Otakus als neue Lebensform des medialen Zeitalters?

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Flickr cc river seal

Wir leben in einer Welt, die zunehmend vom Internet, dem Konsum und den sogenannten „neuen Medien“ durchdrungen ist. Eine Gruppe, die ganz besonders mit diesen „neuen Medien“ und dem Konsum in Verbindung gebracht wird, ist die der „Otakus“. Unter einem Otaku wird nach Michael Manfé eine Person verstanden, die ein Medienphänomen ins Zentrum ihres Lebens stellt. Dieses Medienphänomen sei dabei strukturgebend für den Alltag der Person. Der Otaku sei eine zurückgezogene und eher kontaktscheue Person, die nur Kontakt mit Leuten aufnimmt, die dieselbe Leidenschaft teilen. Es werden aber nicht nur Leute, die sich exzessiv mit der japanischen Populärkultur beschäftigen, als Otakus bezeichnet, sondern alle Personen, die ein Medienphänomen, was auch immer es sei, zum Gegenstand ihres Alltags machen. So ist beispielsweise auch die Rede von „Train Otakus“ oder solchen, die sich mit dem Bau von Modellflugzeugen beschäftigen.

Natürlich ist der Begriff des „Otakus“ kein einfacher und er wird von verschiedenen Autoren auch immer wieder ein klein wenig anders definiert, aber was alle Definitionen gemein haben, ist, dass sie eine Gruppe von Personen beschreiben, die stark konsumieren (vor allem: Anime, Manga, Games usw.), eher Kontaktscheu sind und dazu neigen ihren Alltag alleine im Haus zu verbringen.

Eine interessante Frage auf die ich in Zusammenhang mit der Otaku-Thematik gestoßen bin, ist die nach der Kommunikation der Zukunft. Vor Zeiten des Internets und des Telefons, musste man sich treffen, um miteinander zu reden und Informationen auszutauschen. Man war praktisch dazu gezwungen sich mit anderen Leuten zu unterhalten und das von Angesicht zu Angesicht. Mit dem Telefon konnte man dann von zu Hause aus schnell mit anderen Menschen in Kontakt treten. Man konnte leichter Verabredungen treffen und sich teilweise bereits dem realen Treffen entziehen. Dennoch musste man aber das Haus verlassen, um Einkäufe usw. zu tätigen.

Heute mit dem Internet hat sich dies komplett geändert. Man kann sich über Textnachrichten mit anderen Leuten austauschen, kann seine Einkäufe übers Internet erledigen und findet ein riesiges, kostenloses Angebot an Konsumgütern. Streng genommen ist es nicht mehr nötig sein Haus zu verlassen, da man alles auch von zu Hause aus machen kann und ebenfalls ist es möglich fast ohne Interaktion mit anderen Menschen zu leben.

Genau diesen Gedanken greift Michael Manfé in seinem Buch „Otakismus: Mediale Subkultur und neue Lebensform – eine Spurensuche“ auf. Die „Otakus“ werden oft als Personen gesehen, die abseits von der Gesellschaft stehen und psychische Probleme haben. In seinem Buch bringt er den Gedanken auf, dass die „Otakus“ vielleicht eine Art „neue Lebensform“ sind die zeigen wie der Mensch im medialen Zeitalter der Zukunft leben könnte.

Ich selbst finde diesen Ansatz sehr interessant, da es zweifelsohne der Fall ist, dass immer mehr Menschen über das Internet kommunizieren und sich immer seltener von Angesicht zu Angesicht unterhalten. Die Sichtweise, die Manfé anbietet ist nicht die übliche, die da sagt, dass diese Leute psychische Probleme haben und geheilt werden müssen, sondern die, dass es sich einfach um ein neues Zeitalter handelt und unter Berücksichtigung der „neuen Medien“ ein solches Verhalten alles andere als pathologisch ist. Ist der Otaku also sozusagen eine „neue Lebensform“ des medialen Zeitalters, die gelernt hat perfekt mit den Medien und ihren Gegebenheiten zu leben?

Ob er nun eine solche „neue Lebensform“ ist, ist eine schwierige Frage, aber gerade im Zuge der immer schnelleren Ausbreitung des Internets und der Veränderung der Kommunikation durch dieses mit Sicherheit eine Frage, die wir uns stellen müssen und zudem auch eine Frage, die darauf zielt darüber nachzudenken, was überhaupt eine Gesellschaft in einem Zeitalter voller Internet und Medien ist. Was denkt ihr?

Ein Gedanke zu „Otakus als neue Lebensform des medialen Zeitalters?

  1. Meiner Meinung nach ist das alles ein wenig sehr „übertrieben“. Natürlich gibt es Leute, die sich abgrenzen und es vorziehen zu Hause zu sein und sich beispielsweise in großen Menschenmengen bzw. sozialer Umgebung nicht allzu wohl fühlen, aber das trifft nicht nur auf die Gruppe der „Otakus“ zu. Andersherum verbringen nicht alle „Otakus“ ihre Zeit nur zu Hause (behaupte ich mal).
    Viele Menschen nutzen das Internet für Bestellungen (d.h. müssten theoretisch nicht aus dem Haus gehen) und die Vorzüge der heutigen Kommunikation, aber grenzen sich dennoch nicht komplett aus und gehen mal vor die Tür. Dieses „Abgrenzen“ zu verallgemeinisieren und mit Otakus als neue Lebensform zu bezeichnen (so wie es Michael Manfé tut), finde ich demnach eher fragwürdig.

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