Silent Hill 4 und das hikikomori-Phänomen: Eine Zusammenfassung

In der letzten Seminarstunde haben wir uns mit insgesamt vier Texten auseinander gesetzt – einer von ihnen war „Der Raum als Mutterschoß: Silent Hill 4 und das hikikomori-Phänomen“ von Katharina Hülsmann. Für alle Interessierten gibt es hier nun eine Zusammenfassung des Textes.

 

Copy Right: Carolin Stehr
Foto: Carolin Stehr

Der Text an sich befasst sich zunächst mit der Klärung der Grundbegriffe wie hikikomori und einer Definition von PC- und Videospielen. Weiterhin verknüpft die Autorin den Begriff  hikikomori mit dem im Jahre 2004 erschienenen Spiel „Silent Hill 4: The Room“, welches  aus dem Hause Konami stammt.

Die Art und Weise wie die Autorin das Phänomen des „sich Zurückziehens / im eigenen Raum verschließen“ (hikikomori) auf den Spielinhalt/Motivik des Games anwendet, finde ich persönlich sehr interessant. Nach Hülsmann seien besonders Jugendliche in Japan von dem Lebensstil hikikomori betroffen. Das Zimmer sei hierbei eine Art Rückzugsort, ähnlich einem „Kokon“ oder „Mutterschoß“.

Silent Hill 4: The Room spielt, wie der Name schon erahnen lässt, in nur einem einzigen Raum. Von diesem aus wird der Spieler immer wieder in andere Dimensionen katapultiert. Im Spiel kann man den Raum nicht verlassen, sondern nur eine Art „ Albtraum-Welt“ durch verschiedene „Tunnel“  betreten.

Bereits der verschlossene Raum hat laut Hülsmann eine besondere Motivik, die sich mit dem hikikomori-Phänomen verbinden lassen kann.  Oftmals werden die Wände und Korridore in der „Albtraum-Welt“ fleischig und lebendig pulsierend dargestellt – die Autorin verweist hierbei auf die Motivik des „Geburtskanals“ oder der „Nabelschnur“, die häufig in Verbindung mit der Beziehung zwischen Mutter und Kind gebracht wird.

Laut Autorin wird der Begriff hikikomori innerhalb des Spiels nicht explizit genannt, aber man könnte die Motivik sehr wohl auf Silent Hill 4: The Room anwenden. Weiterhin werde das hikikomori-Phänomen durch die „Mutterleibs-Symbolik“ verstärkt, ebenso wie durch den Spielinhalt an sich. Die Fixierung auf das Zimmer, so wie es bei hikikomori gegeben ist, sei im Spiel also besonders ausgeprägt.

Alles in allem finde ich , dass es sich um einen sehr interessanten Text handelt, der verständlich geschrieben und dargestellt ist. Die Verknüpfung zwischen hikikomori und dem Spiel ist meiner Meinung nach besonders originell und macht den Text so lesenswert.

8 Gedanken zu „Silent Hill 4 und das hikikomori-Phänomen: Eine Zusammenfassung

  1. Vielen Dank für das erneute Aufgreifen der Hikikomori-Thematik in Bezug auf Silent Hill.

    Ich persönlich habe keines der Spiele bisher gespielt (wenn man von dem kurzen Einstieg in der Seminarsitzung vor zwei Wochen absieht) und fand diesen Vergleich dennoch mehr als interessant. Auch wenn es nicht als bestätigt gilt, scheint es mir durch die Erwähnung dieser fleischigen, „pulsierenden“ Wände als sehr plausibel, diese Analogie anzustellen.
    Es ist auch sicherlich neuartig, diese psychoanalytische Theorie über das Phänomen Hikikomori mit einem Videospiel zu verbinden – und ein Horrorgame bleibt einem da natürlich besonders gut im Gedächtnis! Ich finde solche Analysen immer ziemlich spannend, da zunächst als „an den Haaren herbei gezogene“ Thesen meist doch einleuchtend und durch passende Argumente belegt und bewiesen werden können.

    Ob es nun wirklich so intendiert war, kann natürlich niemand außer dem „Autor/Erfinder“ selbst wissen – meiner Meinung nach helfen derartige Motive dem Spiel aber immer, noch interessanter zu werden.

  2. Vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast den Artikel, den wir in der vergangenen Seminarsitzung gelesen haben, zusammenzufassen.

