Ein Semester mit Pokemon GO

„Pokémon GO? Spielt das überhaupt noch jemand? “ – solche Kommentare von Passanten hört man als Pokémon-GO-Spieler/in häufig, wenn man sich in der Öffentlichkeit als solche/r zu erkennen gibt. Wie wir im „Forschungsseminar Pokémon GO“ im Wintersemester 2017/18 festgestellt haben, ist das Spiel tatsächlich aber noch sehr lebendig. Neben dem Sammeln von Pokémon „draußen“ in Parks, Straßen und Wäldern ist mittlerweile auch der gemeinsame Kampf gegen besonders starke Pokémon in sogenannten „Raids“ zum wichtigen Teil des Spiels geworden. Offensichtliche Ziele des Spiels sind Sammeln von Erfahrungspunkten (und damit der Level-Aufstieg) sowie die Vervollständigung der eigenen Pokémon-Sammlung. Daneben spielt für viele Spieler aber auch der soziale Aspekt eine große Rolle, der sich durch die Begegnungen mit anderen Spielern beim Fangen und Kämpfen ergibt. Ein Semester mit Pokemon GO weiterlesen

Pokémon GO als Abenteuer

Von Hasan Acur, Fritjof Eckardt, Serguei Jouravlev, Thomas Pham Minh Chi und Naomi Schadt

Schon als Kind assoziiert man mit einem Abenteuer außergewöhnliche und spannende Ereignisse, die man im Alltag normalerweise nicht erlebt. Mit einem Abenteuer verbunden ist nicht nur die Lust, etwas Neues zu entdecken, sondern es birgt auch manche Gefahren, Risiken und Herausforderungen, denen sich der Abenteurer stellen muss. Doch gerade das erzeugt erst den Nervenkitzel, der dafür sorgt, dass wir uns dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Auch in der Welt der Pokémon geht kein Weg daran vorbei, denn schließlich will laut Werbespruch jeder der „Allerbeste“ sein. Durch die Verbindung des Spiels Pokémon GO mit der Realität der Umgebung ergeben sich viele Möglichkeiten, Abenteuerliches zu erleben. Zugleich wird in den Medien immer wieder von den damit verbundenen Gefahren berichtet: Unfälle im Straßenverkehr, das Betreten von gefährlichem Gelände oder sogar Überfälle, bei denen Pokemon Go als Lockmittel zum Einsatz kommt.

In diesem Artikel möchten wir uns auf die Welt der Pokémon im Spiel konzentrieren und der Frage nachgehen, welche Aspekte an Pokémon GO das Spiel zum Abenteuer machen können. Richard Bartle spricht in seiner bekannten Arbeit über Spielertypen von „Explorern“, denen es beim Spielen besonders darum geht, mit der Spielwelt zu interagieren und sich immer wieder davon überraschen zu lassen. Solchen Spielern geht es mehr um besondere Entdeckungen im und Erlebnisse mit dem Spiel als darum, besonders viele Punkte zu sammeln. Unser Artikel stellt somit diese Spieler in den Mittelpunkt, und wir untersuchen, wie diese Spieler angeprochen werden können.

Exploring in Pokémon Go – Städte erkunden

Pokémon GO ist eine gute App zur Erkundung von Städten: Als (spaßigere) Alternative zu Google Maps kann man damit fremde Orte kennen lernen während man spielt. In Pokémon GO gibt es die Pokéstops, die sich sehr häufig an Sehenswürdigkeiten befinden und kurze Informationen über diese bereit halten. Im Gespräch mit Kommilitonen aus unserem Seminar haben wir zum Beispiel erfahren, dass sie mit Hilfe von Pokémon GO Tokyo sehr gut erkunden konnten. An Pokéstops gibt es immer wichtige Ingame-Gegenstände für die Spieler, was sie motiviert, von Pokéstop zu Pokéstop zu wandern – und was gut mit Sightseeing verbunden werden kann. Zugleich kann es auch Menschen motivieren, die einfach rauszugehen und die eigene Stadt zu erkunden. Dabei kann man in vertrauter Umgebung Orte entdecken, die man sonst nicht wahrgenommen hat, wie z.B. Statuen und alte Monumente. Das Erkunden von Städten und Orten und das Fangen von Pokémon auf dem Weg geben dem Spieler das Gefühl, in einem echten Abenteuer zu sein. Ein weiterer positiver Aspekt von Pokémon GO ist, dass man beim Spielen auf andere Pokémon-GO-Spieler treffen und so auch in fremden Städten neue Kontakte knüpfen kann.

