Populärkultur “am eigenen Leib” – Cosplay Teil 1: Die Entstehung

Seit Anfang 2013 cosplayen wir nun schon gemeinsam. Es war damals eine relativ spontane Entscheidung auf der Leipziger Buchmesse die Shinigami (Todesgötter) Grell Sutcliff und William T. Spears aus dem Manga „Kuroshitsuji“ (Black Butler) zu cosplayen.  Schnell hatten wir die Brillen und Perücken gekauft und machten uns an die Arbeit Grells roten Mantel zu nähen.

Tatsächlich haben wir auf der LBM einige gute Resonanzen für unsere stundenlange Näharbeit bekommen, was uns nur noch mehr dazu ermutigte, uns noch an weitere Outfits unserer Charaktere zu wagen.

So folgten bald schon diverse,  mal zivilere,  mal aufwändigere Versionen, die wir über das Conjahr verteilt  präsentierten.

Zur Yukon in diesem Jahr wollten wir nun ganz zur Thematik „Halloween“ die „Alice im Wunderland“- OVA- Outfits tragen und uns in die Grinsekatze und den Märzhasen verwandeln.

Fotograf: Mimi

An dieser Stelle möchten  wir euch nun durch den Entstehungsprozess eines Cosplays führen und euch im zweiten Teil mit auf die Convention nehmen! Lasst euch überraschen!

Nun, um ein Cosplay zu nähen braucht man einige wichtige Utensilien:  Nähnadeln, Garn, Geduld, eine Nähmaschine wäre auch praktisch und natürlich Stoffe.

Da die meisten Cosplayer grundsätzlich pleite sind,  ist es besonders wichtig, die richtigen Stoffe möglichst günstig zu finden und einzukaufen. Dazu trifft man sich regelmäßig mit einem oder mehreren Bildern des Originaldesigns bewaffnet auf Stoffmärkten oder in Stoffgeschäften. Die Auswahl des richtigen Stoffes ist von höchster Wichtigkeit. Die falsche Farbe oder Textur des Stoffes kann das Ergebnis erheblich beeinträchtigen.

In unserem Fall haben wir einige Wochen in die Stoffwahl investiert und schließlich sogar auf Fleecedecken zurückgegriffen.

Ist der Stoff endlich gekauft und das Portemonnaie geplündert, kann man mit der eigentlichen Arbeit beginnen.

Wir verwenden für unsere Cosplays meistens Schnittmuster aus Burda-Zeitschriften und ändern diese nach unseren Wünschen ab. Nachdem wir also einen Schnitt für Blazer, Hose, und zwei verschiedene Westen ausgesucht, abgepaust und angepasst hatten, konnten wir ihn endlich auf den Stoff übertragen. Hierbei ist es wichtig, dass man die Schnittmusterteile entlang des angegebenen Fadenlaufs auf den Stoff legt, damit gegebenenfalls das Muster an der richtigen Stelle zu sehen ist.

Zum Ausschneiden verwenden wir einen Rollschneider, damit sich der Stoff beim Ausschneiden nicht verzieht.

Anschließend beginnt das „Puzzeln“ der Stoffteile. Schritt für Schritt werden die einzelnen Stücke aneinander genäht und schon bald hat man die ersten als Kleidung erkennbaren Teile.

Der Moment, an dem man zum ersten Mal ein Teil, das man selbst zusammengenäht hat, anzieht,  ist der „Moment der Wahrheit“.

In diesem Moment sieht man, ob man bis zu diesem Zeitpunkt alles richtig gemacht hat, ob alles so sitzt, wie man es will oder ob man alles noch einmal von vorne beginnen muss.

Und es ist wirklich wahr, was meine Oma schon immer zu sagen pflegte: „Man hat nichts wirklich genäht, wenn man nicht mindestens EINE Naht wieder auftrennen musste.“

Die ganze Aktion, die ich hier jetzt so fröhlich in ein paar Zeilen verpacke, dauert natürlich seine Zeit und nach einigen Nächten, die vollgepackt sind mit Fluchen, abgelenkt fernsehen, Herumalbern, lautem Disneysong-Motivationssingen, Nähen natürlich, Youtube-Videos gucken, weiternähen, Nähte auftrennen und neu zunähen, wieder auftrennen, Nähen und Improvisieren, haben wir es geschafft, dass das Ergebnis wirklich gut und ansehnlich war.

