Zwischen Magiern und Titanen – eine Umfrage auf der Yukon Convention

"Forscher-san" by Janna S.

„Seid ihr von RTL?“
 
„Ihr fragt jetzt aber nicht, ob ich hoffnungsloser Single bin, oder?“
„Schnippelt ihr das danach falsch zusammen?“

(Verfasser: Jasmin v. d. Höfel und Janna S.)

Bepackt mit Fragebögen und Flyern für unseren Blog machten wir uns am 07.11.2014 zur Yukon Convention nach Solingen auf. Trotz streikender Lokführer und klirrender Kälte, hatte sich vor dem Eingang des Schulgebäudes bereits eine lange Schlange gebildet. So konnten wir gleich mit unserem Vorhaben beginnen, die Einstellung der Cosplayer auf der Yukon zu ihrem Hobby zu untersuchen.
Nachdem wir versicherten, dass wir weder im Auftrag von RTL, noch sämtlichen anderen Privatsendern, unterwegs sind, reagierten die meisten Cosplayer sehr offen und interessiert an unserem Vorhaben.

Foto: Janna S.
Foto: Janna S.

(Den kompletten Fragebogen findet ihr hier)

So unterbrachen 74 freundliche Cosplayer/innen ihre Tätigkeiten, um an unserer Umfrageteilzunehmen. Darunter 8 Männer, was verdeutlichet, dass es zumindest auf der Yukon wesentlich mehr weibliche als männliche Cosplayer gibt und außerdem zwei Personen, die sich beiden Geschlechtern zugeordnet haben.

Um eine bessere Übersicht zu erhalten, haben wir die Teilnehmer im Anschluss in fünf Altersgruppen unterteilt.

Tabelle zu Yukon-Umfrage

Wie sieht es nun in Bezug auf die Reisefreudigkeit der Yukon-Cosplayer aus?
Die Anzahl der besuchten Conventions unterschied sich in den vielen Fragebögen erheblich. Es gab sowohl Personen, die lediglich eine oder zwei, aber auch einige Personen, die sogar an bis zu 30 Veranstaltungen pro Jahr teilnehmen. Der durchschnittliche Yukon-Cosplayer allerdings geht im Schnitt auf etwa 6 Veranstaltungen. Von den Befragten unter-14-Jährigen haben wir erfahren, dass sie aus finanziellen Gründen, nur etwa eine Convention besuchen und zwar eine, die in ihrer Nähe liegt.
Wenn man jedoch alle Altersgruppen gemeinsam betrachtet, ist zu erkennen, dass keine Kosten und Mühen gescheut werden, Conventions in ganz Deutschland zu besuchen. Bei den 18- bis 25-Jährigen haben sogar mehrere Personen angegeben auch zu Veranstaltungen im Ausland zu reisen. Zwei von ihnen zählen die „AnimeCon“ in den Niederlanden sogar zu ihren Lieblings- Conventions.
Dabei ist zu bemerken, dass die deutliche Mehrheit aller Altersgruppen, auf einer Convention immer ein Cosplay trägt. Viele haben zudem angegeben, dass ihnen der Besuch im Cosplay mehr Spaß bereitet, als „zivil“ vor Ort zu sein.
Außerdem war festzustellen, dass sich die weiblichen Angehörigen aller Altersgruppen bei der Wahl der zu cosplayenden Charaktere nicht ausschließlich auf ihr eigenes Geschlecht beschränken. Von den befragten Männern jedoch, cosplayt keiner weibliche Charaktere, was sicherlich gesellschaftliche Hintergründe hat. Das andere Geschlecht anzunehmen (Crossplay) kommt unter Cosplayerinnen allerdings sehr häufig vor. Tatsächlich sind uns vor Ort sehr viele Cosplayerinnen in männlicher Hülle begegnet.

Foto: Mark F.
Foto: Mark F.

Bei einer Convention in Deutschland gibt es in der Regel einen Außen- sowie einen Innenbereich. Während im Gebäude eher die Händler, Workshops und Showacts angesiedelt sind, nutzen viele Cosplayer das Außengelände für Fotoshootings. Auf der Yukon wollten wir herausfinden, welcher Bereich sich größerer Beliebtheit erfreut. Dabei waren sich alle Altersgruppen einig, sich am Liebsten sowohl drinnen als auch draußen aufzuhalten. Nur die wenigsten gaben an, einen der Bereiche zu bevorzugen.
Bei der Frage, wie viele Cosplays sie im Jahr ungefähr anfertigen, gerieten die meisten erst einmal ins Grübeln. Es stellte sich jedoch heraus, dass die durchschnittliche Anzahl an Kostümen bei den 21- bis 25-Jährigen mit ungefähr 7 an der Spitze liegt, während es bei den anderen Altersgruppen deutlich weniger ist. Dies könnte durch eine meist längere Erfahrung in diesem Hobby und höhere finanzielle Mittel, als zum Beispiel bei den 14- bis 17-Jährigen, bedingt sein.
Dies zeigt sich auch darin, dass diese Grup pe gleichermaßen Cosplays kauft, wie selbst anfertigt, während alle anderen Altersgruppen in der Mehrheit die Selbstanfertigung angegeben haben.