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Auf der Welle zum Erfolg – Pokémon GO und In-App-Käufe

Von Marie-Theres Cieslik, Bahar Ciftcioglu, Sabrina Isenberg, Mao Kubota und Angelina Wierig

Direkt nach dem Release 2016 feierte Pokémon GO weltweit seinen großen Aufschwung. Hundertausende Spieler begeisterten sich für das neuartige Spielkonzept. Doch wie schaffte es Niantic, diesen immensen Erfolg auch wirtschaftlich für sich zu nutzen?

Die App selbst ist erst einmal kostenlos. Verschiedene Bestandteile des Spiels motivieren die Spieler/innen aber, für den persönlichen Erfolg Geld zu investieren. Diesen wirtschaftlichen Aspekt von Populärkultur betonte schon John Fiske in seinem Buch „Reading the Popular“ aus dem Jahr 1989. Die Populärkultur werde „von unterdrückten Bevölkerungsgruppen in ihrem eigenen Interesse aus Ressourcen gewonnen, die, widersprüchlicherweise, auch den ökonomischen Interessen der Herrschenden dienen“ (Fiske 2000: 15). Das bedeutet, dass Populärkultur zwar einerseits für die Rezipierenden eine wichtige Funktion einnimmt und sie in bestimmten Bereichen ermächtigt, zugleich aber die ökonomischen Interessen der Firmen bedient werden und diese durch die Leidenschaft der Fans ihr Kapital vermehren.

Die Fans selbst können, wie John Fiske in seinem Aufsatz „The Cultural Economy of Fandom“ (1992) erläutert, ebenfalls Kapital aus der Populärkultur schöpfen – das kulturelle Kapital. Laut Fiske ist das kulturelle Kapital für den Status in der Gruppe von Wichtigkeit und besteht aus Elementen wie dem Sammeln von Wissen und Objekten, die mit dem Fandom zusammenhängen. Bei Pokémon GO bieten sich durch den Aufbau des Spiels viele Möglichkeiten für die Spieler/innen, kulturelles Kapital zu erwerben. Je mehr der Spieler über das Spiel Bescheid weiß, desto höher ist sein Status. Durch sein Wissen z.B. über Pokémon-GO-Events, Raids, Aufenthaltsorte von bestimmten und seltenen Pokémon oder allgemein über das Spiel erlangt der Spieler ein bestimmtes Ansehen im Fandom. Durch dieses Ansehen wird er zum Ansprechpartner bestimmter Fragen, die über das Spiel aufkommen. Auf der Welle zum Erfolg – Pokémon GO und In-App-Käufe weiterlesen

Pokémon GO und Fan Productivity – Wie die Community nach ihren eigenen Regeln spielt

Von Christian Kandlin, Ole Marschik, Ayse Sagbas, Yehia Soufan, Jonah Struwe und Nina Witzke

Pokémon GO ist ein faszinierendes Spiel, aber die vorgesehen Funktionen reichen vielen erfahrenen Spielern nicht mehr aus. Zudem sind viele unzufrieden mit der Art und Weise, wie Niantic aus dem Spiel ökonomisches Kapital schöpft. Um die auferlegten Grenzen des Entwicklers Niantic zu umgehen, ist Kreativität gefragt – und diese ist in der Community nach unseren Beobachtungen reichlich vorhanden.
Das Hauptziel hierbei ist es, Niantic zu „überlisten“ und sich so maximale Vorteile im Spiel zu verschaffen. Die diversen Praktiken dazu, die im Fandom zu finden sind, werden wir hier genauer vorstellen.

