Babymetal – Ist das noch Metal?

babymetal
Flickr cc, RW Sinclair

Ist es noch Metal, wenn drei “Teenage Student Manga Girls“ in niedlichen Kostümen auf der Bühne rumhüpfen und dabei ins Mikro trällern, dass sie Schokolade wollen? Über die japanische Band Babymetal ist vor allem im Internet seit geraumer Zeit eine spannende Metal-Grundsatzdiskussion entbrannt.

2010 vom japanischen Musikproduzenten Kobametal ausgedacht und konzeptioniert, entwickelte sich die Formation um Leadsängerin Suzuka Nakamoto, oder auch einfach Su-metal genannt, schnell zu einem Erfolg in Japan und auf Videoportalen im Internet. Aber vor allem dieses Jahr startete sie mit ihrem ersten Album „Babymetal“ und Konzerten in Europa und Nordamerika durch. Das japanische Musikgruppen den Sprung in den Westen schaffen und in Städten wie Köln, London und New York auftreten ist schon besonders, aber das wirkliche spezielle daran ist die Band selbst. Sie besteht aus der schon erwähnten 17-jährige Suzuka Nakamoto und den beiden 15-jährigen Yui Mizuno (Yuimetal) und Moa Kikuchi (Moametal), die alle drei eher nach japanischen Pop-Idols aussehen und sich auch so kleiden. Dies als Besetzung einer Metal-Formation ist genauso außergewöhnlich wie die Musik die sie spielen, eine Mischung aus J-Pop und diversen Metal-Richtungen. Das Ergebnis dieser Kombination nennen sie selbst Kawaii Metal, also Cute Metal. Dabei zustande gekommen sind Songs die z.B. „Gimme Chocolate“ heißen und Texte haben die frei übersetzt „…Kann ich etwas Schokolade haben? Mein Gewicht bereitet mir in letzter Zeit etwas Sorge…Aber wie auch immer, kann ich etwas Schokolade haben?“ lauten. Also eine wahrhaft einzigartige Mischung. Doch all dies gefällt einigen Hardcore-Fans nicht, sie wollen der Band die “Metal-Lizenz“ entziehen. Ich hab einen Blick in diverse Foren gewagt und möchte einen kurzen Überblick über die Diskussion, die zu dieser interessanten Band geführt wird, geben. Hier einige Aussagen, die häufig vorkommen. Es handelt sich um echte Kommentare, aber die Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert:

Angry Guy Number 2: This wouldnt be that bad if i didnt know the story behind it
This is basically a big label in japan and they swapped the front girls multiple times to „keep them young“. And metal is something where the comercial success should not be in the first second or third but in the last line…BUT FOR GODS SAKE WHY THE HELL DOES THIS LABEL SUCH REALLY UN-METAL THINGS?????WHY????

NoSheepInHell:  how is this even slightly metal?

CM PipeBomb: In no way did i EVER take this band seriously, but… really?…THIS talentless garbage? And the most amazing thing is the people saying that this worked. There is nothing metal about this…This is a novelty „kawaii“ bullshit band that no one will even remember five years from now. I probably shouldn’t get so mad over it.

Und aus einem direktem Dialog:

MetalGodSolid: This isn’t metal, it’s more like „heavy j-pop“ or some unreal #hit like that

SnakeEater64: Well, unless you were elected Lord High Commissioner of Heavy Metal,
I’d suggest you STFU.Metal takes many forms, this is one of them.

MetalGodSolid: So, shall we argue, „who are you to suggest?“ Lord of STFU

Mrs.Disagree: Actually, it is metal. Same as Power Metal bands are Metal, hell, this is more metal than most of these emo-scream-pop…bands are today.

MetalGodSolid: Chocolate is so metal…

Die Frage, wie “metallig“ Schokolade ist, ist sicherlich schwer zu beantworten. Doch wie ernsthaft muss man diese Kommentare nehmen? Ich möchte dazu unseren Innenminister Thomas de Maizière zitieren: „…die bringen ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit… Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen.“ Deshalb.

Der Kritikpunkt, dass bei Babymetal der kommerzielle Erfolg im Vordergrund steht und künstlerische oder sogar ideelle Motive kaum oder gar nicht vorhanden sind, wird oft genannt und ganz weg zu diskutieren ist dieser sicherlich nicht, aber trifft  das nicht auch auf fast alle Bands, die von ihrer Musik leben können, zu? Die andere häufig geäußerte Kritik bezieht, sich auf die Tatsache, dass Babymetal eine Retortenband ist. Von Profis, mit einem Konzept, geplant und zusammengesetzt, nicht von den, Metal-Uninteressierten, Bandmitgliedern selbst. Dass die Sängerinnen, vor ihrem Einstieg bei Babymetal, nicht mal wussten was Metal ist, sollen sie in einem Interview zugegeben haben und ja sie sind einen Konzeptband, aber auch hier sind sie sicherlich nicht die Ersten. Zudem wird das Konzept schließlich angenommen. Aber woher kommt diese ablehnende Haltung einiger? Es ist kein neues Phänomen, dass Fans, wenn sie die Integrität des Objekts ihres Fanseins, durch jemanden als verletzt ansehen, dann auch dieses mit einem Löwenherz verteidigen. Doch ist die Kritik überhaupt berechtigt oder ist das meiste nur gehate um des haten willens?

