert, seien es familiäre oder berufliche. Während Ellie anfangs mit ihrem neuen Leben in Japan Probleme hat, hat Masaharu Probleme seinen Traum, den von der eigenen Whisky-Brennerei, zu erfüllen. Seine Mutter ist gegen seinen Traum und versucht ihn stets an Hiroshima und die familieneigene Sake-Brauerei zu binden, während sein Vater ihn bei seiner Idee unterstützt. Masaharu und Ellie ziehen nach Osaka, wo er seinen Job in der Sumiyoshi-Brauerei weiterführt, in der Hoffnung dort mit seiner Whisky-Produktion zu beginnen. Doch nach einem Weinskandal, aus der sich die Brauerei noch retten kann, wird Masaharus Plan verworfen und er wird gefeuert. Zu stolz um ein Angebot von Kamoi, President von Kamoi Trading, anzunehmen, schlägt sich Masaharu mit verschiedenen Jobs durch, während Ellie Englisch und Gesang lehrt. Später schließt er sich doch noch mit Kamoi zusammen, doch beide haben verschiedene Auffassungen von der Whisky-Herstellung. Währenddessen erfährt Masaharu, dass Ellie schwanger ist, jedoch verliert sie ihr Kind später. Zu diesem Rückschlag gesellt sich auch der erste gebraute Whisky hinzu, denn dieser verkauft sich eher schlecht als recht – dennoch will Masaharu die Art seines Whiskys nicht ändern, weswegen er von Kamoi nach Hokkaidō geschickt wird. Auf Hokkaidō  soll er versuchen seinen Alkohol zu verkaufen, um zu verstehen, wie schwerwiegend Probleme im Verkauf sind. Allerdings trifft er in Yoichi auf einen ehemaligen Samurai, der ihm seinen gesamten Whiskybestand aufkauft. In Yoichi beschließt Masaharu mithilfe von Investoren seine eigene Destillerie aufzubauen – immerhin sei der Ort perfekt dafür. Doch auch hier verläuft der Verkauf seines Whiskys eher bescheiden. Erst als der zweite Weltkrieg ausbricht und die kaiserlich japanische Marine Masaharus Whisky kauft, sind seine Finanzen zum ersten Mal seit langem stabil. Doch mit dem Angriff auf Pearl Harbor wird Ellie vor die Wahl gestellt, Japan verlassen oder bleiben. Ellie bleibt, wird jedoch fälschlicherweise verdächtigt eine Spionin zu sein.

Mit Charlotte Kate Fox, der Darstellerin von Ellie, erweckte das Drama zusätzlich, großes mediales Interesse. Die Amerikanerin ist die erste nicht-japanische Hauptdarstellerin in einem Asadora und hat, ähnlich wie ihre Figur Ellie, Probleme mit der japanischen Sprache, da sie diese auch erst erlernen musste. Allerdings sind auch Story und Setting des beliebten Dramas eine Besonderheit. Hokkaidō  wurde nicht zufällig oder wegen der schönen Kulissen als Drehort gewählt. Massan basiert auf wahren Begebenheiten, der Geschichte des Vaters des japanischen Whiskys, Masataka Taketsuru. Er selbst reiste 1918 zum studieren nach Schottland, wo er seine Frau Jessica Roberta „Rita“ Cowan kennenlernt. Seit 1934 lebte das Paar auf Hokkaidō , wo sie im selben Jahr die Whisky Destillerie in Yoichi errichteten.

Der Nikka Whisky ist nicht nur auf Hokkaidō  bekannt, durch die Ausstrahlung des Dramas stiegen die Verkaufszahlen in Städten wie Tokio, wo das Getränk zeitweise sogar ausverkauft war. Aber nicht nur in Japan stiegen die Verkaufszahlen, weltweit stieg die Popularität des japanischen Whiskys, so dass einige der ältesten, bekanntesten und preisgekrönten Kompositionen nicht mehr auf Lager waren. Massan wirkt sich nicht nur auf den Verkauf von alkoholischen Getränken aus, auch lockt er eine große Anzahl an Touristen nach Hokkaidō  und Yoichi. Glücklicherweise muss weder Stadt, noch Präfektur viel tun, um diese anzulocken, da das Drama auf einer wahren Geschichte basiert und all die gezeigten Orte noch vorhanden sind. Die alte, originale Nikka Whisky-Destillerie, welche natürlich auch im Drama präsent ist, ist immer noch in Betrieb und dient zum Teil als Museum. Dort haben Besucher nicht nur die Möglichkeit den Whisky zu kosten und dabei etwas über das Unternehmen zu lernen, sondern auch über das Leben des „Vaters“ des japanischen Whiskys.

Im Winter 2016/2017 fand in Yoichi ein Schneefestival statt, ähnlich wie in Sapporo und der Nachbarstadt Otaru, die „Yoichi Snow Story“. Mit dem Thema Dream of the Amber (琥珀色の夢) war auch wieder der Whisky, Masataka und Rita vertreten. Goldene Lichtinstallationen repräsentierten, entlang der „Rita Road“ und des Yoichi Ekimae Parks, jede Nacht die Farben des Whiskys. Während das Schneefestival lief, eröffnete ungefähr zeitgleich das „Massan Yoichi Informationszentrum“ (よいち情報館 ) eine Massan Memorial Zone, wo die Kostüme der Darsteller des Asadora, für eine begrenzte Zeit, ausgestellt wurden. Auch an anderen Orten ist das berühmte Drama vertreten, so wirbt der Hokkaidō  Travel Guide mit Massan, um das „Historical Village of Hokkaidō “ (開拓の村), ein Freiluftmuseum nahe Sapporo. Dort stehen mehr als 60 Gebäude aus der Meji- und Taisho Zeit. Dass einige Szenen in dieser „Stadt“ gedreht wurden, soll die Werbetrommel natürlich noch mehr ankurbeln.

Quellen
http://www.japantimes.co.jp/life/2016/04/02/environment/tipple-thats-close-heart-life/#.WQ-SCcZBpPZ
https://www.theguardian.com/world/2014/mar/14/american-actor-charlotte-kate-fox-mother-japanese-whisky
https://traveldreamscapes.wordpress.com/2015/02/23/japan-Hokkaido -nikka-whisky-yoichi-distillery/
http://www.nikka.com/eng/founder/
http://jpninfo.com/62992

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