Der Begriff „fan productivity“, der bei John Fiske auftaucht, muss dafür unseres Erachtens erweitert werden. Fiske spricht von einer „textual productivity“ der Fans, die im Analogzeitalter zum Beispiel das Schreiben von Fanfiction oder das Zeichnen von Fan-Art umfasste. „Fan productivity“ beschreibt im Kontext von Pokémon GO aber auch, auf welche verschiedenen Möglichkeiten die Fans zurückgreifen, um das Spiel nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Diese „productivity“ kann somit zum Beispiel auch das Betreiben mehr oder weniger illegaler Tools umfassen. Aber auch das Herstellen von Netzwerken um das Spiel herum ist ein ganz entscheidender Aspekt der Produktivität von Pokémon-Spieler/innen.

Community außerhalb von Pokémon GO

Pokémon GO Fans vernetzen sich insbesondere über soziale Medien, da die Firma Niantic in ihrer App dafür keine Wege zur Verfügung stellt. Es fehlt die Option, Freundschaftsanfragen zu senden oder Gilden zu gründen, so wie es in vielen anderen Online-Spielen möglich ist.

Top-Spieler Brandon Tan auf Instagram

Rasch nach Erscheinen von Pokémon GO fanden sich Freunde in Gruppenchats auf WhatsApp zusammen und regionale Gruppen, wie Pokémon GO Düsseldorf, wurden auf Facebook erstellt, um Spieler zusammenzubringen und Informationen auszutauschen. Neben Facebook ist insbesondere Twitter ein Ort, an dem viele sich über die neusten Pokémon-GO-Updates informieren. Abgesehen von dem offiziellen Pokémon-GO-Twitter gibt es auch Fan-Accounts (z.B. Pokémon GO News), welche die offiziellen Informationen verbreiten und ihren eigenen Discord-Server zur Verfügung stellen, auf dem Fans sich austauschen können. Pokémon-GO-Hub retweetet nicht nur offizielle Posts, sondern teilt auch anderweitig interessante Informationen zu Niantic und dem Spiel, sowie eigens recherchierte Artikel, die sie auf ihrer Website veröffentlichen. Auch auf YouTube sind Fans produktiv geworden; von Kanälen, die über Neuigkeiten berichten oder interessante Tricks ausprobieren bis hin zu Vloggern, die ihre Erlebnisse beim Fangen von Pokémon teilen oder ihren Abonnenten zeigen, was auf einem Event so vor sich geht – alles ist vertreten.
Pokémon GO ist nicht nur ein Spiel, es ist ein Phänomen, das zahlreichen Fans erlaubt hat, sich in ihrer eigenen Nische eine Website oder eine Community aufzubauen, welche nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere Fans von Interesse ist.

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„Sensei no Kaban“ – eine gefühlvolle Geschichte in prächtigen Bildern

Die beiden Manga-Bände auf Deutsch (Carlsen-Verlag)

„Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ von Taniguchi Jirô ist einer der seltenen Fälle, in denen eine Manga-Umsetzung japanischer Literatur auch ins Deutsche übersetzt wurde. Michael Hons schreibt hier über diese gelungene Adaption des Romans von Kawakami Hiromi, für den sie 2001 in Japan den renommierten Tanizaki-Preis gewonnen hat.

Im Seminar „Moderne japanische Literatur intermedial“ widmeten wir uns den Werken bedeutender japanischer Autoren und prominenten Adaptionen dieser Literatur. Für „Sensei no Kaban“, so der Originaltitel des Romans, haben wir uns im Seminar zuerst die Umsetzung von Taniguchi Jirô angeschaut und diese anschließend mit einem Auszug aus der Literaturvorlage verglichen, so dass wir uns zunächst ganz unvoreingenommen dem Manga-Werk widmen konnten. Der Roman erzählt die Geschichte einer alleinlebenden Frau Mitte 30 namens Tsukiko, die zufällig ihren ehemaligen Japanischlehrer in ihrem Stammlokal, einem Izakaya, wiederbegegnet. Es entwickelt sich schnell eine Freundschaft zwischen den beiden und die Bar wird stets der Ort, an dem sie sich für weitere Unternehmungen verabreden. Langsam entwickelt sich zwischen dem ungleichen Paar eine ungewöhnliche, komplizierte Beziehung.

