Battle Royale – die japanischen „Hungerspiele“?

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Buchausgabe, Flickr cc, Jinx!

Oder ist „Hunger Games“ eher die westliche Version von „Battle Royale“? Nachdem ich bereits vor einigen Jahren den Film Battle Royale von Fukasaku Kinji gesehen hatte, tat sich diese Frage erstmals nach dem Kinobesuch des ersten Teils der Hunger Games-Reihe auf. Im Zuge des zweiten Films, der im Winter des letzten Jahres ins Kino kam, habe ich mir nun die englische Ausgabe von Takami Koushun’s Battle Royale gegönnt. Im folgenden werde ich jedoch lediglich die Filmversion von Hunger Games einbeziehen, da ich die Romanversion der Hungerspiele bisher noch nicht gelesen habe. (Sorry!) Ich schildere also eher meinen Eindruck, den ich beim Lesen und Sehen bekommen habe und erhebe hier keinen Anspruch die beiden Werke wissenschaftlich zu vergleichen.

In den letzten Jahren gewann, vor allem durch die Filmadaption „Die Tribute von Panem“, Suzanne Collins Werk „The Hunger Games“ immer mehr an Beliebtheit in der breiten Masse. Nicht viele wissen, dass bereits Neun Jahre vor den Hunger Games ein japanischer Roman erschien, dessen Thematik eine ziemlich ähnliche ist. In Takami Koushun’s Battle Royale werden ebenfalls Jugendliche dazu gezwungen, sich in einem perfiden Spiel gegeneinander zu töten, bis nur noch ein/e Einzige/r übrig ist. Die Grundidee ist dementsprechend die gleiche und auch das Setting ist ein sehr ähnliches.

Takami zeichnet in Battle Royale eine dystopische Welt, in der Japan kein eigenständiges Land mehr ist, sondern Teil der Republic of Greater East Asia („Großostasiatische Wohlstandssphäre“ anybody?). In diesem totalitären Staat wird mit eiserner Hand regiert, Opposition wird gewaltsam Niedergeschlagen und jedes Jahr werden Fünfzig Schulklassen der Mittelschule ausgewählt, um zu einer einsamen Insel gebracht zu werden und sich dort gegenseitig in einem Spiel zu töten. Im Roman wird dies als Experiment gerechtfertigt, welches Sicherheit vor dem imperalistischen Gedankengut des Westens garantieren soll. Im Film geschieht es als Reaktion auf eine Jugend, die den Respekt vor der älteren Bevölkerung verloren hat und gegen die Gesellschaft rebelliert. So wird in der Anfangsszene der Lehrer der später ausgewählten Schulklasse von einem Schüler mit einem Messer verletzt. Dieser Lehrer wird übrigens von Kitano Takeshi verkörpert und hat auch im Verlauf des Films noch eine wichtige Rolle.

„Now then, I want you to write this down. To memorize something, it’s best to write it down. Write this. ‚We will kill each other‘. Write it three times.“

In Gary Ross‘ Filmversion der Hunger Games spiegelt sich ein ähnliches Setting wieder. Auch er zeichnet eine dystopische Welt. Die Geschichte spielt in Panem, welches in Nordamerika angesiedelt ist. Dort existieren Zwölf Distrikte, welche von einer Hauptstadt aus regiert werden. Während die Hauptstadt äußerst wohlhabend ist, sind die Distrikte verarmt, die Menschen dort leiden Hunger und sind unzufrieden mit der Regierung, können sich jedoch nicht dagegen auflehnen. Jeder Distrikt stellt im Zuge der jährlichen „Ernte“ zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die als „Tribute“ in eine Arena gebracht werden, um dort bis auf den Tod gegeneinander zu kämpfen. Diese „Hungerspiele“ sind eine Reaktion auf einen Aufstand, der zum Zeitpunkt der Haupthandlung, vor 74 Jahren stattfand. Dieser wurde durch die Regierung niedergeschlagen und in Folge dessen finden jedes jahr die Hungerspiele statt, welche eine Feier zur Niederschlagung des Aufstandes sind.