 

In der letzten Nacht vor der Convention mussten wir dank unserem „perfekten Zeitmanagement“ (jeder Cosplayer weiß, wovon ich rede)  nur noch ein paar „letzte Kleinigkeiten“ erledigen, was im Klartext heißt:

Wir mussten noch rosa Marabou an die Schuhe nähen, den Schal zu Ende nähen, den Katzenschwanz fertig machen, die Hasenohren und den Puschel nähen, das Essen für den nächsten Tag vorbereiten, die Tasche packen und natürlich noch einmal die Perücken nachschneiden und stylen.  Also das ganz normale Programm vor einer Convention.

R.I.P. Einhorn-chan

Um kurz vor 5 Uhr morgens kamen wir endlich ins Bett,  nur um 1 ½ Stunden später aufzustehen und uns für die Convention vorzubereiten.

Aber das erfahrt ihr alles in Teil 2 unseres kleinen Erfahrungsberichtes.

Wenn ihr wissen wollt, wie unsere Cosplays denn nun fertig aussehen, schaut unbedingt mal auf Mimi’s Blog  nach- da findet ihr alle Bilder.

Angela Schuricht und Christina Lucas

4 Gedanken zu „Populärkultur “am eigenen Leib” – Cosplay Teil 1: Die Entstehung

  1. Oh Gott, das arme Einhorn! :’D
    Aber auch, wenn mir „Einhorn-chan“ doch ziemlich leid tut, das Problem mit dem „Oh verdammt, ich brauche ja noch Materialien dafür!“ kennt ja vermutlich jeder Cosplayer. Du bist also nicht umsonst gestorben, Einhorn-chan! Jaah… 😉
    Ich fand den Artikel sehr gut und unterhaltsam geschrieben, und ich musste die ganze Zeit schmunzeln – denn, Hand auf’s Herz, jeder Cosplayer kennt mit Sicherheit alles, was ihr da so nett beschreibt :’D Vor allem der „Moment der Wahrheit“. Ich bin innerlich zusammengezuckt, denn das weckt viele Erinnerungen.
    Und dank dem Artikel hab ich jetzt wieder Lust, was für Cosplays zu nähen – wenn ich nur die Zeit dafür hätte :/
    (Ach ja, die Fotos auf dem Blog sind echt super geworden :D)

  2. Vielen Dank für den tollen Bericht! Man kann sehr gut nachfühlen, wie die Zeit vor einer Convention gefüllt wird und versteht, dass der Hauptteil des Hobbys Cosplay außerhalb der Treffen stattfindet. Der handwerkliche Aspekt nimmt ja sehr viel Raum ein.

    Interessant fände ich noch zu erfahren, wie wichtig die Zusammenarbeit im Team ist bzw. ob es verschiedene „Cosplay-Persönlichkeiten“ gibt (Teamplayer, Einzelkämpfer etc.)

    1. Also wenn wir mal wieder ein Cosplay fertig haben wollen wir entweder direkt mit einem Neuen anfangen oder es hat uns so viele Nerven gekostet, dass wir erst einmal genug von der Nähmaschine haben 🙂

      Manchmal findet man beim Tragen dann noch ein paar Dinge, die man verbessern möchte, aber eigentlich sind wir immer sehr zufrieden mit unserer Arbeit.

  3. Das arme Einhorn :*O …naja, wie bereits erwähnt – es ist für einen guten Zweck von us gegangen 😉
    Ihr habt einen sehr schönen und humorvollen Artikel verfasst, der beim Lesen echt Spaß macht. Ich selbst cosplaye zwar nicht, aber habe schon was „Ähnliches“ mit viel Nähen gemacht und fühlte mich da auch stark zurückversetzt. Da lässt sich wirklich nicht genug betonen, wie lange es dauern kann, den passenden Stoff zu finden… Wie geht es Euch eigentlich, wenn Ihr Euer Cosplay fertig habt? Seid Ihr dann zufrieden und lasst die Nähmaschine erstmal eine Weile abkühlen? Ich hatte nach der „finalen Schlacht“ immer plötzlich das Gefühl, mir würde was im Tagesablauf fehlen… 😉

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