Cosplay-Probleme, die um die Welt gehen: von Ebola-chan über Black-Facing bis hin zu NS-Uniformen

Photo von Doku, Cosplay von Saku
Inukashi aus No.6
Cosplay von Saku
Foto von Doku

Cosplay hat in den letzten Jahren viel an Popularität gewonnen. So ist es nicht verwunderlich, dass je mehr Interesse daran einerseits geweckt wird, gleichzeitig umso mehr Interessenskonflikte entstehen können. Es gibt zahlreiche Diskussionen über alle möglichen Themen angefangen von Make up, über die Qualität des Kostüms bis hin zum Einsatz von Cosplayern in Werbung, und manchmal wird man ganz unerwartet selbst der Mittelpunkt einer solchen Diskussion.

Was in einigen Ländern vollkommen in Ordnung ist, ist in anderen Kulturen eventuell ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Im Bereich Cosplay kann man sich unverhofft in verschiedenen Problemsituationen wiederfinden, die man vorher überhaupt nicht bedacht hat. Nicht nur deswegen ist es wichtig über den Tellerrand hinaus zu schauen und nicht alles unüberlegt ins Internet zu stellen, denn wir alle wissen: Das Internet vergisst nie. Heute möchte ich mich drei wichtigen Themen widmen, auf die besonders Cosplayer meiner Meinung nach achten sollten.

Für uns in Deutschland mag es auf den ersten Blick unverständlich sein, wieso eine Cosplayerin, die sich für ihr „Michonne“ Cosplay aus „The Walking Dead“ wie eine Schwarze schminkte, als Rassistin bezeichnet wurde, aber so weit ist der Weg gar nicht. Black-Facing war damals im 19. Jahrhundert ein Stilmittel, das weiße Komiker nutzten, um schwarze Mitmenschen zu verspotten, indem sie sich ihr Gesicht schwarz anmalten, um den „naiven, schwachsinnigen Neger“ darzustellen. Natürlich geht es beim Cosplayen in keinster Weise darum irgendjemanden zu verspotten, aber trotzdem kann es heftige Reaktionen hervorrufen, wenn man sich so der weltweiten Öffentlichkeit präsentiert. Selbst 100 Jahre haben nicht ausgereicht um die Wunden von damals zu schließen und die Problematik ist immer noch tief verankert. So tief sogar, dass eine Cosplayerin, die ihren Lieblingscharakter ehren wollte plötzlich für einen Teil der Öffentlichkeit zur Rassistin wurde. „Übertrieben!“ mögen nun einige schreien, vergessen dabei aber, dass es für die betroffenen Menschen vielleicht gar nicht so übertrieben ist. Natürlich hatte das Make up dieser Cosplayerin nichts mit dem karikierenden Stil des Black-Facing zu tun, aber grundsätzlich ist es die selbe Problematik. Eine Weiße schminkt sich ein schwarzes Gesicht auf.

Übertragen wir doch einfach mal den selben Fall auf Deutschland. Hier ist es kritisch, Uniformen des Nationalsozialismus zu tragen, vor allem gesellschaftlich. „Aber es ist doch nur Cosplay!“ wird keinesfalls als Ausrede akzeptiert und wenn man die rechtliche Lage in Betracht zieht, sollte man damit tatsächlich vorsichtig sein. Laut StGB §86a ist die öffentliche Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Parteien verboten. In wie weit es tatsächlich strafbar ist, eine SS Uniform zu tragen, soll jedoch nicht Thema dieses Eintrags sein, denn die deutschen Gesetze greifen nicht weltweit und so ist es in anderen Ländern rechtlich vollkommen in Ordnung, eine solche Uniform inklusive Abzeichen zu tragen. Wenn diese Bilder jedoch ins Internet gelangen, kann dies durchaus zu Problemen führen. Die Vergangenheit hängt uns immer noch nach und obwohl der Krieg seit 70 Jahren vorbei ist, stoßen solche Bilder den meisten Deutschen bitter auf. Die japanischen Zeichner finden die Uniformen schön und wählen sie daher oft mehr oder weniger originalgetreu für ihre Charaktere, ohne dabei den geschichtlichen Kontext zu bedenken. Ebenso wie die meisten Cosplayer auch. Und dennoch wird es viele Deutsche, vor allem jene, die nichts mit Cosplay zu tun haben, dazu bringen Kritik zu üben. Zu Unrecht, oder vielleicht doch zu Recht?

