Der japanische Western – oder wie sich der Kreis schließt

Sukiyaki Western Django
Screencapture aus Sukiyaki Western Django, Flickr CC, Laura Loveday

Der Westernfilm als solcher hatte seine Blütezeit in den 50er bis 70er Jahren, doch nicht viele außerhalb der Szene wissen, dass einige der prägnantesten und bedeutendsten Western ohne die Filme eines japanischen Regisseurs namens Akira Kurosawa nicht möglich gewesen wären. So ist der Film Für eine Handvoll Dollar, der erste Teil der sogenannten Dollartrilogie von Sergio Leone, ein Remake des Kurosawa Films Yojimbo. Ebenso ist der Film Die glorreichen Sieben, wie der Name schon vermuten lässt, ein Remake des Films Die sieben Samurai.

Diese Inspiration zog sich von dort an durch das Westerngenre, insbesondere des Italowesterns. Die Cowboys und Sheriffs verkörperten die Ideale des von Kurosawa geprägten Samurai-Bildes. Sie beschützten die Schwachen und setzten ihr Leben im Kampf gegen Ungerechtigkeiten jedweder Art ein. Dies ist natürlich historisch gesehen äußerst fragwürdig, aber auch hier ist es interessant zu erkennen, dass in der Fiktion, sowohl Cowboys als auch Samurai ähnlich romantisiert wurden.

In den letzten Jahren sind in Japan Western erschienen, die sich wiederum von den Italowestern und US-Western haben inspirieren lassen. Als besonders bekannte Beispiele sind hier Sukiyaki Western Django von Takashi Miike und der Film Unforgiven mit Ken Watanabe in der Hauptrolle zu nennen.

Während Sukiyaki Western Django die Handlung um den Genpei-Krieg in einem Western-Setting einige Hundert Jahre später ansiedelt und typisch für Miike schrill und verrückt inszeniert ist, ist der Film Unforgiven ein Remake des gleichnamigen, Oscar-prämierten Films von und mit Clint Eastwood aus dem Jahr 1992. Der Unterschied liegt hier nur im Setting, denn während der Eastwood in einer kleinen Stadt in Wyoming spielte, liegt der Handlungsort des Remakes in einem Dorf auf Hokkaido in den frühen Jahren der Meiji-Ära.

Insbesondere Unforgiven hat 2013 für seine Inszenierung von der Fachpresse rund um die Welt großes Lob erhalten. Die Verarbeitung der Story des Eastwood-Klassikers in der Region Hokkaido, die am Anfang der Meiji-Zeit vergleichbar mit dem Frontier im Wilden Westen war, und die wieder erstarkte Besinnung auf die Werte, die in den Kurosawa-Filmen verdeutlicht wurden, sind besonders hervorgehoben worden.

Es ist äußerst interessant, wie sich zwei unterschiedliche Genre, namentlich der Western und das japanische jidaigeki (Historienfilm) gegenseitig inspiriert haben und ein neues Subgenre gegründet haben – den japanischen Western. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Genre in den kommenden Jahren erstarken wird, aber der Erfolg von Unforgiven lässt einen zumindest hoffen.

3 Gedanken zu „Der japanische Western – oder wie sich der Kreis schließt

  1. Vielen Dank für Ihren Beitrag zum japanischen Western! Es ist erfreulich, dass Sie dieses Thema hier aufgreifen: Es zeigt, wie ein vermeintlich so ‚amerikanisches‘ Genre spielend Einflüsse aus anderen vermeintlich ‚fremden‘ Kulturen aufnehmen konnte – und wie dieses Genre weltweit funktionieren kann. Sie stellen hier einige sehr wichtige Beispiele vor – es wäre schön, wenn Sie in solchen Fällen noch etwas detaillierter arbeiten könnten. Bei der Erstnennung eines Films sollte z.B. immer auch sein Erscheinungsjahr angegeben werden. Und den Regisseur von „Unforgiven“ (Lee Sang-il) haben Sie auch unterschlagen 😉

  2. Ein sehr interessantes Thema und ein sehr interessanter Artikel.
    Ich habe als Kind sehr gerne Western gesehen und habe in den letzten Jahren immer mehr japanische Historienfilme gesehen, deswegen finde ich es sehr spannend, wie sich die beiden Genres eigentlich ähnlichen und wie sie aufeinander basieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.