Kagoshima – Zuhause der letzten Samurai

Von Andre Maas

Saigo Takamori; Flickr, CC maveri4201

Die an der südwestlichen Spitze Kyūshūs angesiedelte Hafenstadt Kagoshima, ist einer der geschichtsträchtigsten Orte Japans. Obwohl in Popularität von Orten wie Kyoto oder Hiroshima überschattet, haben vorallem koreanische, chinesische sowie taiwanesische Touristen sich die Stadt zum Reiseziel gemacht. Mit der Eröffnung des „Marine Port Kagoshima“ 2007, und der Anbindung an das Shinkansen-Netzwerk 2011, versuchte man allerdings auch immer mehr japanische Touristen heranzulocken. So hat sich laut der offiziellen Website der Präfektur, seit 2011 die Besucherzahl Kagoshimas von ungefähr 93.000 zu 171.000 in 2012 beinahe verdoppelt.

Kagoshimas stellt besonders zwei Eigenschaften in den Vordergrund, wenn es darum geht, um Touristen zu werben. Zum einen ist es der Geburtsort von Saigo Takamori, und Okubo Toshimichi, zwei der wichtigsten Figuren in der damaligen Anti-Tokugawa-Bewegung, die letztendlich 1868 die Tokugawa Regierung stürzte, und die Meiji Restauration einläutete. Zum anderen lauert der immer noch aktive Vulkan Mt. Sakurajima direkt gegenüber des Marine Ports über der Stadt.

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Hokkaidō: Eine Geschichte über Liebe und Whisky

Von Milena Gross

Flickr, CC lefty1007

Die Präfektur Hokkaidō ist kein Unbekannter, selbst wenn man nicht viel von dieser Insel weiß, den Namen hat man zumindest schon einmal gehört. Entweder man hört von Hokkaidō durch die Medien, wenn im Winter deutsche Nachrichten kurz von den Eisskulpturen in Sapporo berichten, oder man begegnet ihr im Supermarkt als wichtiger Produktionsort für z.B. Milchprodukte. Doch die nördlichste Präfektur Japans hat noch einiges mehr zu bieten als nur Eis, Schnee und Kürbisse. Auch wenn man in Deutschland nicht allzu viel über die zweitgrößte Insel Japans weiß, im Sommer ist sie bei den Japanern selbst recht beliebt. Wegen ihrem subborealem Klima, wodurch die Winter zwar recht kalt und schneereich sind, ist der Sommer auf Hokkaidō  kühler und angenehmer als im restlichen Teils Japans. Aber auch die dortigen Skigebiete sind sehr beliebt, nicht nur bei Japanern. Das Klima beschert Hokkaidō  eine reiche Natur – im Frühling zeichnen weite, farbenfrohe Blumenwiesen die Landschaft und in den vielen Nationalparks lässt sich Natur dieser Insel in Ruhe genießen. Mit dem Shiretoko National Park (知床国立公園) besitzt Hokkaidō  einen der größten Parks, dieser Art, in Japan. Früher war die Präfektur einst das Zuhause der Ainu, eine indigene Bevölkerung. Noch heute leben einige von ihnen auf ihrer Insel, jedoch sind sie nur noch eine Minderheit. Doch durch Museen und Festivals kann man diese Kultur, diesen Teil von Hokkaidō  zumindest teilweise erleben.
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Gunma: Chihiros Onsen im Herzen Japans

Von Chiara Jung

Yubatake in Kusatsu-machi; eigenes Foto der Autorin

Wer nach Japan reisen möchte, der hat vermutlich als allererstes Tokyo im Sinn. Tokyo ist die Hauptstadt Japans und mit knapp 38 Millionen Einwohnern in der Metropolregion eine wahrlich große Stadt. Wer allerdings auch an der Kultur und Natur Japans interessiert ist, von Tokyo aus aber nicht sehr weit fahren kann oder möchte, der kann der Präfektur Gunma (群馬県) einen Besuch abstatten. Die Präfektur Gunma liegt lediglich 100 Kilometer von Tokyo entfernt. Hier leben circa 2 Millionen Menschen, der Verwaltungssitz ist Maebashi (前橋市). Die Präfektur bietet viele Onsen-Orte, darunter auch das berühmte Kusatsu Onsen (草津温泉). In diesem Blogeintrag möchte ich genauer auf Onsen, wie Gunma mit diesen Orten für sich wirbt und versucht Touristen, inländische so wie ausländische, in die Präfektur zu locken.
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Hyôgo: Wie Idols den Tourismus ankurbeln können