Diese Frage lässt sich auch auf ein weit globaleres Thema anwenden. Wie verwerflich ist es, Ebola-chan zu cosplayen? Ebola-chan ist ein Vermenschlichung der Krankheit, dargestellt von einem niedlichen Mädchen mit pinken Zöpfen, die in der Form des Virus enden. Sie trägt ein Krankenschwesterkleidchen und hält einen blutigen Schädel in den Händen, der die Symptome der Krankheit zeigt. Ich denke jeder sieht das Problem dahinter. Ebola ist ein sehr aktuelles Thema, das die ganze Welt beschäftigt. Natürlich werden Cosplayer, die das Problem offensichtlich nicht verstanden haben oder gar verharmlosen negativ aufgenommen. Dennoch frage ich mich, ob die Darstellung der Pest genauso negativ aufgefasst werden würde. Auch diese Krankheit hat Unmengen an Leben gefordert, aber sie ist nicht aktuell. Und eine weitere Frage tut sich auf, denn wäre es genauso schlimm, wäre es nicht Ebola-CHAN, also eine Verharmlosung der Krankheit? Würde es genauso negativ aufgefasst werden, würden sich die Cosplayer/innen ernsthaft damit auseinandersetzen und es nicht nur des Aufsehens wegen cosplayen?

Ich denke was man mit Sicherheit sagen kann ist, dass man sich bei manchen Sachen zweimal überlegen sollte, was man tut und ob man es wirklich ins Internet stellen sollte. Gerade bei Trends aus Japan sollte man vorsichtig sein, da die Japaner oft dazu tendieren kulturelle Problemstellungen nicht all zu ernst zu nehmen. Schnell wird man ungewollt zum Rassisten, fällt unangenehm in der Gesellschaft auf oder verbaut sich gar wegen eines Bildes möglicherweise sein späteres Leben.

8 Gedanken zu „Cosplay-Probleme, die um die Welt gehen: von Ebola-chan über Black-Facing bis hin zu NS-Uniformen

  1. Ich finde da sind ein paar interessante Punkte aufgegriffen, die einem zwar bewusst sein sollten, aber dennoch darüber nicht viel gedacht wird.
    Ich selber habe zwar kein Problem wenn ich jemanden in einer der genannten „schwierigen“ Cosplays sehen würde, solange es nicht die Personen sind die solch eine Gelegenheit ausnutzen. Leider kann man dies jedoch nicht nur durch das Sehen erkennen aus welchem Grund jemand solch ein Cosplay wählt. Es könnten ja auch gute Gründe dahinter stecken, wie das Aufmerksam machen auf bestimmte Themen. Ich kann aber auch verstehen wenn sich dadurch dann jemand angegriffen fühlt. Es bleibt leider ein etwas schwieriges Thema und danke für das Aufmerksam machen.

  2. Der Eintrag wirft wirklich einige interessante Fragen auf.
    Ob es z.B. moralisch in Ordnung ist, Ebola auf diese Weise darzustellen, muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich bin schon der Meinung, dass es sehr grenzwertig ist. Gerade bei so aktuellen Themen reagieren die Menschen sensibel. Es wird einerseits in den Nachrichten vom Leid der Menschen berichtet, und auf der anderen Seite scheinen die Menschen das Thema zu verharmlosen. Aber wie im Beitrag schon angesprochen, ist das bei der einer Krankheit wie der Pest ganz anders – sie ist heute einfach kein sensibles Thema mehr. Auf Mittelaltermärkten gibt es „Pestumzüge“. Hier zeigt keiner mit dem Finger darauf.
    Ein Cosplayer sollte sich letzten Endes darüber klar sein, dass er mit gewissen Darstellungen Menschen angreifen kann, egal ob Absicht dahinter steht oder nicht. Falsch wäre meiner Meinung nach aber, sich gar keine Gedanken darüber zu machen. Deswegen finde ich den Beitrag hier wirklich gelungen.