Stoffe, Perücken, Kontaktlinsen, Schuhe und Co. kosten eine Menge Geld. Auch fertige Cosplays zu kaufen, ist oft teurer als man denkt. Auf der Yukon bezahlen die Cosplayer nach eigenen Angaben im Schnitt etwa bis zu 100€ pro Outfit. Erfahrungsgemäß liegt dieser Wert aber noch deutlich höher. Gerade auf großen Veranstaltungen, wie z.B.: der Connichi in Kassel oder der AnimagiC in Bonn, sind teilweise sogar Kostüme im Wert von über 500€ zu bestaunen. Gerade diese aufwendigen Cosplays verlangen nach einem großen Publikum. Da es sich bei der Yukon allerdings um eine noch recht junge Veranstaltung im Kommen handelt, sind solche aufwändigen Projekte hier noch eher eine Seltenheit.

Jeder, der einmal selbst ein Cosplay in der Öffentlichkeit getragen hat, weiß, dass die Reaktionen darauf sehr unterschiedlich ausfallen können. Geldverschwendung, Kindergarten, Karneval oder ähnliche Kommentare sind nicht unüblich. Glücklicherweise hat unsere Umfrage ergeben, dass die wenigsten Yukon-Cosplayer in ihrem engeren sozialen Umfeld mit negativen Einstellungen konfrontiert werden. Tatsächlich gaben die meisten an, dass dieses neutral auf ihr Hobby reagiert. Nur bei 15 von 74 Teilnehmern sei die Auffassung eine negative.

In der Umfrage haben sich zusätzlich drei zentrale Aspekte herauskristallisiert, die laut der Yukon-Cosplayer durch das Hobby besonders begünstigt werden. Dazu zählen neben der Möglichkeit immer neue handwerkliche Methodiken auszuprobieren oder andere künstlerische Fertigkeiten zu erlernen, auch die Chance selbstbewusster zu werden. Außerdem haben alle 74 Teilnehmer angegeben, dass es ihnen durch das Cosplayen leichter falle neue Kontakte zu knüpfen und offener auf fremde Leute zuzugehen.
Allerdings gab es neben diesen positiven Punkten auch einige negative.
Ein paar zum Teil auch langjährige Cosplayer haben hervorgehoben, dass dieses Hobby ihnen viel Stress bereitet und sie unter Druck setzt. Stress beim Cosplay fängt schon Wochen vor der Convention an. Auslöser sind schlaflose Nächte, falsche Materialien, streikende Nähmaschinen, falsch gesetzte Nähte, Probleme mit dem Zoll, und die Sorge um das Wetter oder Ähnliches. Solche und andere Probleme sind bei diesem Hobby unvermeidlich, sorgen aber für stressige Zeiten. Dieser wird bei manchen Befragten sogar noch gesteigert, die das Gefühl haben, sich mit anderen Cosplayern messen zu müssen. Besonders auch deswegen, weil bei einigen die eigene Erwartungshaltung sehr hoch ist.
Die überwiegende Mehrheit der Befragten gab jedoch an, beim Cosplay auf ein gewisses Maß an Qualität zu achten, den Perfektionismus jedoch nicht zu übertreiben, um das Hobby immer noch mit Spaß genießen zu können.

Trotz aller Schwierigkeiten, hält das die Szene in Deutschland offenbar nicht davon ab, stetig zu wachsen. Auf der Yukon zumindest schätzen alle Befragten die Tendenz als steigend ein. Also wird Cosplay in Deutschland anscheinend immer beliebter.

Cosplayer zu sein, bringt in den allermeisten Fällen auch ein gewisses Interesse an Japan mit sich. Sei es Anime und Manga, japanische Pop-/Rockmusik oder Videospiele, was interessiert einen Cosplayer auf der Yukon neben seinem Hobby noch an Japan? Alle Altersgruppen waren sich in ihrer Vorliebe für Anime und Manga einig, wobei japanische Videospiele vermehrt in der Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen genannt wurden, während die 14- bis 17-Jährigen eher die japanischen Modestile angaben. Auffällig ist, dass es in allen Altersgruppen viele Leute gibt, die sich auch für die japanische Sprache interessieren und sie sogar lernen.

