Shadows of the Damned – so verdient man sich das FSK18 Siegel

Goichi Suda (auch bekannt als Suda51) schließt sich mit Shinji Mikami, dem Schöpfer des weltweit erfolgreichen Game Franchise Resivent Evil zusammen. Auch Akira Yamaoka, berühmt für die Gänsehaut verursachenden Soundtracks der ebenfalls bekannten Serie Silent Hill wurde mit ins Boot geholt. Grasshopper Manufacture (グラスホッパー・マニファクチュア Gurasuhoppā Manifakuchua), so der Name des japanischen Videospielentwicklers, schien damit ein Trio gefunden zu haben, welches schon nahezu ein Erfolgsgarant für den internationalen Markt zu sein schien. Wie kommt es also dazu, dass ein Werk solcher großer Künstler der Videogame Szene im ersten Monat des Verkaufs (US) gerade mal 24.000 mal verkauft wurde und im weiteren Verlauf seiner Existenz sogar immer weniger Ansehen bekam, es fast so wirkte, als würde dieses Spiel in stillschweigen unter den Tisch gekehrt werden? Viele Reviews haben eine Vielzahl an Gründen gefunden.

Die Hoffnungen der Entwickler und des Publishers Electronic Arts waren hoch, als sie die Lizenz für die bekannte und häufig benutzte Unreal Engine 3 erwarben und die Veröffentlichung eines neuen japanischen Werks auf dem internationalen Markt anstrebten. Ein Spielprinzip, ähnlich der zahlreichen amerikanischen Third-Person Shooter, derer es viele auf dem aktuellen Markt gibt, aufgefrischt mit den originellen, außergewöhnlichen Ideen der japanischen Gamedesigner.

Das ganze sollte eine Kombination der Stile der Designer Mikami und Suda sein, „punk rock“ und „psychological action thriller.“ Was dabei heraus kam war etwas recht absurdes. „Psychological horror-comedy“. Definitiv nichts für die breite Masse.

Die Optik des Spiels ist so, wie man sie von den Entwicklern erwarten würde, dreckig, dunkel. So ist man es von dem Horror Genre made in Japan gewohnt. Die Grafik Qualität  des 2011 erschienenen Spiels wirkt um ein paar Jahre veraltet… doch dafür finden sich einige einzigartige „Elemente“.

Die Handlung des Spiels erinnert stark an eine neue Fassung des literarischen Werks „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri, nur eben auf japanische Weise interpretiert. Der mexikanische Dämonen Jäger Garcia Hotspur will seine Freundin Paula aus der Hölle retten, nachdem diese von einem Dämonenlord entführt wurde. Unterstützt wird Garcia dabei von seinem Sidekick, einem Dämon namens Johnson, welcher auch als Waffe, Laterne und Motorrad fungiert (eine multifunktionale, sprechende Waffen? Selten sieht man sowas amüsantes bei amerikanischen Entwicklern).

Und da beginnt auch schon das, was dieses Spiel so besonders macht.  Kaum ist man fünf Minuten im Spielgeschehen, welches vom Gameplay stark an die neueren Resident Evil Teile, aber auch an die EA Eigenmarke „Dead Space“ erinnert, wird es verrückt. Ein unangebrachter und flacher Penis- und/oder Fäkalienwitz folgt auf den nächsten. Und wenn man dachte, man hätte das tiefste Niveau erreicht, kommt ein Dialog oder ein unangebrachter Spruch, der einen noch mehr an seinem Gott zweifeln lässt und einen fragen lässt, was der Gedanke der Designer war, als sie beschlossen haben, diese Dialoge tatsächlich in ein Spiel zu bringen. Jeder Satz scheint direkt aus der Phantasie eines pubertierenden Jugendlichen zu stammen.