    Leider erschließt sich mir nicht der Sinn dieser Zusammenfassung, ohne dabei etwas böswillig zu meinen.
    Der Grund für meine Verständnislosigkeit liegt darin, dass jeder Seminarteilnehmer den genannten Text besitzt. Wir (die Seminarteilnehmer) wissen alle, worum es geht, da wir ihn bereits gelesen haben. Eine Zusammenfassung ist zwar hilfreich, aber theoretisch nicht von Nöten.
    Schlauer fänd ich das Ganze, wenn du den Artikel als Rezension verpackt hättest und nicht als Zusammenfassung. Immerhin kommen immer wieder „Fremdleser“ auf diesen Blog und lesen sich unsere Artikel durch. Mit einem solchen Artikel kann ein solcher Besucher eventuell nur recht wenig anfangen. Es fehlen grundlegende Dinge, wie beispielsweise „Wo ist dieser Artikel erschienen?“ oder „Wo kann ich ihn kaufen?“. Für eine Rezension hätte zudem die Zusammenfassung kürzer sein müssen und vielleicht hätten andere Aspekte, wie die Zielgruppe oder Dergleichen, interessanter sein können.
    Du musst bedenken, dass dieser Blog öffentlich im Internet steht. Auch wenn unsere Uni noch in der URL aufgeführt ist, kommen immer wieder Fremdleser hier hin. Wir schreiben also nicht nur für uns, sondern für alle. Also sollten wir uns ständig fragen „Würde jemand Fremdes verstehen, was ich mit meinem Artikel sagen will?“ und schon wird ein jeder Artikel viel besser.

    Nur so als kleiner Denkanstoß 😉

  3. @Andre Nobielski
    Vielleicht ist eine Zusammenfassung ja auch für Seminarteilnehmer interessant, die nicht an der letzten Sitzung teilnehmen konnten bzw. teilgenommen haben.
    Deine Denkanstöße machen aber durchaus Sinn, habe das wohl nicht so durchdacht, wie du :).

  4. Ich finde deinen Beitrag wirklich gut geschrieben.
    Ich hab keines der Silent Hill Spiele gespielt und wäre so auch nie darauf gekommen, dass man die hikikomori-Thematik darauf anwenden kann. Für mich hätte das nie zusammen gepasst.
    Ich muss hier deswegen Andre auch leider wiedersprechen. Ich bin zwar Seminarteilnehmerin, hab es aber versäumt den Text zu lesen. Für mich war das nun eine gute Zusammenfassung, sodass ich nun mehr mit der Thematik anfangen kann 🙂 Natürlich kann ein „Fremder“ aber eher weniger damit anfangen, aber sollte er/sie Interessen daran haben, ist die Lektüre auch schnell gegoogelt und kann eventuell irgendwo ausgeliehen werden.

    Ich finde es auch schön, dass du nochmal erklärt hast, was hikikomori ist und wie die Autorin Bezug auf das Spiel genommen hat. Diese ganze Thematik macht das Spiel meiner Meinung nach interessanter, aber wie Sabi schon geschrieben hat: Ob das nun gewollt war oder nicht, wissen nur die Erfinder des Spiels.

  5. Vielen Dank für den Beitrag! Ich finde auch, dass Herr Nobielski etwas zu zuversichtlich war, als er davon ausging, dass alle Seminarteilnehmer/innen den Text schon gelesen haben 😉 Insofern kann der Artikel für uns – zumal er gut formuliert ist – durchaus interessant sein, und eine eigene Bewertung gibt es am Ende ja auch. Für eine umfangreichere Rezension würde ich den Aufsatz denke ich noch in die bestehende Forschung zu Silent Hill einordnen, aber das ist für einen kurzen Blogeintrag auch etwas viel verlangt.

    Die Literaturangabe allerdings wäre natürlich schon nützlich gewesen, da gebe ich Herrn Nobielski Recht: Man muss immer auch daran denken, dass wir hier auch Besucher haben, die nicht am Seminar teilnehmen.

    Deswegen hier noch einmal die vollständige Literaturangabe: Hülsmann, Katharina (2011): „Der Raum als Mutterschoß: Silent Hill 4 und das hikikomori-Phänomen“. In: Japan-Pop Revolution – Neue Trends der japanischen Gesellschaft reflektiert in der Popkultur. Düsseldorf: dup, S. 43–59.

    Das Buch, in dem sich der Artikel befindet, ist mittlerweile leider vergriffen. Es steht aber auf jeden Fall bei uns in der ULB, und vielleicht gibt es sogar die Möglichkeit, dass wir den Artikel öffentlich zugänglich machen. Ich werde mich beim Verlag einmal danach erkundingen.

  6. Ich persönlich habe, obwohl ich mehrere andere Teile der Silent Hill-Reihe gespielt habe nie The Room zu fassen gekriegt und bin erst vor kurzem durch ein Let’s Play der Game Grumps auf dieses Spiel aufmerksam geworden. Allerdings wäre ich von allein nie darauf gekommen, dass dieses Spiel so stark auf die hikikomori Problematik anspielt, obwohl es ja ziemlich naheliegend ist. Manchmal braucht man eben einen Denkanstoß.

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