Von Marieke Schwanke

Himeji-jô; eignes Foto der Autorin

Neben den bekannten und beliebten Reisezielen Osaka, Kyoto und Nara in der Kansai-Region im Südwesten Japans liegt die Präfektur Hyôgo. Sie wird häufig übersehen, obwohl sie von unberührter Natur in den Bergen, über Strände und Meer, bis zur pulsierenden Hafenstadt Kobe, welche gleichzeitig die Hauptstadt der Präfektur und die fünftgrößte Stadt Japans ist, einiges zu bieten hat. Kobe ist dank seines modernen Hafens, das sogenannte Harborland, ein beliebtes Touristenziel. Auch viele internationale Unternehmen sind dort ansässig. Aber wohl am ehesten denkt man bei „Kobe“ an das Kobegyû, das weltweit preisgekrönte Rindfleisch, welches man natürlich in seiner Heimatstadt am besten verspeisen kann. Die vermutlich bekannteste Sehenswürdigkeit Hyôgos ist das UNESCO-Weltkulturerbe Himeji-jô (Burg/Schloss Himeji). Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und gilt als das einzige Schloss Japans, dass noch in seinem Originalzustand steht, da es dank gekonnter Tarnung im Krieg von Zerstörung verschont geblieben ist. Es ist außerdem bekannt für seine weiße Farbe, weswegen es auch Shirasagijô (Weißer-Reiher-Schloss) genannt wird, und lädt mit seinen großen Parks und Gärten jährlich viele einheimische und ausländische Touristen – gerade zur Kirschblütenzeit –  ein. Im Norden Hyôgos gibt es wunderschöne Strände zum Entspannen und Spazierengehen. Dort befindet sich die traditionelle Onsen-Stadt Kinosaki, in der man in vielen traditionell japanischen Hotels, sogenannten Ryokan, eine schöne Zeit verbringen kann. Hyôgo: Wie Idols den Tourismus ankurbeln können weiterlesen

Gifu: Alte Dörfer, idyllische Städte und Anime

Von Timo Spiske

Shirakawago; Flickr cc, Roger Walch

Wohin reist der durchschnittliche Japan-Reisende während seines/ihres Japanaufenthaltes? Da hätten wir zum einem die Klassiker: Tokyo, Kyoto, Osaka, Hiroshima und vielleicht Okinawa. Kleinere Städte und (zumindest für Nicht-Japaner) eher weniger bekannte Präfekturen sind vor allem, wenn überhaupt, bei Bustouren im Programm. So zum Beispiel die Präfektur Gifu. Gelegen im Zentrum Japans, nördlich von Nagoya, war Gifu früher eine wichtige Provinz, wenn es darum ging Japan zu erobern und zu kontrollieren. Gifu hat jedoch, außer seiner strategisch günstigen Lage, auch touristisch viel zu bieten. In diesem Beitrag wollen wir einen Blick auf die Sehenswürdigkeiten Gifus werfen, sowie ergründen, wie die Präfektur Medien einsetzt, um für sich zu werben. Sehenswert sind vor allem Shirakawago, ein historisches Dorf und Weltkulturerbe, die Stadt Takayama, auch genannt kleines Kyoto, sowie die Hauptstadt Gifu.

