Der Tourismus der flauschigen Tiere

5970084140_f726514fab_b
Flickr.cc – Japan Nara Deer Cookie Vendor by emmett anderson

Japanische Katzencafés sind mittlerweile den meisten Menschen geläufig und was damals noch als Neuheit galt, ist heute bereits altes Eisen. Es gibt auch Eulen- , Hunde- und Kaninchencafés, aber hier möchte ich 3 Orte vorstellen, an denen ehemals wilde Tiere sich so an den Menschen gewöhnt haben, dass sie für den Tourismus genutzt werden.

Das wohl berühmteste Beispiel ist der Tōdai-ji Tempel in Nara. Hier gibt es abgesehen von der größeten hölzernen Buddha-Statue der welt, dem Daibutsu, jede Menge Rehe, die den Besuchern wortwörlich aus der Hand Fressen. Es werden sogar spezielle Kekse verkauft die nur für die Verfütterung hergestellt werden.

Weniger beakannt ist die Insel Ōkunoshima in der Präfektur Hiroshima, die im zweiten Weltkrieg ein strategisch wichtiger Ort war, weil dort Giftgas hergestellt wurde. Die Anlagen wurden aber nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr benutzt und in den verlassenen Ruinen nisteten sich tausende Kaninchen ein. Heute sind neben den Ruinen auf der Insel noch das Giftgas Museum und die äußerst zutraulichen Kaninchen zu besichtigen.

14913135276_d5efe4a2a1_k
Flickr cc, Kim Bui

Ein wahrer Geheimtip ist aber ein kleines Dorf in der Präfektur Miyagi in der Nähe von Shiroishi, das als „蔵王キツネ村“ (Zao Fox Village) bekannt ist.  Hier gibt es 6 verschiedene Fuchsarten, die frei um einen herumlaufen und auch hier kann man spezielles Futter für die Tiere kaufen. Allerdings sind die Füchse nicht ganz so zutraulich wie die anderen Tiere und es gibt spezielle Regeln die man beim Füttern beachten sollte. Zum Beispiel wird geraten den Füchsen das Futter zuzuwerfen, statt sie aus der Hand fressen zu lassen. 

14722082248_db7252d6da_k
Flickr cc, Photo by KOTOKO

Alles in allem gibt es in Japan neben den sowieso allgegewärtigen Sehenswürdigkeiten vielleicht noch ein paar Orte die Tierfreunde interessieren könnten. Recherchieren lohnt sich!

 

6 Gedanken zu „Der Tourismus der flauschigen Tiere

  1. Das scheint auf jedenfall interessanter zu sein, als die mittlerweile fast ausgestorbenen Wildparks, in denen ich mich als Kind rumgetrieben habe.
    Gleichzeitig aber auch nicht sehr überraschend, dass Menschen bei fast allem einen Weg finden, um damit Geld zu verdienen.

  2. Sehr interessanter Beitrag!
    Mir gefällt vor allem der Kontrast auf der Insel Ōkunoshima – Giftgasmuseum und Kaninchen. Ich frage mich für welche der beiden „Sehenswürdigkeiten“ die meisten Touristen zu diesem Ort kommen.
    Ich meine auch einmal etwas von einer Insel in Japan gehört zu haben, die für ihre enorme Anzahl von Katzen bekannt war. Scheint wohl ein japanischer Trend zu sein.

  3. Der Beitrag ist wirklich sehr interessant.
    Von den Füchsen hab ich noch nie gehört, aber gerade das finde ich ziemlich faszinierend. Aber jedes Tier verliert die Scheu, wenn man es wohl nur lang genug mit Futter belohnt.
    Aber wie Rene auch schon sagt, man findet offensichtlich immer einen Weg mit etwas Geld zu machen. Ich erinnere mich auch, dass ich auf tumblr schon öfter Bilder gesehen habe, allerdings weiß ich nicht mehr genau welche Tiere das alles waren. Es ist wirklich interessant und ich denke auch schöner, als die Wildparks die wie hier in Deutschland kennen.

  4. Vielen Dank für den Artikel! Offensichtlich haben Sie mit dem Niedlichkeits-Faktor hier auch den Geschmack Ihrer Kommiliton/innen getroffen. Interessant wäre darüber hinaus noch genauer zu untersuchen, welche Rolle die Tiere genau bei der touristischen Vermarktung des entsprechenden Ortes spielen.

    Für Nara zum Beispiel gab es einen offizielllen yuru kyara (Maskottchen, das für lokale Identität steht) namens „Sento-kun“, bei dem eine Verbindung zu den Rehen bestand. Es handelte sich um einen kleinen Buddha mit Geweih, also so ziemlich der hässlichste kyara, den man sich vorstellen kann 😉 Offenbar kam Sento-kun nicht so gut an (es kam auch Kritik von Seiten des Buddhismus), so dass sich jetzt auf den Tourismus-Webseiten von Nara ein neuer kyara findet, der nur noch ein Reh darstellt. Schon auf der Startseite ist dieses Reh wahnsinnig präsent: http://narashikanko.or.jp/index.php
    Ein schönes Thema, um weiter daran zu arbeiten!

  5. Von den Rehen in Nara habe ich schon gehört, aber die anderen Orte voller flauschiger Tiere waren mir erstmal unbekannt. Es ist ziemlich interessant, dass Orte allein durch ihre relativ zutraulichen Tiere beliebter für den Tourismus werden. Hoffentlich sind die Rehe, Kaninchen und Füchse dabei weniger aggressiv als so manches Eichhörnchen in Parks…

  6. Im Sommer war ich an besagtem Tempel in Nara. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang wurde man von hunderten von Rehen fast überrannt. Und obwohl sie sich gerne haben füttern und streicheln lassen gab es auch ein paar, die zu aufdringliche Touristen in die Hand gezwickt haben.
    Im Tempel selbst gab es zwar keine lebendigen Rehe, aber das Maskottchen, das Frau Scherer erwähnt hat, war auch dort an den Verkaufsständen zu finden. Genauso wie in allen umliegenden Läden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.