„The Dark Knight“ auf den Straßen Chibas

Batman (The Dark Knight)
flickr cc evarinaldiphotography

Es gibt im Bereich von Cosplay immer wieder Personen, die als besonders talentiert oder engagiert auffallen und dadurch erhöhte Aufmerksamkeit genießen und gerade im Internet schnell größere Bekanntheit erlangen. Kombiniert man diese Art, zu einem gewissen Grad berühmt zu werden, nun mit der Beliebtheit gewisser fiktiver Figuren über die gesamte Erde hinweg, kommt man wohl in etwa bei dem heraus, was die Präfektur Chiba seit nunmehr über einem halben Jahr stolz von sich behaupten kann: ihren eigenen echten Superhelden zu haben.

Seit nunmehr fast vier Jahren machen die Beobachtungen zahlreicher Japaner in der Präfektur direkt östlich von Tōkyō die Runde, die angeben (und auch mit vielen Fotos und Videos belegen), dass ihnen auf der Straße ein Mensch in voller Montur des stets düster gekleideten Superhelden begegnet sei – unterwegs auf einem offenbar selbstgebastelten, dreirädrigen Gefährt, dem „Batpod“. Die Geschichte, zunächst in Japan im Internet wild kursierend, fand schließlich auch ihren Weg in die internationale Presse- und Medienlandschaft, sodass nicht nur in Japan, sondern auch etwa hierzulande diverse größere Zeitungen Berichte über den schnell „Chibatman“ getauften Superhelden veröffentlichten. Die Popularität des lokalen Superhelden nahm schnell derart zu, dass er mittlerweile auch von der Polizei die Erlaubnis besitzt, seinen Fahrten in Kostümierung nachzugehen – und sogar dazu ermutigt wurde, damit weiter zu machen.

Inzwischen ist Chibatman in gewisser Weise zu einem Teil des öffentlichen Lebens in der Präfektur Chiba geworden. Aus Sicherheitsgründen (man befürchtete, es könne durch die Aufregung bei Teilnehmern oder Zuschauern zu Unfällen kommen) wurde ihm die Teilnahme am Chiba-Marathon in diesem Jahr zwar schlussendlich nicht gestattet, er legte jedoch bei der Zeremonie der Stadt zum Volljährigkeitstag einen Auftritt hin und sprach ermunternde Worte gegenüber den anwesenden Jugendlichen aus. Ohnehin versteht sich Chibatman, wie sein fiktives Vorbild, als Person – oder eben Superheld – mit der Aufgabe, der Bevölkerung gegenüber Gutes zu tun. Nach seinem Motiv, als Batman durch die Straßen der Präfektur zu fahren, gefragt, gab der Mann, dessen private Identität geheim bleibt, der jedoch ein ganz normaler 41 Jahre alter Japaner sein soll, an, er wolle „die Menschen zum Lächeln bringen“, wenn sie ihn auf der Straße sehen. Das Leid, das das Tōhoku-Erdbeben 2011 für die japanische Bevölkerung mit sich gebracht hatte, sei dabei der Auslöser für seine Aktion gewesen und habe diesen Wunsch in ihm geweckt.

Wie lang Chibatman noch unterwegs sein wird, ob er bald weitere Auftritte irgendwelcher Art hinlegen oder sich sonstwie über seine bisherigen Aktivitäten hinaus für dieses noble Ziel einsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die Aufmerksamkeit, die dem Mann – der im Grunde nur ein sehr, sehr guter Cosplayer ist (und sich sogar Mühe gibt, die tiefe Stimme Batmans aus den bekannten jüngsten Verfilmungen zu imitieren) – jedoch nicht nur in Chiba, sondern darüber hinaus international zuteil wird, zeigt jedoch, wie sehr auch mit Aktivitäten wie Cosplay gleich eine ganze Reihe von Menschen angesprochen und ein Beitrag zur Aufhellung des manchmal ziemlich tristen und grauen Alltags geleistet werden kann. Gerade in Japan, das ohnehin ständig mit Katastrophen und anderen Unglücken zu kämpfen hat, ist solch eine Angelegenheit durchaus ziemlich wichtig.

2 Gedanken zu „„The Dark Knight“ auf den Straßen Chibas

  1. Dein Beitrag ist wirklich schön geschrieben. Ich musste dabei ein wenig schmunzeln, weil ich mich an eine Convention zurück erinnert habe, bei ein Freund von mir Batman gecosplayed hat und gerade viele Kinder total auf ihn abgefahren sind. Natürlich ist das auf einer Convention was anderes 😉 Aber das eine ganze Stadt mitzieht, hat mich wirklich begeistert.
    Ich hab davor noch nichts von Chibatman gehört, finde aber auch schon die Verknüpfung von Chiba und Batman zu einem Wort großartig. Ich denke gerade in solchen Zeiten, wie nach dem Erdbeben tut es gut, so etwas zu sehen und auch, dass er den Menschen einfach nur ein Lächeln auf das Geischt zaubern will. Es ist eine schöne Geste in die auch scheinbar viele Gedanken und viel Motivation geflossen sind. Gerade die Bilder sind wahnsinn und auch wenn ich wirklich keine Ahnung vom Batman-Universum habe, ist das „Cosplay“ wirklich gelungen. Ich weiß von meinem Kollegen wie viel Mühe in so etwas steckt.
    Man kann nur hoffen, dass er das noch eine Zeit lang weiter macht und die Stadt Chiba die Freude daran nicht verliert

  2. Vielen Dank auch von mir für den amüsanten Beitrag! Ich finde es schön, wie Sie hier in ihrem Beitrag eine gewisse Spannung aufbauen und dann Stück für Stück die Informationen zum „Chibatman“ liefern. Sie haben generell einen flotten Schreibstil und zeigen Ihre sprachliche Gewandtheit unter anderem mit einer richtig gebildeten indirekten Rede (bei weitem keine Selbstverständlichkeit!). Das macht auch in Hausarbeiten Freude 😉

    Nur eine Kleinigkeit würde ich evtl. etwas anders formulieren:
    „Gerade in Japan, das ohnehin ständig mit Katastrophen und anderen Unglücken zu kämpfen hat“ => das klingt schon etwas heftig, ich denke das kann man auch etwas zuversichtlicher sehen.

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