Wahrscheinlich ist diese Fangruppe nur ein kleiner Teil, weil die “Big Bad Metal Community“ doch eigentlich auch in weiten Teilen für Toleranz bekannt ist. Deswegen bin ich mir sicher, dass es nach Heino auch bald Babymetal “live“ in Wacken heißt. Am Impact den diese Band ausgelöst hat, kann man auf jeden Fall sehen, dass sie bei vielen einen Nerv getroffen hat, schließlich wird Babymetal vom Großteil gefeiert. Aber es bleibt noch die Frage, ist das noch Metal? Nun wie kann man diese Frage beantworten? Wie relevant ist sie? Vielleicht hilft nur noch, wie so oft, der Blick ins Lexikon. Cambridge Dictionaries Online definiert Metal so: „a chemical element, such as iron or gold, or a mixture of such elements, such as steel, that is generally hard, and through which electricity and heat can travel“. Ich finde das beantwortet doch alle Fragen.

8 Gedanken zu „Babymetal – Ist das noch Metal?

  1. Das ist ein sehr schön zu lesender Text! Die Kommentare haben auch noch einen guten Einblick verschafft wie es Personen aus der Szene sehen. Ein Hörbeispiel wäre nett gewesen, aber da gibt es sicher ein paar Probleme und wir können es auch selber suchen wenn wir wollen. Das ist auch eine interessante Frage, die du aufgegriffen hast. Ich kenne mich nicht so gut in der Szene aus aber ich würde sagen es kommt immer drauf an wie man es selbst definiert. Für die einen mag es so sein und die anderen sagen es ist nicht so. Natürlich gibt es dann die Fans die sich durch solches „Metal“ verletzt fühlen, wie du auch erwähntest. Deswegen kommt es auch zu diesen „Aufregern“. Ich finde auch den einen Kommentar von „CM PipeBomb“ passend, der sagt, dass er sich nicht aufregen sollte weil es in ein paar Jahren sowieso vergessen würde. Ich denke so in der Art könnte man vorerst damit umgehen um sich nicht unnötig über Sachen aufzuregen und sich hineinzusteigern.

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Dass Sie hier verschiedene Stimmen aus Foren zusammengetragen haben macht den Artikel wie ich finde sehr lebendig und man bekommt einen guten Eindruck davon, wie sich „eingefleischte“ Metal-Fans damit auseinandersetzen. Sind Sie bei Ihren Recherchen auch auf Kommentare gestoßen, die sich auf die japanische Herkunft der Band beziehen? Das fände ich in diesem Kontext auch noch sehr interessant.

    1. Ja es gab natürlich auch Kommentare die sich auf die japanische Herkunft beziehen, aber eigentlich waren diese klar in der Minderheit. Es ging den meisten anscheinend tatsächlich vermeintlich mehr um das musikalische.
      Einige lobten auch die Japanische Alternative Musikszene, so gab es unter anderem Aussagen, dass gerade der Fakt, dass es auch so viele „gute“ Metalbands in Japan gibt und dann ausgerechnet diese Band hervorkommt, ärgerlich sei.

  3. Ich bin der Meinung, dass die Definition einer Solchen Sache in der heutigen Geselschaft kaum noch eine Rolle spielt. Solange eine Sache Rezipienten findet wird es existieren. Und der Sprachgebrauch, der sich ohnehin im ständigen Wandel befindet sorg dafür, dass Begriffsdefinitonen immer schwammiger werden. Manchmal scheint man also für einige Dinge einfach nur „irgendeinen“ Namen / Bezeichnung zu brauchen und verwendet dann das, was der Namensgeber als geeignet erachtet hat.

  4. Meiner Meinung nach ist alles Metal was den musikalischen Merkmalen des Metals entspricht. Inhalt und Repräsentation gehören da nicht wirklich zu den definierenden Merkmalen. Metal ist ein Genre was ganz unterschiedliche Subgenres (mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen und Repräsentationen) unter sich vereint, warum also nicht auch Babymetal.

  5. Also ich bin Metalhead seid knapp 25Jahren. Ich bin groß geworden mit Iron Maiden, Metallica usw. Anfangs habe ich mir mit neu auftauchenden „Stilen“ auch etwas schwer getan und ich kann die traditionsbewussten Metaller durchaus verstehen. Allerdings ist in der Szene ein regelrechter Stillstand aufgekommen. Von den „alten Helden“ wurden nur noch traurige Versuche unternommen, irgendwie an alte Erfolge anzuknüpfen. -leider fast immer vergeblich! Und neuere Bands versuchten immer noch härter, noch schneller usw. zu sein. – hierbei kamen dann Bands zum Vorschein, die oft nur noch undefinierbares „Geschredder“ verbreiten. Einiges davon klingt, als würde man eine Handvoll Steine in einem Topf hin und her schütteln. (Von Gesang ganz zu schweigen) Inzwischen habe ich mich durchaus mit diversen metalcore-geschichten etc. angefreundet. Das wäre für mich früher undenkbar gewesen. Aber auch im Metal geht die Zeit weiter- und es kommt eine neue Generation. Und „underground“ ist metal sowieso schon längst nicht mehr. Was Babymetal betrifft, ich finde sie toll! Warum zum X’en mal Songthemen wiederholen? Tod, Teufel und „trueness“ wurden wirklich oft genug besungen. Und bei Babymetal finde ich die Mischung aus „quietsch-buntem-bonbon-Gesang“ und fetten Gitarrenriffs mit gelegentlichen Growls durchaus gelungen. In diesem Sinne, stay heavy& up the irons! \m/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.