Zwischen Mensch und Maschine: Robo-jî

RoboConstanze Thede hat sich den Film „Robo-G“ angesehen und für den Blog eine Kritik dazu verfasst. Viel Spaß beim Lesen.

Kann ein Roboter den Menschen ersetzen? Kann er mehr sein als nur ein seelenloser Haufen Metall? In seinem Film Robo-jî ロボジー („Robo-G“, 2012) nähert sich Regisseur Shinobu Yaguchi dieser Fragestellung aus einem ganz unerwarteten Blickwinkel heraus.

Innerhalb von drei Monaten sollen Hiroki Kobayashi (Gaku Hamada), Shinya Nagai (Junya Kawashima) und Kôji Ôta (Shôgo Kawai) im Auftrag ihres Chefs (Takehiko Ono) für die Firma Kimura Denki einen Roboter bauen, der auf einer großen Robotermesse seinen Auftritt haben soll. Das Problem: Die drei Ingenieure kommen eigentlich aus ganz anderen Abteilungen und haben keine Ahnung von der Materie. Als ihr mühsam zusammengebastelter Roboter eine Woche vor Messebeginn in seine Einzelteile zerfällt, stecken sie in der Klemme.

Nun muss eine schnelle Lösung her: Ein Mensch soll in die Haut des Roboters schlüpfen und auf der Messe den perfekten Auftritt vortäuschen. Als geeigneter Kandidat findet sich der Rentner Herr Suzuki (Mickey Curtis), der zunächst glaubt, für ein Kostümfest engagiert worden zu sein.

Das Publikum ist von dem so menschenähnlichen Roboter New Shiokaze ニュー潮風 („Neue Meeresbrise“) begeistert und die Anfragen nach weiteren Auftritten prasseln nur so auf das Ingenieurteam herein. Doch was geschieht, wenn der Schwindel auffliegt?  

Der Film punktet mit seinen liebenswert-schrägen Charakteren, passender Hintergrundmusik und einer Reihe von spannenden und komischen Szenen. Langweilen muss sich der Zuschauer keine Sekunde lang.

Besonders die drei stets sehr hilfsbedürftig wirkenden Ingenieure von Kimura Denki bescheren dem Publikum einige Lacher, da sie durch ihre technische Unwissenheit immer wieder in komische Situationen geraten. Für allerlei Komik sorgt auch die von Yuriko Yoshitaka sehr eindrucksvoll verkörperte Studentin Yoko Sasaki, die besessen von Robotern ist, und zum Leidwesen des Ingenieurteams New Shiokaze zu ihrem neuen Lieblingsroboter auserkoren hat.

Obwohl es sich um eine Komödie handelt, spricht der Film durchaus auch traurige Themen an. Der von Mickey Curtis so überzeugend dargestellte Herr Suzuki führt uns die Schattenseiten des Alterns vor Augen. Herr Suzuki, der sein Leben lang hart gearbeitet hat, führt im Alter ein tristes Rentnerdasein und wird sowohl im Altenheim als auch von der Familie seiner Tochter nicht für voll genommen. Als Roboter findet er endlich die Beachtung, die er sich so sehr gewünscht hat. In einer denkwürdigen Szene taucht er als Roboter bei seiner Tochter und seinen Enkelkindern auf, die ihm so zum ersten Mal ihre volle Aufmerksamkeit widmen. Als die beiden Enkel sich fürs Foto neben ihm postieren, bemerken sie, dass der Roboter „wie Opa riecht“. Der sonst so stolze Herr Suzuki springt hier über seinen Schatten und gibt sich nicht zu erkennen.

Passend zum Roboterthema wurde auch die mit elektronischen Elementen versehene Hintergundmusik ausgewählt, was ein stimmungsvolles Gesamtbild erzeugt. Besonders wirkungsvoll zeigt sich die Einspielung des Songs Mr. Roboto (eine Adaption des gleichnamigen Songs von Styx aus dem Jahr 1983). Dieser Song untermalt wunderbar den Abspann des Films und unterstreicht noch einmal den „coolen“ Charakter des New Shiokaze alias Herr Suzuki. Außerdem greift der Songtext das Thema Mensch-Maschine auf und passt so perfekt zum Inhalt des Films.

Insgesamt ist der Film also nicht nur für Roboter-Liebhaber sehenswert. Jedem, der intelligente und feinfühlige Komödien mag, die auch gesellschaftskritische Elemente enthalten, ist der Film absolut ans Herz zu legen. Aber auch, wer einfach nur nach guter Unterhaltung sucht, wird auf keinen Fall enttäuscht werden.

Hier noch der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.