Yentown: Swallowtail Butterfly – Wenn aus der Raupe ein Schmetterling wird

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Flickr cc, Bruce McKay

„Once upon a time, when the yen was the most powerful force in the world, the city overflowed with immigrants, like a gold rush boom town. They came in search of yen, snatching up yen. And the immigrants called the city Yentown. But the japanese hated that name. So they referred to those yen thieves as Yentowns. It´s a bit puzzling, but ” Yentown” meant both the city and the outcasts. If they worked hard, earned a pocketful of yen, and returned home, they were rich man. It sounds like a fairy tale, but it was a paradise of yen, ” Yentown “.

And this is the story of Yentowns in Yentown …“ 

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Eigene Aufnahme

Mit diesen Worten beginnt Shunji Iwais epischer Film rund um jene „Yentowns“, Einwanderer verschiedener Herkunft und Rasse, die auf der Suche nach Geld, Glück und Freiheit nach Japan kamen und sich nun an den Grenzen der urbanen Metropole von Tag zu Tag durchschlagen müssen. Auf der Suche nach dem großen Geld und nach einer Möglichkeit in die Heimat zurückzukehren zeigen sich die Yentowns als äußerst erfinderisch und haben keine Scheu vor dem Gesetz.

Shunji Iwai gilt hierzulande als Geheimtipp unter den Japanischen Regisseuren. In Japan erlangte er vor allem Bekanntheit durch Filme wie Love Letter (1995), All About Lily Chou-Chou (2001), Hana & Alice (2004) und Bandage (2010).

Yentown-Swallowtail Butterfly ist 1996 erschienen. Es ist ein modernes Großstadtmärchen, eine Kritik unseres kapitalistischen Systems und kann gleichzeitig auch als Zukunftsprognose verstanden werden. Es ist ein Drama, eine Lovestory, ein Krimi und auch ein Actionfilm. Optisch punktet Swallowtail durch ästhetisch und künstlerisch gestaltete Bilder, die mit der harten Wirklichkeit des Films und den drastischen Gewaltszenen im Kontrast stehen. Der gesamte Film wurde mit einer Handkamera gedreht, was ihm eine ganz besondere Anziehungskraft verleiht.

Da es um Einwanderer verschiedener Herkunft geht ist der Film mehrsprachig, wobei die Protagonisten hauptsächlich in Japanisch, Englisch und Mandarin miteinander kommunizieren. Auf eine Übersetzung wurde verzichtet, denn um richtig in das Geschehen hineinzutauchen sollte der Film unbedingt mit Untertiteln geschaut werden (wobei bei manchen wichtigen Szenen mit Absicht auf Untertitel verzichtet wurde!)

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein namenloses 16-Jähriges Mädchen (Ayumi Ito). Nach dem Tod ihrer Mutter, wird sie wie Ware behandelt und an verschiedene Menschen weitergereicht. Schließlich landet sie bei der chinesischen Prostituierten Glico (Chara) die fortan so etwas wie eine große Schwester für das Mädchen wird und sie unter ihre Fittiche nimmt. In Anlehnung an ihr eigenes Tattoo (ein Schwalbenschwanz Schmetterling auf der Brust) tauft Glico das Mädchen kurzerhand „Ageha“, was auf Japanisch Schwalbenschwanz bedeutet. In dieser Szene zeichnet Glico dem Mädchen eine Raupe auf die Brust und schreibt in Katakana ihren neuen Name darunter. Ageha lernt Glico’s „Clique“ kennen, die ihr tägliches Brot auf der Schrottplatzwerkstatt „Aozora“ (blauer Himmel) im Ödland außerhalb der Metropole verdient. Sie reparieren Autoreifen, die sie zuvor dreist aus dem Hinterhalt zerschießen oder verkaufen Benzin, dass sie vorher aus anderen Autos abgepumpt haben. Dort lernt Ageha unter anderem den coolen kaltblütigen Killer Ran (Atsuro Watabe) und den gewitzten Tagesdieb Fei Hong (Hiroshi Mikami) kennen. Zusammen mit dem Afroamerikaner und Ex-Boxer Arrow, der in dem selben schmuddeligen Wohnhaus wie Glico wohnt, werden die Schrottplatzbewohner und Glico so etwas wie eine Ersatzfamilie für Ageha.
Eines Tages rückt einer von Glicos Freiern, ein Yakuza, Ageha auf die Pelle und als Arrow eingreift, stürzt der Freier aus dem Fenster und wird von einem Auto zerquetscht. Als sie die Leiche im Geheimen verscharren wollen finden sie in den Eingeweiden des Toten eine Kassette auf der sich nicht nur Frank Sinatras klassiker „My Way“ befindet, sondern auch die notwendigen Daten zur Fälschung von 10.000 Yen-Noten.

