„Takeshis´“ by Kitano Takeshi – Eine Autobiographie?

„500% Kitano? Nothing to add“ Mit diesen Worten wurde Kitano Takeshis Film „Takeshis´“ bei den Filmfestspielen in Cannes 2005 angekündigt.

Foto der offiziellen DVD
Foto der offiziellen DVD

Im Rahmen des Beitrags „japanische Comedy“ wurde Kitano bereits hier im Blog erwähnt. Als ehemaliger Stand-Up-Comedian ist er als Schauspieler, Regisseur und TV-Moderator aus Japans Medienbranche nicht mehr wegzudenken. Auch in Deutschland hat er sich durch Produktionen wie Takeshi’s Castle, Hana-Bi, Zatoichi oder Battle-Royale einen Namen und eine große Fan-Base erarbeitet.
Ich möchte gerne diese Gelegenheit nutzen und auf einen eher unbekannteren Film von ihm aufmerksam machen, der nach Kitanos eigenen Worten „[…] way weirder than I had expected“ sein soll, und versuchen herauszufinden, ob tatsächlich 500% Kitano im Film stecken. 

Beat Takeshi ist ein viel beschäftigter und bekannter Schauspieler. Zusammen mit seiner Freundin und seinem Manager fährt er nach einem verlorenen Spiel beim Mah-Jongg ins Fernsehstudio, wo die letzte Szene für den neuen Yakuza-Film mit ihm gedreht werden soll. Dort trifft er auf Kitano, der als furītā (dt. Berufstätiger ohne Festanstellung) arbeitet, noch auf den großen Durchbruch als Schauspieler wartet und sich regelmäßig bei Castings bewirbt. Kitano, der ein großer Fan von Beat Takeshi ist, sieht ihm nicht nur verblüffend ähnlich, sondern trägt auch noch zufällig denselben Nachnamen. Nachdem er ein Autogramm von Beat Takeshi bekommt, trennen sich die Wege der beiden wieder. Danach liegt der Fokus auf Kitano, der bei weiteren Castings vorspricht, im Convenience Store arbeitet, sich als Taxifahrer versucht, eine Bank ausraubt und noch einiges mehr erlebt.

Was hier nach einer gängigen Inhaltsangabe aussieht, kratzt jedoch nur an der Oberfläche. Es bleibt komplett offen und Interpretationssache was von den eben genannten Situationen geträumt oder real ist, oder wie die einzelnen Szenen überhaupt zusammenhängen.  Verwirrend ist zudem, dass nicht jede einzelne Rolle in diesem Film auch von jeweils einem Schauspieler gespielt wird, sondern die Schauspieler zum Teil zwei bis drei oder gar mehr Rollen übernehmen. Ein Beispiel ist z.B. die Schauspielerin Kayoko Kishimoto. Sie spielt im Film eine Mah-Jongg Barangestellte, eine Kundin in Kitanos Convenience Store, eine Produzentin im Filmgeschäft und eine „Petze“ die Kitano immer wieder in unangenehme Situationen bringt. Schon allein dadurch, dass sie im ganzen Film präsent ist, jedoch nie bei Namen erwähnt wird und eher als „Stilmittel“ genutzt wird, trägt zur Verwirrung bei. Ganz entscheidend ist, dass die Rollen durch Personen aus Kitanos engeren Freundes-Bekannten-kreis besetzt sind, und so mit auch noch etwas tatsächliche „Realität“ in den Film einhauchen.

Neben den Protagonisten und dem Handlungsstrang gibt es noch einen dritten Aspekt in diesem Film, der im Fokus steht: der Film. Im Verlauf des Filmes werden immer wieder Teilbereiche aus dem Filmgeschäft und der Produktion gezeigt. Man sieht nicht nur ein Endprodukt, sondern wird auch Beobachter von einer Filmproduktion. In drei Szenen wird schon fast dokumentarisch das Filmset gezeigt, in dem Beat Takeshi eine weitere Rolle als Yakuza spielt. Dieses Filmen im Film macht klar deutlich, dass es sich hier um eine Selbstreflexion handelt.

Wie viel Kitano steckt nun in „Takeshis“?
Fest steht, dass dieser Film eine ausschließende Wirkung hat und damit eher einem bestimmten Publikumskreis zugänglich ist. Diejenigen, die sich mit Kitano Takeshis Biographie, darüber hinaus auch noch weitere japanische Schauspieler kennen und den japanischen Humor teilen, werden einen deutlich besseren Zugang zu diesem Film haben als diejenigen ohne Hintergrundwissen. Konkret lassen sich Elemente wie die Besetzung durch alte Kollegen, die Integration von Yakuza-Ausschnitten, kitano-typischer Humor und Brutalität, parallellaufende Geschichtsstränge, schnelle und verwirrende Schnittfolgen, uneindeutige Filmaussagen und viele Weitere wiederfinden. Genau einige dieser Elemente hat er auch bereits schon in Filmen wie „Dolls“ verwendet.

Dadurch dass er in „Takeshis’“ sich auch noch selbst spielt, wobei die Figur dem Bild angepasst wurde das die Zuschauer über den echten Kitano Takeshis seiner Meinung nach haben, wird wiederum Realität mit Fiktion vollkommen vermischt. Zählt mal all dies zusammen, wirken die versprochenen „500% Kitano“ durchaus nicht überzogen.

Alles verstanden? Nein? Gut! Denn das ist laut Kitano kein Film zum Analysieren sondern zum Wirkenlassen.

3 Gedanken zu „„Takeshis´“ by Kitano Takeshi – Eine Autobiographie?

  1. Vielen Dank für die Rezension! Sie ist flott geschrieben und hat einen wirkungsvollen Schluss 🙂
    Den Film habe ich selbst noch nicht gesehen, werde ihn mir aber jetzt wahrscheinlich auch einmal zu Gemüte führen.

  2. Ein Interessanter Beitrag, vielen Dank dafür 🙂
    Den Film habe ich zwar noch nicht gesehen, aber allein die Tatsache, dass mich die Inhaltsangabe komplett verwirrt hat, war für mich schon ein Faktor, der mich den Film wohl auf jeden Fall in naher Zukunft gucken lassen wird.
    Zumal ich als Fan von „Takeshi’s Castle“ auch an die Person an sich interessiert bin.

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