Berserk: Vom schwarzen Ritter, Dämonen, Blut und Verrat

Verschiedenste Berserk Bände
Verschiedenste Berserk Bände

Da wir in diesem Blog ja bereits eine nette Vorstellung des Mangas Hellsing hatten und somit die Blut und Splatter-Schraube bereits stark angezogen wurde, dachte ich, dass es nun Zeit für einen der langjährigen Genrekönige sei. Gemeint ist die Geschichte von Guts dem schwarzen Ritter, welche seit 1990 vom Mangaka Kentaro Miura gezeichnet wird.

Der Manga handelt vom Söldner/Dämonenjäger Guts, welcher sich in einer düsteren, mittelalterlichen Fantasy-Welt auf einem Rachefeldzug gegen alle Dämonen und ihre Untergebenen befindet. Natürlich geht dieser Rachefeldzug mit viel Blut, Hass und Einsamkeit einher. Bereits auf den ersten Seiten sieht man Guts im Lustakt mit einer Frau, welche sich schließlich beim Höhepunkt des Aktes als Dämonin entpuppt, und sich auf ein köstliches Menschenmahl freut. Doch schien sie dabei nicht mit Guts gerechnet zu haben, welcher nur sadistisch grinst und ihr mit seinem Kanonenarm/Prothese den Kopf von den Schultern pustet. Wer durch diese kleine Episode nun glauben mag, das der Held? ein zu tiefst verstörter und emotional verkommener Charakter ist und sich diese martialische Action durch die gesamten 37 Bände durchzieht, mag durchaus recht haben. Doch woher stammen diese psychischen Probleme, mit welchen sich Guts befassen muss und was hat sein alter Söldnerführer und Freund Griffith damit zu tun? All dies wird in den Bänden 5-15 thematisiert in welchen dem Leser Guts Geschichte näher gebracht wird, womit man einen sehr guten Einblick in die Vergangenheit und das Gefühlsleben des Hauptcharakters bekommt. Gerade diese Gefühlsebene ist ein wichtiger Teil des Mangas und wird durch die gesamte Geschichte hinweg immer wieder erwähnt. Wer sich nun bis hierhin von der eher düsteren Art der Beschreibung abgeschreckt fühlte, dem sei zu sagen, dass auch Berserk seine Comedy-Momente hat und zwar in Form des Comic-Relief Charakters Puck. Puck ist ein etwa Hand großer Elf, welcher Guts schon am Anfang der Geschichte begegnet und ihm im Verlauf dieser dabei hilft, wieder etwas menschlicher zu werden.  Um nicht zu viel von dieser interessanten Geschichte vorzugreifen, beende ich auch nun die kleine Zusammenfassung der Story um auf den Autor einzugehen.

„Wer in den Kriegen anderer stirbt ist ein Schwächling, der sowieso nicht verdient hat zu leben“. Guts (Band 1.)

Bei der genaueren Betrachtung Kentaro Miuras, wird einem wieder erneut bewusst, wie nahe Genie und Wahnsinn aneinander liegen können. Er wurde 1966 in der Präfektur Chiba geboren  und veröffentlichte bereits seine erste Miniserie während der Schulzeit. Kurz darauf studierte er Kunst und begann bereits während der Studienzeit an seinem Manga Berserk zu arbeiten, welcher bis heute „erscheint“. Da es zuweilen schwer ist aus Texten Ironie heraus zu lesen, sage ich es besser klipp und klar. Berserk hat eine riesige Fangemeinde und einen der detailliertesten Zeichenstile der Mangawelt, jedoch besteht ein kleines Problem mit der Veröffentlichung der neuen Kapitel. Eigentlich sollte Berserk monatlich im Young Animal erscheinen, jedoch nimmt der Autor dieses Zeitfenster nicht ganz wahr. Ab und zu weiten sich die Zeitspannen zwischen der Veröffentlichung eines neuen Kapitals auf bis zu einem Jahr aus. Manchmal entstehen diese Verzögerungen durch Erkrankungen des Autors. Manche, durch einfaches Desinteresse an seinem eigenen Werk.  Andere jedoch, wie man schon länger in Fangemeinden gemunkelt hat und Miura selbst in einem Interview zugab, durch den exzessiven Konsum eines Spieles mit Namen „Idolmaster“. Man kann vielleicht verstehen, dass Miura einen gewissen Kontrast zu seinem Werk braucht, doch muss dabei wirklich ein Jahr Pause entstehen? Doch sei es drum. Ob Genie oder Wahnsinn, in einem sind sich die meisten einig, sein Manga gehört zu den besten Fantasy Werken der Neuzeit.