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Tokushima: die udatsu-Straße und wie ein Film von Yamada Yôji ein altes Kino rettete

Von Sebastian Czepuck

Udatsu-Straße; Flickr, CC  Hideki Yoshida

In der japanischen Präfektur Tokushima (徳島県), die auf Shikoku (四国) liegt, gibt es diverse Ziele für Touristen. Zum Beispiel gibt es viele natürliche Sehenswürdigkeiten, wie die großen Naruto-Strudel oder das Iya-Tal, aber auch kulturelle, wie der awa-odori – der Name setzt sich aus dem obon-odori, einem Tanz, der zum Obon-Fest, einem Fest zur Ehrung der Ahnen im August und dem früheren Namen der Region Awa zusammen. Unter den Tourismuszielen befinden sich unter anderem auch Orte wie Wakimachi, ein Teil der heutigen Stadt Mima (美馬市), die durch mediale Inszenierungen wie Dramen und Werbespots bekannt wurden. Wakimachi (脇町) ist ein Ort in dem, von der Edo-Zeit (江戸時代) bis hin zur frühen Showa-Zeit (昭和時代) der Handel florierte.

In der Edo-Zeit fokussierte sich der Handel hauptsächlich auf die indigoblaue Farbe, wodurch die  Händler so wohlhabend waren, dass sie sich immer prunkvollere Häuser bauen konnten. Dies gipfelte darin, dass sich besonders wohlhabende Händler sogenannte udatsu (うだつ), kleine weiße Wandelemente, die ursprünglich dazu dienten vor dem Ausbreitung von Bränden zu schützen, auf ihre Häuser bauten. Sie dienten jedoch in erster Linie dem Ausdruck des eigenen Reichtums und weniger zum Schutz vor Bränden. In Wakimachi gibt es einen etwa 430 Meter langen Straßenzug mit ungefähr 50 traditionell japanischen Häusern, auf dem man diese udatsu sehen kann und die deswegen „udatsu-Straße“ (うだつの町並み) genannt wird. Gerade dieser Straßenzug wird von den Fernsehanstalten häufig in Dramen und Werbespots verwendet um eine sehr alte japanische Stadt darzustellen.

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Wakayama: ein Samurai und ein haariger Bahnhofsvorsteher

Von Jessica Thiele

Nitama; Flickr, CC  brassynn

Die an der Küste gelegene Präfektur Wakayama (和歌山県) auf der Hauptinsel Honshû im Südosten Japans ist vielleicht für viele eine eher unbekannte Gegend, aber auch in dieser von Natur bestimmten Landschaft kann man so einiges erleben. Wakayama ist vor allem für die hohe Anzahl an Bergen perfekt geeignet für lange Wanderungen, welche man mit dem Besuch von unzählig vielen Schreinen kombinieren kann. Neben heiligen Bergen und einer wunderschönen Küstenlandschaft punktet die Präfektur bei ihren Besuchern aber auch durch den berühmten Wasserfall in Katsuura, der Burg in der gleichnamigen Hauptstadt und mit kulinarischen Delikatessen. Die im 16. Jahrhundert errichtete Burg geht auf den ersten Shogun Japans zurück und ist heute noch eine sehr beliebte Touristenattraktion. Allen Touristen, die es geschafft haben, die Burg zu erklimmen, schenkt diese den Besuchern eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Wakayama. Aber um diese Stufen überhaupt erklimmen zu können, gibt es die Möglichkeit sich von verkleideten Ninja helfen zu lassen. Diese begrüßen Touristen am Eingang der Burg und begleiten sie bis ganz nach oben. Wer nach diesem Ausflug eine Verstärkung braucht, kann die kulinarischen Delikatessen Wakayamas probieren. Berühmt sind unter anderem die Ramen aus der Präfektur kombiniert mit Makrelen-sushi. Nach Entspannung suchende Touristen haben die Möglichkeit, das kleinste Onsen Japans zu besuchen und dabei die angrenzende Natur zu genießen. Wakayama: ein Samurai und ein haariger Bahnhofsvorsteher weiterlesen