„Ok then. ‚If I don’t kill, I will be killed.‘ Write this down three times too.“

Die Spiele selbst gestalten sich sowohl in Battle Royale als auch in den Hunger Games sehr ähnlich – es wird ohne Regeln gekämpft bis zum Tod. Es gibt jedoch auch Unterschiede. So werden in Battle Royale Fünfzig Schulklassen ausgewählt, die (schulklassenintern) gegeneinander kämpfen. Dies geschieht auf einer einsamen Insel und abseits von den Medien. Dort wird später nur berichtet, dass das „Programm“ stattgefunden hat und der/die Sieger/in wird gezeigt. Im Gegensatz dazu sind die Hungerspiele in Panem ähnlich dem amerikanischen Super Bowl (Go Broncos!). Die Tribute werden bereits Tage vor den Spielen den Bürgern der Hauptstadt in prächtigen Kleidern präsentiert, müssen Interviews geben und um die Gunst der High-Society werben. Diese kann nämlich durch Spenden in das Spielgeschehen eingreifen und den Tributen in der Arena so nützliche Dinge zukommen lassen, wie z.b. Trinkwasser oder Material um sich zu verarzten.

„Well with Battle Royale, ten or twenty wrestlers all jump into the ring. And then you are free to attack anyone, one on one, or ten against one, it doesn’t matter.“

Wahrscheinlich gibt es noch viele weitere Parallelen und auch Unterschiede, aber ich möchte hier erstmal ein Fazit ziehen. Meiner Meinung nach lässt es sich nicht bestreiten, dass Hunger Games auf die eine oder andere Art zumindest ein wenig von Battle Royale inspiriert wurde. Dies ist jedoch definitiv nichts schlechtes, im Gegenteil, Battle Royale gilt als herausragendes Werk und scheinbar hat es den Hungerspielen auch nicht geschadet, damit in Verbindung gebracht zu werden. Im Endeffekt sind es jedoch zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe, die vielleicht die selben Nadeln tragen. (Nadeln sind übrigens die Enden aus Plastik an den Schnürsenkeln, damit ihr nicht sagen könnt, ihr hättet in diesem Blogeintrag nichts gelernt!)

Wie seht ihr das Ganze? Vllt. Habt ihr ja beide Bücher gelesen und könnt euch so ein noch besseres Bild machen als ich. Ist The Hunger Games nur ein billiger Rip-off eines großen japanischen Werkes oder hat Hunger Games die Idee hinter Battle Royale eigentlich erst einem weitem Puplikum zugänglich gemacht?

5 Gedanken zu „Battle Royale – die japanischen „Hungerspiele“?

  1. Leider habe ich weder den Film noch das Buch Battle Royale gelesen. Sofern ich jedoch richtig informiert bin, enthält der Film viele expliziete Gewaltdarstellungen. Sowie ich das verstanden habe dient das aber zur Gesellschaftskritik und nicht als gewaltverherrlichende Selbstdarstellung (korrigiere mich bitte, sollte ich daneben liegen!). Ich habe beide Hunger Games Filme gesehen und muss doch sagen, dass hier vielleicht eine nette Geschichte erzählt wird, aber gesellschaftskritischen Aspekte wenn überhaupt eher schwach vertreten sind und bezüglich der Parteien eine recht klare Aufteilung in „Gut“ und „Böse“ vorherrscht, die schnell an Glaubwürdigkeit einbüßt.