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Musik-Tourismus in Fukuoka

Von Svenja Lütz

Flickr cc, jpellgen

Die Präfektur Fukuoka (福岡県 – Fukuoka-ken) liegt im Südosten des Landes auf der Insel Kyûshû. Verwaltungssitz der Präfektur ist die gleichnamige Stadt Fukuoka (福岡市 – Fukuoka-shi), welche direkt am Meer liegt, so wie ein großer Teil der gesamten Präfektur. Die Präfektur bietet für Touristen viele Möglichkeiten, die Kultur, Geschichte und Natur Japans kennenzulernen. Einige Beispiele wären der Shinto-Schrein in Dazaifu, die Ruinen des Akizuki-Castle mit den 300 Kirschbäumen, die im Frühling aufblühen oder das Ozuka-Grab, welches wie ein Schlüsselloch aussieht und im 6. Jahrhundert errichtet worden ist. Aber auch Touristen, die ihre Freizeit gerne mit Shoppen verbringen, kommen nicht zu kurz. Die Kanalstadt Hakata, ein Stadtteil von Fukuoka, lädt mit vielen Läden zum Geldausgeben ein. Um einen entspannten Tag am Strand verbringen zu können, lädt Momochi-Beach in Fukuoka ein. Dort steht auch der Fukuoka Tower, von welchem man eine gute Aussicht über die ganze Stadt hat.

1978 wurde in Fukuoka-shi auch eine der berühmtesten und erfolgreichsten J-Pop-Sängerinnen Japans geboren – Hamasaki Ayumi (浜崎 あゆみ). Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie ihre Liedtexte selber schreibt und sich nicht von der japanischen Musikindustrie hat verändern lassen. Das hat auch dazu beigetragen, dass ihre Bekanntheit sich von Fukuoka, über Japan bis in viele Teile Asiens verbreitet hat. Deswegen wird sie auch mit dem Titel „Kaiserin des J-Pop“ bezeichnet. Heute ist sie auch außerhalb Asiens bekannt und eine der erfolgreichsten Sängerinnen im asiatischen Raum. Auf Facebook hat Ayumi über eine halbe Millionen Follower, auf Instagram um die 800.000 und auf Twitter folgen ihr sogar etwa 1 Million Menschen.

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Naturparadies Aomori – Wo die Zeit still steht

Von Fabian Thoma

Shirakami-sanchi; Flickr cc, Hidetsugu Tonomura

Dokumentarfilme, Reisemagazine, Animes und noch vieles mehr – mit Hilfe von Medien versucht Japan periphere, als auch strukturschwache Regionen zu vermarkten und neue Identitätsstrukturen zu verleihen, um den Tourismus und somit auch die Wirtschaft der Gebiete anzukurbeln. Man versucht durch unterschiedliche Medieninhalte das Problem der Überalterung, welche mit der Landflucht Junger Japaner einhergeht zu regulieren, indem man die Attraktivität ländlicher Städte in den Präfekturen Japans steigert, vielleicht auch junge Leute wieder dazu zu bewegt, diese durch neue Arbeitsmöglichkeiten ans Land zu binden. Ein Medium, welches für die nördlich gelegene Präfektur Aomori werben soll, ist der Anime Flying Witch, doch zunächst einmal zu Aomori selber.

Content-Tourismus in Chiba

Von Martin Wulff

Flickr cc, Kentaro Ohn

Für die japanische Wirtschaft entwickelt sich besonders ein Wirtschaftszweig erfolgreich: der Tourismus. Das ist keine Selbstverständlichkeit, betrachtet man die sinkenden Geburtenzahlen und die Tatsache, dass sich die dortige Wirtschaft immer noch nur langsam von Krisen wie der Bubble Economy und dem Lehmann-Schock erholt. Während die Zahl der inländischen Touristen stabil ist, nimmt die Zahl der ausländischen Touristen sogar zu. Da der Tourismus stärker ins Bewusstsein japanischer Behörden und Unternehmen rückt, versucht man in diesem Rahmen auch ein spezielles Feld des Tourismus zu nutzen: Die Vermarktung von Medien. Romane, Animes oder Spiele werden dadurch nutzbar gemacht für sogenannten Content-Tourismus.