Yamanashi: Die traurige Berühmtheit des „Selbstmord-Waldes“ Aokigahara

Von Silja Stolp

Flickr, CC  Guilhem Vellut

Die japanische Präfektur Yamanashi ist vielerorts für ihre schöne Natur bekannt. Westlich von Tokio und am südlichen Fuß der japanischen Alpen liegend, weist sie eine Vielfalt von spektakulären Landschaften auf. Doch abseits dieser Idylle liegt ein besonderer Ort, der in den letzten Jahren zu grausiger Berühmtheit gekommen ist. Die Rede ist von Aokigahara, auch genannt „Selbstmord-Wald“. Ebenfalls bekannt unter dem Namen „das Meer von Bäumen“ breitet sich der Forst am Fuße des Fuji über eine Fläche von 3.500 Hektar aus und zieht immer wieder Personen an, die ihres Lebens überdrüssig geworden sind und es im Schutze der dicht wachsenden Bäume beenden wollen. Die Statistiken variieren, doch man geht davon aus, dass sich pro Jahr um die hundert Menschen hier das Leben nehmen. Seit den 1950er Jahren sollen es ca. 6.500 gewesen sein. Von Arbeitslosigkeit, Einsamkeit oder zu hohem sozialen Druck jedweder Hoffnung beraubt, übt Aokigahara einen besonderen Reiz für die Verzweifelten aus. Laut dem Volksmund hat dieser Platz bereits seit dem 19. Jahrhundert einen besonderen Bezug zum Tod. Nicht nur soll man hier den Geistern und der spirituellen Welt besonders nahe sein, auch sollen aus ärmlichen Verhältnissen stammende Familien ihre Ältesten dort im Winter ausgesetzt haben. Verbreitet ist auch teilweise der Glaube an negative Energien, die die Bäume selbst durchdringen, oder an Dämonen (yūrei), welche die Lebenden jagen, wie auch an die Geister der Selbstmörder selbst, die ruhelos umherwandern.

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Asa-Dorama-Tourismus in Okinawa

Von Pia Hilken

Flickr, CC  Ippei & Janine Naoi

Okinawa gilt als ein beliebtes Urlaubsziel für Japaner. Die Werbung verspricht sommerliche Flitterwochen, einmalige tropische Strände und besondere Attraktionen. Die Insel befindet sich südlich von den vier Hauptinseln Japans (Honshu, Hokkaido, Shikoku und Kyushu) und ist von Kagoshima, der südlichsten Stadt in der südlichsten der vier Hauptinseln, nämlich Kyushu, mit einer ca. eintägigen Fährenfahrt erreichbar, wobei die meisten Japaner den ca. zweistündigen Flug bevorzugen. Die sich nah an Taiwan liegende Insel befand sich als Königreich Ryukyu lange in chinesischer Abhängigkeit bis sie 1879 von Japan als Präfektur Okinawa annektiert wurde. Im Jahr 1945 spielte Okinawa eine große Rolle im Zweiten Weltkrieg, als die USA gegen Japan drei Monate um die Insel kämpfte. Diese Schlacht war die einzige, die auf japanischem Boden stattfand und forderte ca. 250.000 Tote. Nachdem Japan kapitulierte, wurde Okinawa US-amerikanisches Besatzungsgebiet. Trotz der Rückgabe 1972 befindet sich auf Grundlage des Sicherheitsvertrages zwischen den USA und Japan immer noch US-amerikanisches Gebiet mit Militärbasen auf Okinawa.

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Nagano: Wie man immer noch von den Winterspielen profitieren kann