  2. Dein Artikel ist sowohl optisch wie auch inhaltlich sehr ansprechend aufgebaut und der Vergleich zwischen den beiden Werken ist, wie ich finde, angebracht und interessant. (Habe leider nicht das Buch zu ‚Battle Royale‘ gelesen, jedoch den zugehörigen Film sowie die Bücher der ‚Tribute von Panem‘-Trilogie gelesen und die Verfilmung gesehen).
    Tatsächlich gibt es, wie du schon erwähnt hast, viele Parallelen in der Handlung; Minderjährige müssen sich an einem isolierten Ort gegenseitig umbringen, es gibt ein totalitäres Staatssystem und eine alternative Timeline, der Sieger erhält von der Regierung ein hohes Preisgeld und Rente, am Ende überlebt jeweils ein Paar bestehend aus einem Mädchen und einem Jungen, usw.
    Ich habe auch schon öfter gehört, dass ‚Hunger Games‘ als eines der Beispiele genannt wurde, welchem vorgeworfen wird ein westliches Plagiat des japanischen Originals zu sein.

    Ich würde nicht so weit gehen, von einem Rip-Off zu sprechen, denn obwohl es
    viele Gemeinsamkeiten gibt, sind die Unterschiede doch groß genug, um beides als eigenständige Werke sehen zu können (zumal Suzanne Collins zumindest behauptet hat, eher von griechischer Mythologie und Reality-TV-Shows inspiriert worden zu sein und ‚Battle Royale‘ zuvor nicht gekannt zu haben).
    Dass sich Ideen wiederholen ist denke ich ganz normal und auch notwendig, und beide Versionen sind finde ich gut umgesetzt und sehens- bzw. lesenswert 🙂

  3. Vielen Dank für den schönen Blogeintrag! Auch ich bin der Meinung, dass Sie ihn schön aufgebaut haben, die Zitate zwischendurch tragen zu einer guten Struktur bei. Auch wählen Sie eine lockere Sprache mit persönlichen Einwürfen, die sich für einen Blogartikel gut eignet, Interesse weckt und zum Weiterlesen anregt.

    Das Thema selbst finde ich auch sehr interessant – ich kenne nur „Battle Royale“ und habe das immer als eine extreme Verbildlichung des Drucks gesehen, der auf japanischen Schülern lastet. Könnten bei „Hunger Games“ ähnliche Hintergründe eine Rolle spielen?

  4. Eine sehr gute Zusammenfassung von Tribute von Panem. Battle Royale war mir bis jetzt nicht bekannt. Beide Werke scheinen aber einiges gemeinsam zu haben. Das Fazit fand ich besonders gelungen – vor allem die bildende „Schuh-Kunde“. 😉

  5. Ich selbst habe weder den Roman ,,Battle Royale“ gelesen, noch den Film gesehen, aber vor längerer Zeit hat mir eine Freundin ziemlich detailreich davon berichtet, sodass ich mir ein recht gutes Bild machen konnte. Auf jeden Fall ging es mir, als ich mir den ersten Teil von Tribute von Panem im Kino angesehen habe, ähnlich wie im Beitrag beschrieben. Das erste was mir einfiel: Battle Royale! Es lässt sich wohl kaum abstreiten, dass zwischen den Hungerspielen und Battle Royale so einige Parallelen zu erkennen sind. Auch wenn ich die Romanversion der Tribute von Panem nicht gelesen habe, habe ich mich schon öfters gefragt, ob die Autorin mit Battle Royale vertraut war oder nicht und wenn ja, ob sie sich dann auch wirklich davon inspirieren lassen hat. Wenn letzteres wirklich der Fall sein sollte würde ich die Hungerspiele trotzdem nicht als ,,Rip-Off“ bezeichnen, da das Konzept zwar dem von Battle Royale ähnelt, aber die Autorin ihre eigenen Ideen eingebracht hat und eine eigene Welt geschaffen hat. Ich fand auch wirklich gut, dass du nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern auch die Unterschiede in deinem Beitrag berücksichtigt hast. Allerdings muss ich sagen, dass ich schon öfters bei amerikanischen Produktionen das Gefühl hatte, dass ich das Grundkonzept schon mal in irgendeinem japanischen Spiel oder Film gesehen habe. Jedenfalls bin ich gespannt wie die Reihe weitergeht und auch den Film zu Battle Royale werde ich mir wohl demnächst endlich mal ansehen ;).

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