Sayonara Zetsubō Sensei und Selbstmord als Running-Gag

Zetsubo
Zetsubô-sensei-Cosplay; Flickr cc, jasohill

Sayonara Zetsubô Sensei ist ein Manga von Kôji Kumenta, welcher auch als Anime umgesetzt wurde (Anime Produktion: Akiyuki Shinbo, SHAFT).

Der Anime sticht durch seinen außergewöhnlichen Animationsstil, als auch besonders schwarzen Humor und interessante Kritik an der japanischen Gesellschaft, und auch zahlreiche Verweise an andere bekannte Animes hervor.

Sayonara Zetsubô Sensei (jap. さよなら絶望先生, dt. „Leben Sie wohl, Herr Lehrer Verzweiflung“) dreht sich um den Alltag des Lehrers Nozomu Itoshiki, welcher jeden Aspekt des Lebens in einem negativen Licht betrachtet und auch bei kleinen Ärgernissen einen (nicht sehr erfolgreichen) Selbstmordversuch unternimmt, wie bereits in der ersten Folge des Animes. Konfrontiert wird er dabei mit seinem völligen Gegenteil, der Schülerin Kafuka Fuura, welche absolut alles optimistisch und verschönert sieht. Itoshiki Sensei versucht häufig seine negative Art auf seine Schüler zu übertragen – wie zum Beispiel als er ihnen aufträgt, anstatt Ziele für die Zukunft alle Dinge aufzuschreiben, die sie in ihrem Leben nie erreichen werden.

Jede Folge der Serie dreht sich um einen speziellen Aspekt des Lebens oder um spezielle Eigenarten der Japaner, der japanischen Kultur oder Gesellschaft, oder auch besondere Redewendungen. Die kritischen Aspekte werden dabei immer humorvoll auf die Schippe genommen. In Form der Schüler des immer verzweifelten Lehrers werden auch viele stereotype Charaktertypen parodiert (z.B. Hikikomori, „Ausländer“, etc.), sowie auch auch hin und wieder bekannte Anime oder auch Anime Elemente (Moe, Fanservice, etc) überspitzt dargestellt. Die Problematik nimmt dabei auch meistens nur Itoshiki Sensei wahr – und verzweifelt daran. Mit der Folge, dass er sich in sogut wie jeder Folge versucht das Leben (mindestens einmal) zu nehmen.

Auch die optische Gestaltung ist einen Blick wert; die Handlung findet in der Gegenwart statt, doch die Gestaltung soll im entfernten an die Ästhetik der Taishô Periode erinnern, ebenso erscheinen oft anachronistische Elemente in Architektur, Fahrzeugen und der Technologie. Darüber hinaus, werden Szenen, in denen man „Höschen-Blitzer“ oder ähnliches erwarten würde, interessanter Weise mit dem Gesicht des Mangaka-Assistenten Kosaku Maeda überdeckt. Ebenso ist die musikalische Unterlegung oft traditioneller japanischer Musik (z.B. mit japanischer Flöte) nachempfunden. Oft erinnert die Soundkulisse somit zum Beispiel an Kabuki Theater.  So wird also Kritik am japanischen Alltag begleitet von „typisch Japanischem“.

Dementsprechend ist Sayonara Zetsubô Sensei ein Anime mit Niveau, welcher dabei aber kurzweilig bleibt, wenn auch das Erzähltempo an manch einer Stelle sehr flink ist. Meiner Meinung ist der sadistisch-schwarze Humor und die Gestaltung erfrischend, und eine willkommene Abwechslung. Besonders das nahezu schon beiläufige Erscheinen von japanischen, traditionellen Elementen, künstlerischen Gestaltungsarten und auch der ungewöhnliche Schnitt machen den, kurz „SZS“, genannten Anime interessant.  So bekommt man auch aus der japanischen Sichtweise einen Blick auf die Problematiken des Alltags in Japan.

(Der Manga erscheint übrigens seit 2005 und hat bisher 29 Bände und ist leider in Deutschland bisher noch nicht erschienen.)