Von Man-Yin Hau

Flickr, CC  jamesjustin

Die Präfektur Nagano befindet sich in der Region Chubu auf Honshu, die Hauptinsel Japans, und ist von allen Seiten von Bergen umgeben, die eine Höhe von etwa 3000 Metern erfassen. Ihre Hauptstadt trägt ebenfalls den Namen der Präfektur und ist Sitz der Präfekturverwaltung. Normalerweise, wenn man sich eine Reise nach Japan vornimmt, sind die ersten Orte die man besuchen möchte Tokyo, Osaka, Kyoto usw. Nagano fällt da eher aus dem Rahmen, allerdings hat diese Präfektur viel zu bieten, was vor allem die Lage möglich macht. Dadurch, dass sie zwischen der Kanto- und der Kansai-Region liegt, kann sie sowohl von Kultureinflüsse vom Westen als auch vom Osten Japans profitieren. Durch die olympischen Winterspiele 1998 in Nagano, erhielt die Präfektur internationale Aufmerksamkeit. Neben der schneeweißen Landschaft, die für Wintersport gut geeignet ist, ist Nagano auch für Onsen bekannt. Von lustigen Postkarten, über Bilder und Berichte aus Informations- und Reise- Websites wird man immer auf eines im Nagano aufmerksam gemacht; auf die heißen Onsen und vor allem, dem „Affenpark“, Jigokudani, wo man buchstäblich mit den Affen badet. Aber auch Menschen die nicht so sportaffin sind, können in Nagano auf ihre Kosten kommen, denn die einzelnen Gemeinden haben auch viel historisches und kulturelles vorzuweisen; zum Beispiel das Schloss Matsumoto, welches Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Es ist eine größtenteils aus Holz-Erbaute, fünfstöckige Burg deren schwarze Farbe einen einzigartigen Kontrast zur weißen Landschaft bildet. Das Schloss gilt als eines der Nationalschätze Japans.

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Japanische Literatur als Anime – Aoi Bungaku Series

Abb. 1: Die Parade des Königs in „Kumo no ito“; Abb. 2: Höllendarstellung

Klassiker der modernen japanischen Literatur, aufgefrischt für ein junges Publikum von bekannten Anime-Künstlern: Nadine Schmidt stellt die Serie Aoi Bungaku aus dem Jahr 2009 vor.

Für all diejenigen, die sich gerne mit japanischer Literatur befassen, jedoch kein Buch in die Hand nehmen möchten, hat das Studio Madhouse mit seiner Anime Serie Aoi Bungaku Series (青い文学シリーズ) eine Lösung parat. In Zusammenarbeit mit bekannten Mangaka wie Kubo Taito (Bleach) und Obata Takeshi (Death Note) wurden 12 Folgen produziert, die auf sechs berühmten Werken japanischer Autoren beruhen. Diese sind Ningen Shikkaku von Dazai Osamu (dt. „Gezeichnet“, 1-4), Sakura no Mori no Mankai no Shita von Sakaguchi Ango (dt. „Unter der vollen Blüte im Kirschbaumwald“, 5-6), Kokoro von Natsume Sôseki (7-8), Hashire Merosu von Dazai Osamu (dt. „Lauf Melos, lauf!“, 9-10), Kumo no Ito von Akutagawa Ryûnosuke (dt. „Der Faden der Spinne“, 11) sowie Jigokuhen, ebenfalls von Akutagawa (dt. „Qualen der Hölle“, 12).

Der Titel der Serie lässt sich mit „Blaue Literatur Serie“ übersetzen, wobei aoi ursprünglich die Farbe junger Reispflanzen (ein Farbton zwischen Blau und Grün) bezeichnete und in diesem Fall im Sinne von „frisch, aktuell“ bzw. „Evergreens“ verstanden werden kann. Dementsprechend lautet das Motto der Serie „Meisaku koso aoi“ – „Berühmte Werke bleiben aktuell“. Moderiert wird die Serie von Schauspieler Sakai Masato, der in der Einleitung der Serie erklärt, viele Leute hätten keinen Bezug mehr zu Klassikern des literarischen Kanons, weil sie diese für alte Kamellen hielten oder während ihrer Schulzeit gezwungen waren sie zu lesen. Allerdings könne man sich heute noch mit den Gefühlen und Problemen der Protagonisten identifizieren. Sie erinnerten uns an uns selbst und daran, dass Leben und Schmerz Hand in Hand gehen. Aus diesem Grund versucht die Serie, durch das Medium Anime frischen Wind in den altbekannten Stoff zu bringen, um ihn so den Zuschauern wieder schmackhaft zu machen. Zu diesem Zweck vermittelt Sakai außerdem vor jeder Folge Hintergrundwissen zur Biographie des Autors, zur Entstehung des Werkes sowie zur zeitgenössischen Rezeption. Die Adaptionen weichen dann doch häufig recht stark vom Original ab, allerdings bleiben die Geschichten in ihrer Essenz erhalten. Wie diese Umgestaltung aussehen kann, soll im Folgenden anhand der 11. Folge, Kumo no Ito („Der Faden der Spinne“), exemplarisch geschildert werden.  Japanische Literatur als Anime – Aoi Bungaku Series weiterlesen

