„I cannot speak english“ Stereotyp Ausländer (外国人) in der japanischen Populärkultur

Flickr cc,  Skil Fibber
Flickr cc, Skil Fibber

Die Populärkultur in Japan, speziell Anime und Manga, stellen eine riesige Quelle für die Verbreitung von Klischees und Stereotypen der Ausländer dar, welche man wiederum in viele verschiedene Sub-Klassen unterteilen kann. Mit diesem Blogeintrag möchte ich mich mit den auffälligsten Merkmalen beschäftigen.

Im Sprachgebrauch wird der förmlichere Begriff  外国人 oftmals zu 外人 (gaijin, buchstäblich: Außenseiter) gewandelt, durchaus auch mit einem negativeren Ton. Darstellungen von Ausländern, sowie die Interaktion mit solchen, fallen in japanischen Anime, Manga, Doramas oder selbst Verbildlichungen in Lehrbüchern wie im ‚Minna no Nihongo‘, oft sehr skurril aus. Japaner schauen sich Ausländer an und denken sofort an etwas komplett Fremdes mit merkwürdigen Eigenarten. 

Die Darstellungen in der Populärkultur beeinflussen das Bild  der Japaner über Ausländer durch mitunter übermäßig verallgemeinerten Charakteristika und Stereotypen. In der Animation werden Ausländer hauptsächlich sehr Kaukasisch verbildlicht, blonde Haare, blaue Augen und helle Haut. Unangemessene Kleidung, schlampig, gerne auch auffällige Merkmale wie eine große Nase, große Körper, seltsame Augenbrauen und eine übertrieben anhängliche und kontaktfreudige Persönlichkeit.  Ein weiterer Stereotyp in Anime und Manga ist, dass Ausländer kein oder nur sehr wenig Japanisch sprechen. Ursprünglich war dies nur als komödiantischer Effekt gedacht, was dazu führte, dass Japaner oftmals zu ängstlich und scheu sind um Ausländer anzusprechen. In Animationen wird, auch wenn Japaner von Ausländern auf Japanisch angesprochen werden, meist in holprigem Englisch geantwortet und im Gedankengespräch ‚ やばい、外人だ!‘ (yabai, gaijin da, wörtlich: Verdammt, ein Ausländer!) gesagt.

Abgesehen von Äußerlichkeiten und Comedy werden Ausländer zum Teil auch als ignorant gegenüber der japanischen Kultur und den japanischen Sitten dargestellt. Ausländer sprechen sehr direkt und informell bis zu unhöflich, verstehen Unternehmungen und Aktivitäten die für Japaner wichtig sind nicht und geben oftmals eine negative Meinung darüber ab. Trotz jeglicher negativen Aspekte oder Unannehmlichkeiten gegenüber Japanern in der Animation werden Ausländer oftmals zum Objekt der Begierde in einer Liebesgeschichte gemacht. Der generelle Konsens ist, dass Ausländer gut aussehend und liebenswert sind.

So hat es sich entwickelt, dass Japaner durchaus auch aufgrund der Populärkultur an sehr verallgemeinerte Stereotypen glauben. Ungeachtet dessen, dass man möglicherweise der Anziehungspunkt von Blicken und Bewunderung der Japaner als Ausländer in Japan ist, wird man doch Personen murmelnd und schmunzelnd 外人 sagen hören, ohne dass man erwarten kann angesprochen zu werden.

6 Gedanken zu „„I cannot speak english“ Stereotyp Ausländer (外国人) in der japanischen Populärkultur

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag zu einem spannenden Aspekt japanischer Populärkultur! Ich kenne das Phänomen vor allem auch aus dem TV, wo westliche Ausländer zu den verschiedensten Zwecken (meist sehr stereotyp) eingesetzt werden.

    Ihr Artikel liest sich gut, und Sie haben hier einige wichtige Stereotype herausgearbeitet. Noch überzeugender wäre es, wenn Sie das an konkreten Beispielen festmachen würden, so bleibt es doch etwas abstrakt bzw. ohne Nachweis.