 

5 Gedanken zu „Sayonara Zetsubō Sensei und Selbstmord als Running-Gag

  1. Ein wirklich gut geschriebener Artikel.
    Ich selbst kannte Sayonara Zetsubō Sensei bisher noch nicht, finde jedoch, dass du den Lesern mit diesen Artikel einen guten Einblick in die Serie gibst, und man schnell in Versuchung kommt selbst einmal in die Serie hineinschauen zu wollen. Den Mix aus schwarzen Humor, der Thematik, Selbstmord, als auch die Einbeziehung von verschiedenen Aspekten des Japanischen Lebens stelle ich mir ziemlich interessant vor. Insbesondere das Thema „Selbstmord“ ist in Japan ja kein unbeschriebenes Blatt. Für viele Menschen ist es ja leider noch ein Tabu Thema das es totzuschweigen gilt. Ich kann mir gut vorstellen dass ein Werk wie Sayonara Zetsubô Sensei zum Aufzeigen von Gesellschaftlichen Problemen gut geeignet ist. Dadurch dass man das Japanische Schul-Setting, welches schon etliche Male in Manga und Anime Verwendung gefunden hat, mit traditionellen Komponente (Musik & Einflüsse aus der Taishô jidai) verbindet und unterlegt, hebt sich die Serie bestimmt gut von der breiten Masse ab. Ich mag schwarzen Humor und werde mir SZS in naher Zukunft mal anschauen.

  2. Vielen Dank für Ihren Artikel über diese außergewöhnliche Serie! Sie führen hier gut in die Motive und Gestaltung, vor allem des Anime, ein. Es macht Spaß, den Artikel zu lesen. Ich würde mich Ihnen anschließen und sagen, dass durch das Auf-die-Spitze-Treiben von Stereotypen und schwarzem Humor Gesellschaftskritik geübt wird.

    Ich selbst bin nie richtig in die Serie eingestiegen und habe nur sporadisch in den Anime geschaut, war aber sehr beeindruckt von der visuellen Gestaltung – teilweise werden Szenen durch eine extreme Reduktion verdichtet, es wird häufig mit gemusterten Flächen gearbeitet, und es gibt Stills im Stile nostalgischer Werbeanzeigen (das haben Sie ja auch schon angesprochen).

    Noch etwas vorsichtiger sollten Sie bei Formulierungen wie „spezielle Eigenarten der Japaner“ sein, das geht ein wenig in eine pauschalisierende Richtung, die ja der Anime selbst parodiert.

  3. Der Artikel war wirklich sehr spannend!
    Ich habe schon einmal in den Anime reingeschaut und er scheint schon sehr satirisch ausgelegt zu sein (mit den übertriebenen Stereotypen, dem bissigen Humor und der Gesellschaftskritik), bin aber nicht dazu gekommen, ihn weiter zu gucken. Teilweise ist es sehr schwer mitzukommen, wegen den etlichen Untertiteln. Es passiert immer so viel auf einmal.
    Es ist aber sehr interessant, mehr über die Thematik des Animes und der geübten Kritik zu erfahren. Vielleicht schaue ich doch mal wieder rein!

  4. Als großer Kumeta-Fan muss ich mich hier zu Wort melden 🙂

    Vielen Dank für den Artikel zu einem Manga / Anime, in den Japanologen auf jeden Fall wenigstens einmal hineinschauen sollten!

    Die Zusammenfassung passt sehr gut auf den Anime, insbesondere die erste Staffel, bzw. die ersten Bände des Mangas, wobei viele Elemente – unter anderem auch die Selbstmordversuche – im Verlauf der Serie doch stark in den Hintergrund treten. Das ist im Übrigen auch eine ziemliche Eigenart des Mangaka.

    Gerade im Manga findet sich auch sehr viel politische Satire, so ist im Hintergrund stets der damals aktuelle Premierminister versteckt und viele Kapitel gehen zumindest am Rande auf politische Skandale etc. ein (auch nach Fukushima!). Leider ist sehr vieles, sowohl in Manga als auch Anime, ohne umfangreiche popkulturelle Kenntnisse oder die Bereitschaft, sich diese anzulesen, quasi unverständlich. Das macht die Serie wirklich relativ schwer zugänglich, was ich recht schade finde. Andererseits kann man ziemlich viel lernen, wenn man sich die Mühe macht, die Anspielungen zu entschlüsseln. Mir persönlich hat Zetsubō-sensei dadurch auch sehr beim Japanisch lernen geholfen.

    Eine kleine Korrektur habe ich auch noch: Sayonara Zetsbuō-sensei wurde 2012 abgeschlossen; erschienen sind insgesamt 30 Bände.

  5. Der Artikel war wirklich gut geschrieben.
    Sayonara Zetsubô Sensei steht schon seit langem auf der Liste von Anime die ich sehen möchte und dieser Artikel hat bewirkt dass ich endlich damit angefangen habe ihn zu gucken. Danke dafür!

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