  3. Vielen Dank für Ihren Artikel! Mit der Political Correctness sprechen Sie ein wichtiges Thema an, das natürlich nicht nur im Cosplay einen große Rolle spielt. Ein Bewusstsein für Blackfacing hat sich in Deutschland eigentlich erst in den letzten Jahren herausgebildet und zu vielen Kontroversen geführt, zum Beispiel im Zusammenhang mit Theaterstücken, in denen dunkel geschminkte Schauspieler auftreten – weil es in Deutschland immer noch kaum Möglichkeiten für dunkelhäutige Schauspieler gibt, ein festes Engagement an einem Theater zu bekommen. Blackfacing ist außerdem im Karneval häufig zu beobachten. Und dann wären da noch die heiligen drei Könige …

    Bei der Nazi-Symbolik sind Diskussionen nicht erforderlich: Diese ist verboten und wird bei „ausländischen Vorkommnissen“ wie z.B. der „Kostümierung“ Prinz Harrys scharf kritisiert – wobei sich für mich die Frage „Zu Unrecht, oder vielleicht doch zu Recht?“ hier nicht stellt. Die Symbolik eines Regimes, das sechs Millionen jüdische Menschen ermordet hat, sollte überall auf der Welt tabu sein – es sei denn, sie wird zur Darstellung historischer Ereignisse aus einem kritischen Blickwinkel benutzt. Mit „Style“ hat das nichts mehr zu tun.

    Zuletzt noch zu Ebola-chan: Hier wären weitere Informationen interessant, d.h. in welchen Kontexten Ebola-chan auftaucht. Wie wir im Seminar am Beispiel des Fukushima-Daiichi-Kyaras (von Shiriagari Kotobuki) gesehen haben, können solche Personifikationen ja durchaus auch zur Verdeutlichung eines Problems bzw. als klare Kritik eingesetzt werden.

  4. Ebola-chan! Es gibt ja im Internet eine Menge Blödsinn, dieses zählt wohl dazu. Meines Wissens nach stammt diese Personifikation aus dem sowieso schon für sehr problematische Dinge bekannte Forum 4chan. Schlimmer ist wohl jedoch auch, dass diese Art von Humor nicht überall verstanden wird. Was hier vielleicht als makaberer Witz oder Verniedlichung ankommt, ist wohl in Afrika von vielen nicht so gut angekommen. Schließlich kam auch das Gerücht auf, wir „Weißen“ würden Ebola-Chan als eine Göttin verehren und somit wünschen, dass sich der Virus verbreitet. Was natürlich nicht stimmt. Aber über gewisse Dinge sollte man nun mal nicht scherzen, besonders wenn es um das Leben von Menschen geht.

    Was es das Black-facing im Cosplay Bereich angeht… da habe ich mir auch schon öfter Gedanken gemacht. Es ist wirklich ein schwieriges Thema, über das was man darf oder nicht darf zu urteilen, wenn man selbst nicht Schwarz ist. Dunkelhäutige Menschen erleiden noch immer (wie aktuelle Vorfälle besonders zeigen) noch immer oft Diskriminierung und da frage ich mich, ob man als Weißer denn wirklich einen dunkelhäutigen Charakter cosplayen muss? Vielleicht sollte man sich – für den allgemeinen Frieden – auch wirklich für Charaktere entscheiden, für die man nicht sein Äußeres auf kontroverse Art und Weise ändern muss…
    Und davon abgesehen, ganz unprofessionell formuliert, sieht es auch einfach (meiner Meinung nach) nicht gut aus, wenn man sich dunkel anmalt. Überlassen wir das lieber mal denjenigen, die den „Look“ sowieso schon haben und unter Umständen leider sowieso schon Probleme haben einen Charakter zu finden, den sie cosplayen können…