Ingesamt lässt sich über dieses Spiel sagen, dass es sich kaum in Worte fassen lässt und es so unglaublich obszön und schlecht ist, dass es schon wieder einen humoristischen Wert hat und irgendwie ein „Must Play“ ist – auch wenn man starke Nerven haben muss, um sich daran zu gewöhnen, wie es sich anfühlt, von einem Videospiel direkt durch eine viel benutzte verbale Latrine gezogen zu werden. Denn trotz allem, die Story des Spiels schafft es einen irgendwie zu fesseln und die verrückten Elemente machen dieses Game zu einer einzigartigen Erfahrung, die einfach aus dem Einheitsbrei der schön polierten amerikanischen Third Person Shooter heraus sticht. Mut zum Müll sozusagen. Was die  sonst so erfolgreichen Entwickler denken lassen hat, dass ausgerechnet ein mit Klischees und Flachwitzen geladenes Werk voller Übertreibungen gut auf dem westlichen Markt ankommen würde, steht jedoch in den Sternen.

Shadows of the Damned ist also definitiv eine Empfehlung für Fans von Spielen wie Resident Evil, Silent Hill oder anderen der vielen japanischen Horror Spiele, nur dass dieses Exemplar mit einem einzigartigen Humor und einer merkwürdigen Mischung aus amerikanischen und japanischen Elementen glänzt.

 

 

5 Gedanken zu „Shadows of the Damned – so verdient man sich das FSK18 Siegel

  1. Vielen Dank für den spannenden Beitrag! Sie liefern hier einen sehr anschaulichen Einblick in das Niveau des Spiels 😉

    Beim ersten Absatz ist mir aufgefallen, dass Sie hier den Titel des Spiels noch gar nicht nennen, dafür aber schon viele andere Informationen bringen. Daher liest sich dieser Absatz etwas umständlich, vielleicht wäre ein kleiner Einblick in die Atmosphäre des Spiels als Einstieg lebendiger gewesen. Im Folgenden wird Ihr Beitrag aber dann anschaulich.

    Was ich nicht so ganz verstanden habe: Ist das Spiel nun gut oder schlecht? 🙂

    In Japan scheint es nicht übermäßig viel Erfolg gehabt zu haben, da es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag dazu gibt.

    1. So wie ich das verstanden habe, wird das Spiel hier eindeutig kritisiert weil die Erwartungen so hoch waren. Das Spiel hatte gute Voraussetzungen aber die Umsetzung scheint nicht so gut gelungen zu sein.
      Aber eben weil es so absurd schlecht ist, sollte man es spielen, nur um dem Ganzen etwas abgewinnen zu können muss man halt seine Erwartungen runterschrauben.

  2. Ich muss mich hier jetzt auch mal einklinken.
    Erst mal ein Lob, denn der Artikel ist interessant und informativ geschrieben und stellt klar heraus, worum es in Shadows of the Damned (SotD) geht und was das Besondere an diesem Spiel ist.
    Zum Spiel selbst gibt es jetzt noch einige interessante Dinge zu sagen.

    Obwohl es den Anschein haben mag, das SotD ein Spiel war, das keinen wirklichen Erfolg hatte, so war es eigentlich eher das genaue Gegenteil. Bei einem Blick auf die Verkaufszahlen des Spieles fällt einem Kenner sofort auf, dass von Xbox 360- und PS3-Versionen zusammengerechnet insgesamt weltweit rund 424.000 Einheiten verkauft wurden.
    Im Vergleich zu bekannten AAA-Titeln mag das zwar schwindend gering sein, aber wenn man diese Zahlen mit den anderen Spielen von Suda51, dem Director dieses Spiels, vergleicht, fällt recht schnell auf, dass Shadows of the Damned eines seiner erfolgreichsten Spiele überhaupt war. So wurde „Killer7“ nur rund 240.000 Mal verkauft und bei „Killer is Dead“ auch nur 300.000 Einheiten. Nur die bekannte und beliebte „No More Heroes“-Serie konnte mehr Einheiten verkaufen (Teil 1: rund 550.000 Einheiten, Teil 2: rund 390.000 Einheiten).
    Und nicht auf der Seite der Verkaufszahlen, sondern auch im Hinblick auf die generellen Wertungen der Presse hält sich das Spiel recht gut. Die Metascores halten sich bei 76 Punkten auf der Xbox 360 bzw. 77 Punkten auf der PlayStation 3. Damit schnitt der Titel sogar besser ab, als das im letzten Jahr erschienende Assassin’s Creed: Rogue, ein AAA-Titel aus dem Hause Ubisoft, das eine riesige Fanbase hat.