    Und wie immer gilt: Pauschalisierungen bitte vermeiden! („Japaner schauen sich Ausländer an und denken sofort an etwas komplett Fremdes mit merkwürdigen Eigenarten.“)

  2. Es lassen sich aber auch Gegenbewegungen in der japanischen Popkultur beobachten.

    Diese Gegenbewegungen behandeln das Thema, dass Japaner die wie Ausländer aussehen wie Gaijin stigmatisiert und behandelt werden, obwohl sie Japaner sind(Und oft schlecht in ausländischen Sprachen sind). Ein Beispiel wäre z.B. Kud aus dem VN/Manga/Anime Little Busters! (auch von Key wie Rewrite), wobei hier viele Szenen aus dem Visual Novel im Anime der Schere zu Opfer gefallen sind.

    Oder es werden, die Probleme die manche Japaner haben, die lange Zeit im Ausland gelebt haben, sich wieder in die japanische Gesellschaft einzordnen und angenommen zu werden, behandelt.
    Ein Beispiel hierfür wäre Shimada Minami aus dem LN/Anime Baka to Tesuto to Shōkanjū, wobei hier der Light Novel das Thema stärker behandelt als der Anime.

    Und Glücklicherweise gibt es auch Werke wie z.B. den Light Novel Mahōka Kōkō no Rettōsei wo, vorallem in dem noch nicht verfilmten Teil, die Ausländer nicht so Stereotyp dargestellt werden.

    Das soll allerdings nicht abmildern das ich auch sehe, dass in japanischen Popmedien Ausländer häufig Clichehaft dargestellt werden (Was sich allerdings auch in unseren Popmedien beobachten lässt. So meine These).

  3. Da mich dieses Thema als Halbausländerin in Japan persönlich betrifft, bin ich auf deinen Artikel zugestoßen; und mir hat er sehr gut gefallen (besonders das angefügte Video) , da die meisten genannten Aspekte auch leider auf die Einstellungen der Japaner gegenüber Ausländer zutreffen… Damit möchte ich aber sagen, dass du die Tatsachen gut zusammengefasst hast. Ein weiterer Grund für diese Stereotypen sind, wie der Titel des Artikels bereits ausspricht, die mangelnden Englischkenntnisse der Japaner. Würden Japaner anfangen, mit den „Gaijins“ zu kommunizieren, könnte jeder Japaner sich sein eigenes Bild von einem Ausländer in Japan schaffen, und nicht immer auf die bereits vorhandenen Images aus Animes oder Mangas zurückblicken.

  4. Obwohl in sehr vielen Anime diese ausländischen Stereotypen doch stark übertreiben dargestellt werden, ist das ja meistens nur als Scherz gesehen. Mir kommt es so vor als wäre diese Übertreibung grade deshalb mit großer Häufigkeit in Comedy und Slice of life Anime zu finden. Wenn es an „ernstere“ Anime wie zum Beispiel Neon Genesis Evangelion geht, findet man meiner Meinung nach realistischere Bilder von nicht-Japanern. Daher sollte man, wie so oft, das Ganze nicht so eng sehen.

  5. Ich denke ebenfalls, dass ein großer Teil der Comedy-Elemente, für die Ausländer genutzt werden, mit einer gewissen Verunsicherung vieler Japaner zusammenhängt. Wer des Englischen nicht mächtig ist und dann plötzlich in aller Öffentlichkeit angesprochen wird empfindet diese Situation natürlich schnell als unangenehm und möchte sie lieber vermeiden. Vor allem westliche Touristen werden sicherlich in den wenigsten Fällen Japanisch sprechen und es gibt ohne Frage diverse kulturelle Unterschiede.
    Zusammenfassend treten wahrscheinlich also beide Seiten – Japaner wie Ausländer – in die Fettnäpfchen der jeweils anderen Kultur. Und wenn das mal keine Comedy ist.

  6. Die Faszination am Fremden ist meiner Meinung nach die wohl größte Motivation für solche Comedy-Anspielungen. Gerade im „Slice of Life“ Anime, der weniger Tiefe als Situationskomik hat, glänzen die witzig wirkenden Gaijin-Charaktere oft durch Schweigen oder Unverständlichkeit.

    Wer z.B den Anime „Angel Beats!“ kennt (welcher zwar nicht ganz dem Genre zuzuordnen ist, jedoch durchaus solche Aspekte beinhaltet), dem wird der in unbekannter Weise irgendwie ausländische Schüler TK als Mysterium aufgefallen sein, der fast ausschließlich in Songtext-Zeilen amerikanischer Popsongs spricht, und niemandem etwas wichtiges vermittelt, aber so ab und zu das Eis bricht bzw. eine angespannte Situation humoristisch auflockert.

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