  5. Eine Menge dieser Probleme ließen sich vielleicht beseitigen, wenn die Menschen miteinander mehr ins Gespräch kommen, sich selbst und ihre Mitmenschen in ihren Motiven und Ansichten hinterfragen, etwas mehr nachdenken und einfach nicht voreilige Urteile fällen. Eine Person, die eine politisch heikle Figur oder ein Ereignis oder sonst irgendetwas darstellt und damit zunächst unangenehme Gefühle hervorhebt, kann dabei auch Gedanken im Kopf haben, die einem beim Betrachten des Ganzen nicht direkt klar werden. Genau so kann eine Person sich auch einfach der Problematik ihres Handelns nicht direkt bewusst sein. Es ist in unserer heutigen Zeit und Welt schwierig, durchgängig auf dem Schirm zu haben, was wen nun gerade angreifen oder verletzen könnte; es gibt so viele Individuen und Gruppen mit eigenen Gedanken davon, was für die akzeptabel ist und was nicht.

    Schlussendlich zählt beim Cosplay wie auch anderswo, wenn es in den Bereich „politisch inkorrekter“ Dinge geht, sich mit seinen Mitmenschen bestenfalls auszutauschen. Ich persönlich habe kein Problem damit, zu humoristischen Zwecken alle möglichen Facetten des Nationalsozialismus auszuschlachten – ich habe diese Ideologie von Grund auf als etwas schlimmes, aber eben in erster Linie etwas wirklich idiotisches aufgefasst, was mich dazu veranlasst, darüber auch hin und wieder herzuziehen. Dass das eine andere Person anders sehen mag, kann sein; in dem Fall ist es dann wirklich am einfachsten und logischsten, sich auszutauschen und mehr über die Meinungen und Weltbilder anderer Leute zu erfahren. Danach kann man sich immer noch entscheiden, ob man denn rücksichtsvoll und freundlich sein möchte oder nicht; auch Letzteres ist natürlich nicht verboten, dann sollte man sich jedoch der Konsequenzen bewusst sein.

    Was also von diesem heiklen Thema bleibt, ist die Frage, warum es sich manche Menschen immer so kompliziert machen. So wie ich ein Mensch bin, ist die Person, die vor mir steht und meinetwegen Ebola-chan cosplayt, auch einer. Und wenn ich ihr mitteile, was ich damit für ein Problem habe, und mir dann auch anhöre, warum sie diese Krankheit für sich als Rolle gewählt hat, haben wir beide in der Regel genug Verständnis von unseren Ansichten, dass wir einen Kompromiss finden können, der niemandem sonderlich viel Schaden bereitet.

  6. Ein schwieriges und heikles Thema, wie ich finde. Die Vermenschlichung von Ebola als Ebola-Chan war mir nicht geläufig und ist in meinen Augen einfach nur makaber.
    Nur weil man die Möglichkeit hat, so etwas in die Richtung zu cosplayen, sollte man es vielleicht nicht unbedingt auch machen.

  7. Meine persönlich total unverfizierte Theorie warum Ebola-chan entstanden ist, dass Leute parodieren wollten das Ebola ein son Massenaufhänger und Hysterikum geworden ist obwohl z.B. eine gewöhnlich Grippewelle das vielfache an Menschen tötet.

  8. Also ich finde es gut, wenn Leute solche Dinge nicht so ernst nehmen! Das Leben ist schon schlimm genug, da sollte man den Leuten doch gefälligst ihren Spaß lassen…

    […] Teil des Kommentars entfernt, bitte verzichten Sie auf diffamierende Witze

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