Natürlich wird diese Marketingstrategie nicht nur in Tokio genutzt. Auch andere Präfekturen wollen von der vielfältigen Medienlandschaft Japans profitieren. Zur Vermarktung können jedoch auch ausländische Medien genutzt werden. Die Präfektur, welche ich in diesem Text behandle, liefert dafür ein gutes Beispiel. Östlich von der Hauptstadt Tokio befindet sich Chiba. Diese Präfektur mit 6 Millionen Einwohnern gehört zur Metropolregion Tokio. Touristisch wird Chiba nicht nur durch Historisches erschlossen (wie z.B. dem Shinsho-Ji-Tempel) oder der Lokalspezialität Erdnüsse, sondern vor allem durch das amerikanische Medien-Franchise Disney. Im Westen der Präfektur Chiba befindet sich das Tokyo Disney Resort, das viele Besucher nach Chiba lockt.

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Anime-Tourismus in Aichi: „Denpa Onna to Seishun Otoko“

Von Katrin Oltmanns

Flickr cc, Dennis Amith

Anime und Tourismus sind zwei Themen, welche in Japan immer öfter zusammen gebracht werden. Neben dem Green-Tourismus erlangt der Anime-Tourismus vor allem unter der jungen Bevölkerung immer mehr Popularität. Schon seit längerer Zeit gibt es in Japan, durch das stetige Wachstum von Interessierten in diesem Bereich, den Manga-, Anime- und Videospiel-Tourismus. Vor allem durch die Verbeitung von Anime und Manga auf der ganzen Welt gibt es von Jahr zu Jahr ein stetiges Wachstum von Menschen aus dem Ausland, welche mehr über die Entstehung des Anime und dessen Hintergrundgeschichte wissen wollen. Große Popularität genießen Orte, wo sehr berühmte Animes spielen. Ein Beispiel ist hier Yakushima, welcher durch die Verbindung zu dem Film Prinzessin Mononoke immer mehr Popularität erlangt hat. Dieser, auch international, berühmte Film wurde im Jahr 1997 von Miyazaki Hayao und Studio Ghibli produziert. Ein weiterer Grund, weshalb diese Tourismusform immer beliebter wird, ist seine Verbindung zu den strukturellen Veränderungen des Internets. Durch diese Veränderungen und dem Ausbau des Internets können zum Beispiel Webseiten wie YouTube Animes auch online zur Verfügung stehen. Des Weiteren sorgen Blogs und soziale Netzwerke dafür, dass Fans mehr Informationen zu bestimmten Anime, Mangas und Spielen bekommen und diese Informationen schneller verbreiten können.

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„A Lollipop or A Bullet“: Eine komplizierte Mädchen-Freundschaft

Abb. 1: Cover der deutschen Ausgabe des Egmont-Verlags

„A Lollipop or A Bullet“ ist ein komplexer Manga mit einer sehr reichhaltigen, düsteren Symbolik. Durch die deutsche Übersetzung, die bei Egmont erschienen ist, hat das Werk auch hierzulande einige Beliebtheit erlangt. Caroline Fest widmet sich diesem Manga, in dessen Mittelpunkt die ungewöhnliche Freundschaft zweier Mädchen steht.

Im Manga kommt es häufig vor, dass wir Kinder und Jugendliche als Hauptfiguren in verschiedensten Szenarien vorfinden. Einen besonders starken Effekt hat diese Tatsache dann, wenn es darum geht, sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen. Durch kindliche Hauptfiguren erscheint das jeweils aufgegriffene Problem besonders drastisch und erweckt möglicherweise auch mehr Aufmerksamkeit und Interesse als bei der Verwendung von bereits erwachsenen Charakteren. Auch der Manga „A Lollipop or A Bullet“ (jap.: 砂糖菓子の弾丸は撃ちぬけない) von Sakuraba Kazuki und Sugimoto Iqura bietet uns ein solches Szenario.