    Zum generellen Gamedesign lässt sich zudem sofort die Handschrift von Suda51 erkennen und weniger die von Mikami. Goichi Suda ist seit jeher für seine „over the top crazyness“ bekannt, wie auch schon in Spielen wie „Killer 7“ oder „Killer is Dead“ mehr als ersichtlich wird. Auch Lollibob Chainsaw war alles andere als „normal“.
    Natürlich ist der Fäkalhumor hier etwas sehr auffällig, aber das gehört trotzdem noch zum Stil von Suda51. Auch würde ich dieses Spiel trotz des Publishers EA hier nicht unbedingt als „für den Westen konzipiert“ bezeichnen. Viel zu viele Punkte sprechen hier mehr auf eine japanische Zielgruppe. Gerade deshalb wirkt dieses Spiel so skurril und schreckt sogar viele ab.
    Weiterhin ist dieses Spiel auch nicht schlecht umgesetzt, ganz im Gegenteil meint das renomierte Spielemagazin „Gameinformer“ in einem Review zum Titel, dass Steuerung, Musik, Grafik und das Gesamtkonzept vollkommen in Ordnung sind und belohnt das Spiel sogar mit einer der Top-Wertungen von 9.25.

    Somit lässt sich am Ende sagen, dass Shadows of the Damned nicht am Gameplay oder Gamedesign gescheitert ist, sondern einfach nur die falsche Zielgruppe angesprochen hat. Fans von Suda51 werden dieses Spiel wahrscheinlich sogar noch mehr mögen als nur „Standard Horror-Fans“.

  3. Vielen Dank für die Ergänzungen, Herr Nobielski! Wenn ich das richtig sehe, war das Spiel aber dennoch in Japan mit ca. 40.000 Einheiten nicht übermäßig erfolgreich, zumindest nicht so, dass man sagen kann, es sei zu „japanisch“ gewesen bzw. eher für Japan konzipiert gewesen. In Japan kam es ja anscheinend auch später heraus (d.h. die englische Sprachversion war zuerst da) und es gab sogar kleine Änderungen, wie z.B. dass der Protagonist keinen Alkohol trinken durfte (der wurde dann zu „スープ“ gemacht). Hier gibt es einen ganz netten Artikel zum Design von Shadow of the Damned „zwischen den Kulturen“:

    http://game.watch.impress.co.jp/docs/interview/20110623_455293.html

    1. Da haben Sie durchaus recht. Das Spiel ist in Japan wirklich erst nach der US-amerikanischen Version erschienen, doch trotzdem würde ich weiter bei dem Aspekt „zu japanisch“ bleiben. Die Gamedesigner, sowie EA hatten als Zielmarkt die USA geplant, daher wurde auch dieser Standort als erster Ort für die Veröffentlichung gewählt. Aber für den „durchschnittlichen“ Amerikaner ist so ein Spiel „zu viel“, um es Mal so auszudrücken. Die vielen skurrilen Elemente, wie zum Beispiel der Dämonen Sidekick, der sich verwandeln kann und der Fäkalhumor sind keine normalen Elemente in amerikanischen Videospielen. Während auch diese Spieler eine gewisse „Toleranz“ haben, um es Mal so zu formulieren, weiß besonders Suda51 gerne einmal zu übertreiben, im Hinblick auf das Gamedesign.
      Ich gehe stark davon aus, dass dieses Spiel an dem Problem gescheitert ist, dass es „zu japanisch“ für die Amerikaner war und „zu amerikanisch“ für die Japaner. Somit wurde am Ende kein wirklicher Markt bedient und zurückblieb eine Schnittmenge an Fans von Suda51 und verrückter Spiele.

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