Hyôgo: Wie Idols den Tourismus ankurbeln können

Von Marieke Schwanke

Himeji-jô; eignes Foto der Autorin

Neben den bekannten und beliebten Reisezielen Osaka, Kyoto und Nara in der Kansai-Region im Südwesten Japans liegt die Präfektur Hyôgo. Sie wird häufig übersehen, obwohl sie von unberührter Natur in den Bergen, über Strände und Meer, bis zur pulsierenden Hafenstadt Kobe, welche gleichzeitig die Hauptstadt der Präfektur und die fünftgrößte Stadt Japans ist, einiges zu bieten hat. Kobe ist dank seines modernen Hafens, das sogenannte Harborland, ein beliebtes Touristenziel. Auch viele internationale Unternehmen sind dort ansässig. Aber wohl am ehesten denkt man bei „Kobe“ an das Kobegyû, das weltweit preisgekrönte Rindfleisch, welches man natürlich in seiner Heimatstadt am besten verspeisen kann. Die vermutlich bekannteste Sehenswürdigkeit Hyôgos ist das UNESCO-Weltkulturerbe Himeji-jô (Burg/Schloss Himeji). Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und gilt als das einzige Schloss Japans, dass noch in seinem Originalzustand steht, da es dank gekonnter Tarnung im Krieg von Zerstörung verschont geblieben ist. Es ist außerdem bekannt für seine weiße Farbe, weswegen es auch Shirasagijô (Weißer-Reiher-Schloss) genannt wird, und lädt mit seinen großen Parks und Gärten jährlich viele einheimische und ausländische Touristen – gerade zur Kirschblütenzeit –  ein. Im Norden Hyôgos gibt es wunderschöne Strände zum Entspannen und Spazierengehen. Dort befindet sich die traditionelle Onsen-Stadt Kinosaki, in der man in vielen traditionell japanischen Hotels, sogenannten Ryokan, eine schöne Zeit verbringen kann.

Aus Hyôgo stammen natürlich auch einige berühmte Personen. So wurden unter anderem auch vier von sieben Mitgliedern der männlichen Idol-Gruppe ジャニーズWEST (Johnny’s West) in Hyôgo geboren. Der in den 1970er Jahren entstandene Idol-Kult ist besser dafür bekannt, dass hübsche, junge Mädchen in verschiedenen Gruppen für ihre hauptsächlich männlichen Fans auf der Bühne stehen und singen und tanzen. Gleichzeitig dazu ist aber auch ein männlicher Idol-Kult entstanden. Gerade die 1962 von Johnny Kitagawa gegründete Agentur Johnny’s & Associates ist für ihre männlichen Idols bekannt. So gehören zum Beispiel große Namen wie SMAP und 嵐 (Arashi), die auch im Ausland bekannt sind, zu dieser Agentur. Die unter Johnny’s & Associates stehenden Idols gehören in der Regel verschiedenen Boygroups an, sind aber nicht nur reine Sänger und Tänzer, sondern agieren auch häufig als Schauspieler (sowohl Film, TV und Theater) oder Werbegesichter. Die Fans dieser Gruppen sind zu ca. 95 % weiblich, aber die Gruppen genießen insgesamt eine große Beliebt- und Bekanntheit in der japanischen Gesellschaft. Die o.g. Gruppe ジャニーズWEST gehört auch dieser Agentur an und ist aufgrund ihrer Herkunft aus der Kansai-Region zu den Botschaftern für alle 粉門 (konamon, mehlbasierte Gerichte, wie z.B. お好み焼き(Okonomiyaki), für die die Kansai-Region  bekannt ist) ernannt worden.

Aus diesem Grund hat der Fernsehsender TV Asahi, bzw. der Tochterfernsehsender ABC, der hauptsächlich in der Kansai-Region  ausgestrahlt wird, extra ein Format namens ドヨルの粉門クエスト(doyoru no konamon quest) für diese Gruppe geschaffen. Die Show lief von Oktober 2015 bis März 2016 jede Samstagnacht. In der Show wurden die sieben Mitglieder von ジャニーズWEST in drei verschiedene Teams eingeteilt, die gegeneinander antreten mussten. Ziel war es so schnell wie möglich von Osaka nach Nagasaki zu kommen, um dort Inahoyaki zu essen. Jedes Team hatte eine bestimmte Auflage, wie sie sich fortbewegen bzw. reisen sollten. Es gab Team „Auto“, Team „Heimatort“ und Team „Zug“. Team „Auto“ durfte zwar, wie der Name schon verrät, mit dem Auto fahren, musste aber um die Kilometer würfeln, die sie fahren durften. Team „Heimatort“ musste Passanten ansprechen und diese nach ihrem Heimatort fragen und dann dort hinreisen, ihr erstes Ziel war dann zum Beispiel Okinawa. Team „Zug“ musste auch Passanten ansprechen und von diesen im Zug mitgenommen werden. In jedem Ort, in dem die Teams stoppten, weil sie ihre Kilometer aufgebraucht hatten, in Okinawa gelandet waren oder nur bis dorthin mit dem Zug gekommen waren, mussten sie die jeweilige 粉門-Spezialität des Ortes essen. Team „Zug“ musste als einziges Team insgesamt zweimal in Hyôgo stoppen. Ihr erster Zwischenstopp war in Sannomiya in Kobe, wo sie ganguroyaki aßen. Ihr zweiter Zwischenstopp war in Himeji, wo sie gujayaki gegessen haben. Natürlich wurden in dieser Show auch automatisch einige Aufnahmen mit den Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Himeji-jô, der gerade bereisten Stadt gezeigt und auch einige Hintergrundinformationen gegeben.

Gerade auf Reisen möchte viele Menschen gerne die Spezialitäten der Region essen. So bietet dieses Fernsehformat ihnen einige Informationen, was sie wo essen gehen sollten. Außerdem kann man auf der Internetseite der Show ganz genau nachvollziehen, wo was gegessen wurde und man es finden kann, wodurch die gezeigten Läden und Restaurants zumindest auf einen temporären Gästezuwachs hoffen dürfen.  Auch durch die Fanbindung zu der Idol-Gruppe, die nun zum Teil selbst aus Hyôgo stammt, reisen viele Fans natürlich dorthin und möchten die gleichen Sachen wie ihre Idols sehen und essen, im gleichen Restaurant sein, am gleichen Ort stehen, wo die Boygroup schon einmal stand. Zudem wird durch die große Bekanntheit der Idol-Gruppen ein relativ großes Publikum durch das Medium Fernsehen erreicht, wodurch der Tourismus durchaus profitieren und angekurbelt werden kann.

Quellen

http://www.japantimes.co.jp/news/2009/04/14/reference/so-you-wanna-be-a-johnny/#.WRIud4GxWEf

ttps://en.japantravel.com/hyogo

http://www.jnto.go.jp/eng/location/regional/hyogo/

https://www.asahi.co.jp/doyoruquest/konamon/

http://www.johnnys-net.jp/page?id=artistTop&artist=29&lang=en_us

http://www.jehp.jp/jwest/info/index.html

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