Demnach hat unsere Umfrage ergeben, dass sich die Einstellungen aller Altersgruppen zum Cosplay und dem Besuch einer Convention recht ähneln. Die Häufigkeit der Besuche von Vera nstaltungen und der en Entfernung vom Wohnort, sowie der Anzahl der Cosplays pro Jahr, steigt aufgrund von größeren finanziellen Möglichkeiten mit zunehmendem Alter der Cosplayer. Das soziale Umfeld reagiert bei den meisten neutral auf die Ausübung, wobei sie nur bei den wenigsten auf eine gänzliche Ablehnung stößt. Zudem nähen Besucher der Yukon ihre Cosplays am Liebsten selbst und nutzen bei einer Convention sowohl den Außen- als auch den Innenbereich. Insgesamt hat sich herausgestellt, dass die Besucher der Yukon das Cosplay- Hobby als etwas Schönes empfinden. Etwas, was ihnen trotz des Stresses, viel Spaß bereitet und viele noch lange ausüben möchten.

Fun Facts:

  • ein Cosplayer gab als Geschlecht an, eine Nation zu sein (Italien)
  • ein vermutlich als putzender Soldat kostümierter Befragter nennt neben Anime und Manga, etc. auch ein Interesse an „Staubwedel :D“
  • eine Person kreuzte den kompletten Fragebogen mit Herzchen an
  • „Forscher-san“ erfreute sich großer Beliebtheit

Zu guter Letzt kommen hier noch ein paar Eindrücke von der Yukon und ihren Besuchern im Cosplay:

„Forscher-san“ by Janna S.
Fotografie und Bearbeitung: Janna S.

Vielen Dank nochmal an alle, die mitgemacht haben!

4 Gedanken zu „Zwischen Magiern und Titanen – eine Umfrage auf der Yukon Convention

  1. Es war interessant und hat Spaß gemacht, diesen Artikel zu lesen. Die kleinen Bilder oder Fun Facts waren eine Abwechslung. 🙂 Auch die Herangehensweise, mit den Fragebögen, finde ich sehr gut. Dadurch entsteht ein guter Eindruck, wie es um die Cosplay-Szene bestellt ist.

    Ich denke, durch die Meinungen, die ja nicht immer positiv waren (z.B die Sache mit dem Stress), hat man doch einen guten Überblick bekommen, wie es wirklich aussieht.

    Zu kritisieren…habe ich eigentlich nichts. Allein schon, dass ihr diesen Aufwand betrieben habt, finde ich bemerkenswert.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Wir hatten den Zeitaufwand für die Auswertung der Fragebögen schon ziemlich unterschätzt und waren wirklich überrascht wie lange die Auswertung tatsächlich in Anspruch genommen hat.
      Zum Glück war eine Kommilitonin von uns so nett und hat uns bei der Auswertung der Bögen tatkräftig unterstützt! (Sonst hätten wir wohl noch länger daran gesessen…)

      Uns war wichtig Cosplay „realistisch“ zu präsentieren – in einigen Berichten oder Fernsehbeiträgen wird es oftmals fast schon überspitzt positiv dargestellt, aber jeder, der sich schonmal länger mit einem Cosplayer unterhalten hat oder das Hobby selbst ausübt weiß, dass es eben auch Momente gibt die nicht so positiv verlaufen. Streß, „Fehlschläge“ oder dergleichen können einem immer wieder in diesem Hobby (wie sicherlich auch vielen anderen Hobbies) begegnen.

      Was mich persönlich sehr gefreut hat ist die Tatsache, dass selbst diejenigen, die im Fragebogen angegeben haben sich durch dieses Hobby gestresst oder unter Druck gesetzt zu fühlen, angaben trotz alledem Spaß am cosplayn zu haben und dadurch viele positive Erfahrungen sammeln zu können. Was sicherlich auch mit dazu beiträgt, dass die Cosplayszene in Deutschland in den letzten Jahren immer weiter gewachsen ist und auch immer wieder neue Leute mit diesem Hobby anfangen.

  2. Ein sehr schöner Beitrag 🙂

    Der zweite Funfact (putzender Soldat mit Vorliebe zu Staubwedeln) hat mich erstmal echt lachen lassen 😀
    Ich habe da so eine Vermutung dass das Levi-Heichou gewesen sein könnte~~~
    (Aus meinem lieblingsanime Attack on Titan)

  3. Vielen Dank für den tollen Artikel und die aufwändige Umfrage, die Sie hier auf die Beine gestellt haben! Durch Ihre Ergebnisse wird noch einmal deutlich, wie groß der Aufwand ist, den hier viele Betreiben – aber auch, worin die Motivation besteht und was die Cosplayer für sich aus ihrem Hobby ziehen.

    Haben Sie durch Ihre Beobachtungen, Erfahrungen und auch die Umfrage jetzt vielleicht bestimmte Bereiche/Fragestellungen entdeckt, zu denen Sie sich vorstellen könnten weiter zu forschen?

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