Durch die Qualität und den Erfolg seines Mangas, folgten 1997 und 2012 Anime Adaptionen. Die erste in Form einer Serie und die zweite in Form einer Filmreihe, welche sich hauptsächlich auf die Vergangenheit Guts konzentrieren. Diese habe ich hier jedoch hauptsächlich erwähnt um kurz auf den Komponisten der Berserk Soundtracks einzugehen. Der japanische Elektro-Künstler Susumu Hirasawa, welcher bereits mit Songs wie „Take the Wheel“ Erfolge in Japan feierte. Seine Hymne „Forces“ fängt perfekt den Ton des düsteren und melancholischen Universums von Berserk ein und ist ein absoluter Ohrwurm, weshalb jedem geraten sei, sich dieses Lied einmal anzuhören, da es auch das japanische Opening des Anime ist.

4 Gedanken zu „Berserk: Vom schwarzen Ritter, Dämonen, Blut und Verrat

  1. Vielen Dank für den amüsant geschriebenen Beitrag zu Berserk! Schön, wie Sie hier eine eigene Perspektive auf das Werk finden. Interessant, auch etwas mehr über den Autor zu erfahren – das Beispiel zeigt, dass einem einiges verziehen wird, wenn sich erst einmal eine feste Fangemeinde etabliert hat.

    Wie bei vielen unserer Autoren gilt: Die Kommasetzung hat ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient 😉 Und seien Sie doch etwas sparsamer beim Einsatz von welche/r als Relativpronomen, dann fließt der Artikel sprachlich noch besser.

  2. Ah, Berserk habe ich angefangen zu lesen, als ich gerade angefangen habe zu studieren, deswegen ist es schon eine Weile her, haha! Es ist auch letztlich der Manga geblieben, den ich jetzt noch am aktivsten verfolge, aber in wieweit man hier von aktiv sprechen kann, hast du ja selbst erläutert.

    Ich finde es ist ein sehr vielseitiger Manga, der nach anfänglicher Beschreibung zwar extrem blutrünstig und platt klingt, aber hier trifft vielleicht nur eines der beiden Adjektive zu.

    Miura hat hier wirklich viele komplexe Themen miteinander verwoben. Ein Thema, das insbesondere im Golden Age Arc im Vordergrund steht, aber sich durch die ganze Serie zieht, ist das Schicksal im Sinne der griechischen Tragödie. Guts und Griffith eint eine schicksalhafte Verbindung (die auch in der Werbekampagne für die neue Film-Trilogie sehr stark durch Verwendung des Kanjis 絆 hervorgehoben wurde) und letzten Endes kommt es durch Verfehlungen auf beiden Seiten zur Eskalation des Konfliktes. Es ist aber nicht nur menschliches Verfehlen, durch das die Tragödie des Golden Age Arcs entsteht, sondern auch die übernatürlichen Kräfte des Behelits sind zum einen für Griffiths rasanten Aufstieg in der Adelsgesellschaft aber letzten Endes auch für die Opferung seiner Kameraden verantwortlich. Griffith folgt auch nach dem Golden Age Arc immer weiter seinem Traum, ohne zurück zu blicken. Guts hingegen stellt sich gegen sein Schicksal, gegen die Prophezeiung und beschließt zu kämpfen. Aber ob es überhaupt möglich ist, in einer Welt, die mehr und mehr von übernatürlichen Wesen beherrscht wird, seinem Schicksal zu entgehen? Das sehe ich als zentrale Frage für Guts und seine Reise, die er im Laufe des Mangas unternimmt.

    Außerdem besitzt Berserk als Alleinstellungsmerkmal eindeutig seine Zeichnungen. Besonders in den späteren Bänden ist der Zeichenstil sehr detailliert, jedes Kapitel kommt mit großen Panorama-Bildern daher, man kann sich gar nicht vorstellen wie lange der Zeichner daran sitzen muss. Einflüsse von Hieronymus Bosch (etwa Der Garten der Lüste) und anderen Renaissance-Malern sind klar zu erkennen. Zudem hat sich Miura laut eigener Aussage auch von den Rosen von Versailles inspirieren lassen – was man sicher gut in den Szenen am Hofe sieht.

    Am eindrucksvollsten finde ich jedoch, dass der Autor anscheinend eine wirklich gute Kenntnis des europäischen Mittelalters zu haben scheint. Seine Fantasywelt erinnert an das mittelalterliche England, aber selbst so spezifische Sachen wie das Reich der Kuschana kommen vor – also ich hatte keine Ahnung davon, dass es ein Reich namens Kuschana gab, aber ehrlichgesagt teilen die Kuschana in Berserk auch viel mehr Eigenschaften mit den Ottomanen, was auch ein bisschen besser ins mittelalterliche Bild der Zeit passt. Und diese Menschen werden nicht bloß in orientalistischer Manier dargestellt (auch wenn, zugegeben, ziemlich befremdliche Darstellungen dabei sind), sondern Miura lässt diese Charaktere auch von ihrem Selbstverständnis als Other in diesem europäisch-geprägten Fantasyland erzählen. Das ist ein echtes Novum im Fantasy-Genre, wo man meist nur hellhäutigen, europäisch aussehenden Charakteren begegnet.