Nach einigen riskanten Geldwechselaktionen wird das Falschgeld in einen leerstehenden Club in der Stadt investiert und dort gründet Fei Hong den „Yentown-Club“, einen Live-Club in dem Glico die Sängerin einer aus Yentowns bestehenden Band werden soll. Die „Yen Town Band“ entpuppt sich als eine grandiose Idee und hat großen Erfolg. Doch als man Glico anbietet bei einem Großlabel zu unterschreiben mit der Bedingung die japanische Staatsbürgerschaft anzunehmen zerbirst nach und nach die Gemeinschaft die sich die Protagonisten gemeinsam aufgebaut hatten. Und die Tatsache, dass sowohl die Polizei also auch der kaltblütige Anführer der chinesischen Mafia Rio Ranki (Yosuke Eguchi) und seine durchgeknallte Truppe hinter der Kassette her sind, macht das Leben auch nicht gerade einfacher…

Trotz seiner 150-minuten Laufzeit ist der Film wirklich keine Minute zu lang.
Der Film nimmt kein Blatt vor den Mund: er ist schockierend, verstörend und dennoch ein poetisches und philosophisches Meisterwerk, dass einen sowohl zum lachen als auch zum weinen bringt. Auch wenn die Story teilweise sehr verwirrend ist und einiges ungeklärt bleibt, lohnt es sich wirklich sehr diesen Film gesehen zu haben.

In Deutschland ist der Film 2006 bei Rapid Eye Movies erschienen und dort für circa 13 € (Amazon) erhältlich.

7 Gedanken zu „Yentown: Swallowtail Butterfly – Wenn aus der Raupe ein Schmetterling wird

  1. Swallowtail ist wirklich ein toller Film und definitiv keine Minute zu lang, da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich habe mich auch einmal für die Uni mit diesem Film beschäftigt, und – obwohl ich diese Art von Filmen gewöhnlich eher nicht mag – war vollkommen begeistert. Es ist einfach schön, wie in diesem Film mit Sprachen, Nationalitäten und auch Musik gearbeitet wird.
    Du hast den Film hier sehr gut beschrieben und auch nicht zu viel vorweg genommen. Ein paar der meiner Meinung nach tollsten Szenen kommen ja danach erst noch, daher kann ich wirklich nur jedem empfehlen, diesen Film zu schauen, wenn ihm die Beschreibung in diesem Artikel gefallen hat 🙂

    1. Danke für den Kommentar!
      Ja, bei mir war es genauso. Ich habe den Film letztes Jahr während der japanischen Filmwoche, hier in Düsseldorf, im Black Box Kino gesehen und wusste am Anfang auch nicht wirklich, was mich dort erwarten wird. Hätte niemals damit gerechnet, dass mir der Film so gut gefallen würde 🙂

      Ja da hast du Recht, aber ich wollte ja wie gesagt nicht zu viel vorwegnehmen 😉

  2. Ich schließe mich Frau Renner an, Sie haben den Artikel gut aufgebaut! Sie beschreiben wichtige allgemeine Aspekte des Films und gehen auf die Handlung nur so weit ein, dass Sie nicht zu viel „spoilern“ und man das Werk noch mit Spannung selbst sehen kann. Lediglich bei der Kommasetzung können Sie noch etwas an sich arbeiten (insgesamt zu sparsam damit umgegangen).

    Der Film wurde auch schon von Studierenden in Hausarbeiten aufgegriffen, da er sich sehr gut für die Verbindung mit Konzepten wie Multikulturalität oder Transkulturalität anbietet.

    Übrigens ist er auch in der ULB erhältlich, dort kann man ihn kostenlos ausleihen 🙂

    1. Danke für den Kommentar und die Anmerkungen!
      Mit der Kommasetzung hatte ich leider schon immer so meine Schwierigkeiten. Es tut mir Leid falls der Artikel dadurch nicht so gut lesbar ist.

      Übrigens kann man den Film auch sehr gerne bei mir kostenlos ausleihen falls Interesse besteht und er gerade in der ULB nicht zu Verfügung steht 😉

      1. Kein Problem, Ihr Artikel ist gut lesbar. Ich merke das nur an, um Sie ein bisschen dafür zu sensibilisieren – in Hausarbeiten kommt richtige Zeichensetzung immer sehr gut an 😉

  3. Ich wollte mich für den Hinweis zu diesem Film bedanken; ich hatte mir nach dem Lesen dieses Artikels den Trailer angeschaut und habe vor kurzem die Gelegenheit gehabt, den Film zu sehen und er hat mir unheimlich gut gefallen.
    Yentown hat sowohl eine interessante Handlung als auch eine großartige Atmosphäre, weshalb ich die hier schon ausgesprochenen Empfehlungen gerne unterstützen möchte 🙂

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