Der Manga selbst ist eine Adaption von Sakurabas gleichnamiger Lightnovel, die 2004 in erster Auflage bei Fujimi Misuterī Bunko (富士見ミステリー文庫) erschienen ist  und bislang zwei darauf folgende Neuauflagen zählt. Der Manga selbst wurde 2008 als Taschenbuch in zwei Bänden publiziert. Zuvor war er 2007 als Serie im Magazin Dragon Age (月刊ドラゴンエイジ) veröffentlicht worden, dessen Zielgruppe vorwiegend Jugendliche sind.

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„Tsure ga utsu ni narimashite“ – ein Essay-Manga über Depression

Abb. 1: Cover des Manga

Ein Manga zum Thema Depression, ist das nicht furchtbar deprimierend? Dass dem nicht so sein muss, erklärt uns hier Irina Jahn anhand des Werks Tsure ga utsu ni narimashite von Hosokawa Tenten.

In Deutschland herrscht teilweise das Image vor, dass „Manga“ sich vor allem an Kinder und Jugendliche richten. Doch in Japan gibt es eine große Bandbreite an Manga, die ganz unterschiedliches Publikum ansprechen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die sogenannten Essay-Manga, die meist autobiographisch sind und oftmals auch einen ernsteren Hintergrund haben. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Manga können Essay-Manga auch reine Textteile enthalten, d.h. kleine Essays zu einem Thema, das auch in den Manga -Teilen aufgegriffen wird.

In dem Manga Tsure ga utsu ni narimashite („Als Tsure an Depression erkrankte“, 2009)  reflektiert die Zeichnerin, Hosokawa Tenten, ihre persönliche Lebensgeschichte. Die Protagonisten ihrer autobiographischen Geschichte sind ihr Ehemann, genannt „Tsure“ und sie selbst, Tenten. Thematisiert wird der Krankheitsverlauf von Tsure, der in seinen späten Zwanzigern aufgrund seines stressigen Berufes an Depression erkrankt.

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A Silent Voice: Nishimiya Shôko – „Alien“ oder tragische Heldin?

Abb. 1: Cover der japanischen Ausgabe von „Koe no katachi“

In dem Manga Koe no katachi („A Silent Voice“, 2013–2014) von Ôima Yoshitoki ist eine der Protagonistinnen ein gehörloses Mädchen. Eine solche Darstellung ist im Genre des shônen Manga, dem das Werk angehört, sicher außergewöhnlich  – aber handelt es sich auch um eine realistische und fortschrittliche Thematisierung des Lebens mit Gehörlosigkeit? Maya Matsubara hat sich Koe no katachi und die Protagonistin Nishimiya Shōko für uns etwas genauer angesehen.

「変な奴」(„Die ist seltsam“) – ist die erste Reaktion von Ishida Shōya, als die gehörlose Nishimiya Shōko sich der Klasse vorstellt. Durch ihre Andersartigkeit weckt Shōko sofort die Neugier von Shōya, der anfängt, sogenannte „Experimente“ mit dem „Alien Nishimiya“ durchzuführen. Die von ihm angezettelte anfängliche Neckerei eskaliert schnell zur Schikane gegen sie durch die ganze Klasse. Als jedoch nach dem Täter der Schikane gesucht wird, wird Shōya als alleiniger Täter von der Klasse bloß gestellt. Von da an beginnt eine neue Schikane der Klasse gegen ihn. Shōko wechselt kurz darauf die Schule und verschwindet aus seinem Leben. Sechs Jahre später, im dritten Jahr der Highschool, beschließt Shōya, seine Schuld bei Shōko wiedergutzumachen und sucht sie auf. Sie wagen einen Neuanfang als Freunde und treffen auf alte Klassenkameraden, die ebenfalls mit den Ereignissen der Vergangenheit hadern. Durch ein gemeinsames Filmprojekt mit alten und neuen Klassenkameraden entstehen neue Freundschaften, aber auch Konfrontationen mit der Vergangenheit und Spannungen.