    Bei der ganzen Komplexität und der langen Laufzeit des Mangas bleibt abzuwarten ob Miura am Ende alle Erwartungen erfüllen kann und ob all die Arcs, die er so akribisch aufgestellt hat am Ende wirklich zusammenlaufen werden. Ehrlichgesagt ist mir ein bisschen mulmig davor, wenn Guts und seine neue Crew (die ich übrigens schon mindestens sosehr ins Herz geschlossen habe wie die alte Band of the Hawk) in Elfhelm ankommen. Was dann? Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass es Miura irgendwie genauso geht und er sich deswegen so schwertut weiterzuzeichnen. Jetzt hat er ja auch noch einen neuen Manga angefangen!

    Fand es auch witzig, dass er die neuen Filme gar nicht mit promotet hat, aber ich glaub die Mangaka sind eben ein scheues Volk. Hirasawa war dafür ja dabei (bei Panels und Radiosendungen, etc) und genauso wie Akira Yamaoka ein bisschen Herz und Seele von Silent Hill ist (oder war), habe ich das Gefühl, dass das auch für Hirasawa mit Berserk zutrifft. Er arbeitet nun auch schon sehr lange an Berserk mit, durch seine Kompositionen für den Anime und die Videospiele und die neue Film-Trilogie. Seine Texte finde ich immer interessant. Sie bestehen aus „Hirasawa-語“, wie er es ja selbst beschreibt, der Sprache, die seiner Meinung nach in der Welt von Berserk gesprochen wird (ein bisschen Deutsch, ein bisschen Französisch, ein bisschen Nuscheln).

    An der Videospielfront sei zudem erwähnt, dass ein netter Mod für Mount & Blade vorliegt, „Revenge of the Berserk“, welcher in etwa den Golden Age Arc umfasst. Natürlich ist der auch schon etwas veraltet, aber ich mag es zu sehen, wieviel Mühe sich die Fans doch bei sowas geben.

  3. Vielen Dank auch an Katharina für die weiteren Ausführungen zum Berserk-Universum (das ja wirklich unendliche Weiten zu haben scheint).
    Interessant, dass auch hier das Modewort kizuna 絆 aufgegriffen wird!

  4. Hachja, Berserk. Ein von mir heißgeliebter Manga/Anime, dem ich seit einigen Jahren leider weniger Beachtung schenke, bei Gesprächen unter Freunden zu dem Thema dennoch aber wieder Feuer und Flamme bin.

    Durch die beiden Anime-Adaptionen ist mir der Golden Age Arc am besten in Erinnerung geblieben bzw. meine Erinnerung durch den Konsum der neuen Verfilmungen wieder aufgefrischt worden. Ein wenig schade, dass man wegen der begrenzten Zeitspanne der Filme hier und da aber Abweichungen und Kürzungen einiger Plot-Elemente in Kauf nehmen musste. Dennoch sind die drei Filme sehr sehenswert, ebenso wie der Soundtrack von Susumu Hirasawa.

    Was kann noch Erwähnenswertes hinzufügen? Katharina Huelsmann hat ja ebenfalls einen wirklich sehr detaillierten Kommentar zu dieser Schöpfung von Kentarô Miura abgegeben und auch viele Inspirationsquellen dazu genannt. Vielleicht kann man noch auf die scheinbare Relation zwischen dem Hauptcharakter Guts und Götz von Berlichingen erwähnen, da beide Charaktere zum einen sozusagen Ritter sind und vor allem einen eisernen Arm bzw. Hand hatten. Laut Miura haben diese beiden Charaktere aber keine beabsichtigte Verbindung zueinander.

    Desweiteren wurde auch eine Mod für das PC-Spiel „Mount & Blade“ erwähnt. Für Interessenten könnte man vielleicht auch erwähnen, dass es auch lizensierte Spiele zu Berserk gab. Auf Dreamcast gab es „Sword of the Berserk: Guts‘ Rage“ das auch in Europa erhältlich war und „Berserk: Millenium Falcon Hen Seima Senki no Shô“, letzteres leider nur in Japan. Ansonsten lässt sich der Manga, laut Spekulationen, ebenfalls als Inspiration für weitere Videospiele ansehen, so zum Beispiel für „Demon’s Souls“ und die „Dark Souls“-Reihe.

    Ansonsten kann ich auch nur hoffen, dass der Manga endlich fortgeführt wird und ebenso hoffe ich, dass endlich auch die anderen Arcs eine Adaption in Bewegtbildern bekommen.

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