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Ein Essay-Manga zum Thema Demenz

Abb. 1: Cover von „Pecoross‘ Mother and her Days“

Das Thema Demenz taucht in der japanischen Populärkultur in den letzten Jahren immer häufiger auf. Besonders große Popularität hat dabei der Manga Pekorosu no haha ni ai ni iku („Pecoross’ Mother and Her Days“, 2012) von Okano Yûichi erreicht, den Eri Temma in diesem Artikel vorstellt. Okanos Werk zeigt eine alternative Perspektive auf Demenz, die das Leben der Betroffenen als wertvoll und reich versteht. 

In Japan ist die Pflege der alten Menschen ein ernstes Problem. Vor allem ist die Pflege eine große Last für die Familie: Es herrscht in Japan immer noch die Ansicht, dass die Pflege von der Familie übernommen werden sollte. Mit der Verschärfung der Überalterung ist außerdem das Problem der Altersdemenz sowie der Pflege dementer Menschen immer dringlicher geworden.

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Ore wa mita – Ein Augenzeugenbericht zu Hiroshima in Manga-Form

Abb. 1: Cover der Originalausgabe (aus: Genbaku to inochi, 2013)

Der Manga-Zeichner Nakazawa Keiji ist mit seinem Werk Hadashi no Gen („Barfuß durch Hiroshima“, ab 1973) berühmt geworden. Doch schon vorher hat er sich mit dem Thema auseinandergesetzt: In Ore wa mita verarbeitet der Künstler seine eigenen Erlebnisse als Zeuge des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Felix Naumann stellt dieses wichtige Werk vor.

Der bekannte Manga-Autor Nakazawa Keiji verarbeitet in seinem 1972 erschienenen Werk Ore wa mita おれは見た, zu Deutsch: „Ich hab’s gesehen“, seine Erlebnisse als Überlebender und Augenzeuge des Atombombenabwurfs über Hiroshima am 6. August 1945. Nakazawa war dabei so nahe am Geschehen, dass er gestorben wäre, hätte nicht eine dicke Steinmauer seinen Körper von der ausstrahlenden Hitze der Atombombe abgeschirmt.

Die Originalfassung in Schwarz-Weiß erschien in der September-Ausgabe des beliebten Manga-Magazins Shōnen Jump im Jahre 1972. Als Titelbild wählte Nakazawa sein eigenes entsetztes Gesicht, das den Schrecken des Atombombenabwurfs einfängt (Abb. 1). Darüber steht der Satz: „Eine schockierende Autobiographie, gezeichnet mit dem Stift des Blutes“. Im Dezember 1982 erschien eine colorierte und teilweise gespiegelte englische Fassung unter dem Titel „I saw it“ in den USA beim Verlag Educomics.
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Nanohana – Verarbeitung der Dreifachkatastrophe im Manga


Abb. 1: Cover der „Nanohana“-Ausgabe von 2016

In unserer Serie zu den Potenzialen des Mediums Manga stellt Diana Casanova das Werk „Nanohana“ vor, das sich mit der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 beschäftigt. Autorin von „Nanohana“ ist Hagio Moto, die mit ihren shôjo Manga und Boys-Love-(BL-) Werken bekannt geworden ist. 

Vor nun mehr fast sechs Jahren geschah in Japan die Dreifachkatastrophe vom 11.03.2011, die vor allem der Region Fukushima einen zweifelhaften Ruf verschaffte. Während das Erdbeben und besonders der daraus entstandene Tsunami Tausende von Menschenleben kosteten, zwang der nukleare Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima mehr als hunderttausend Menschen aus ihren Häusern zu fliehen, in die die meisten nicht mehr zurückkehren können. 
National wie international war die Kritik an der japanischen Regierung, am Atomkraftwerkbetreiber Tepco wie auch an der Atomkraft selbst immens. Doch auch das Medium Manga wurde verwendet, um das Thema Fukushima zu verarbeiten. Beispiele für derartige Manga sind „Ichiefu“ (Tatsuta Kazuto, 2013) und „Nanohana“ von Hagio Moto, welchen ich im Folgenden vorstellen möchte.

  Nanohana – Verarbeitung der Dreifachkatastrophe im Manga
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