„Attack on Titan“ und die letzte Bastion der Menschheit in Ôita

Von Christine Herrmann

Sandskulptur eines Titanen in Ôita; Flickr, CC ume-y

Wir wagen einen Spaziergang entlang eines gewöhnlichen Staudamms in Japan. Wir sind uns sicher: Das graue, triste Bauwerk kann niemals Anlass für einen Besuch des Städtchens Oyama in der Präfektur Ôita auf der Insel Kyûshû sein. Vielmehr ist es der Stausee um den Damm herum, der uns einen schönen Ausblick mitsamt der hügeligen, grünen Landschaft bietet. Doch erstaunlicherweise zeigt sich dieser Ort in den Augen vieler Besucher aus einem gänzlich anderen Blickwinkel. Zentraler Anlass für ihren Besuch ist tatsächlich der unscheinbar wirkende Damm, nicht die Idylle um ihn herum.

Fans der äußerst populären Manga- und Animeserie „Attack on Titan“ (Shingeki no kyojin) hörten das Gerücht, der Damm hätte für Autor Isayama Hajime, der in Oyama geboren und aufgewachsen ist, als Inspirationsquelle für die berühmt berüchtigten drei Mauerringe der Serie gedient. Seitdem werden hier unter anderem aufwendige Fan-Events veranstaltet, bei denen Verehrer der Serie beispielsweise einen riesigen Titanen auf dem Damm platzieren. In der Fiktion durchdringen diese Mauer die monströs großen, menschenähnlichen Riesen, Titanen genannt, nachdem seit dem Ausbruch der Apokalypse hundert Jahre Frieden die Bedrohung fast vergessen ließen.

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Miyazaki und ein Regional-Drama über zweite Flitterwochen

Von Simon Sack

Aoshima in Miyazaki; Flickr, CC Casey Yee

Miyazaki (宮崎県) mag vielleicht nicht die bekannteste Präfektur Japans sein, bietet aber sicherlich eines der vielseitigsten touristischen Angebote. Recht weit im Süden Japans gelegen, hat sie ein tropisches Klima und bietet von Naturtourismus und „spirituellen Erfahrungen“, wie eine Seite es anpreist, über besondere Gerichte, wie etwa das Miyazaki-Rindfleisch, bis hin zu Surf-Stränden quasi allen Touristentypen etwas an. Auch Baseballfans kommen auf ihre Kosten, da viele große japanischen Baseball-Teams hier ihre Camps haben.

Neben diesen typischen Urlaubsattraktionen hat Miyazaki aber auch fernsehbegeisterten Drama-Freunden etwa zu bieten: Fans der 2016 erschienenen Serie „Miyazaki no futari“ (宮崎のふたり) können auf der offiziellen Internetseite der Serie genau nachvollziehen, welche Episode an welcher Location gedreht wurde und diese dann anschließend selbst besuchen. Die Serie handelt von einem Rentner namens Koyama Yukihiko, der vor vierzig Jahren mit seiner Frau Kyoko in den Flitterwochen in Miyazaki war. Im Laufe der Handlung kehrt er nun als verbitterter alter Mann wieder dorthin zurück und besucht gemeinsam mit einem Taxifahrer und dessen Frau all die Orte, an denen er damals mit seiner Frau gewesen war.
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„Sengoku Basara“-Tourismus in Miyagi

Von Andrea Frühauf

Date Masamune-Statue in Sendai; Flickr, CC jpellgen

Die Präfektur Miyagi (宮城県, Miyagi-ken) ist bekannt für ihre atemberaubende Natur und lange Küstenlandschaft, die Kieferinseln von Matsushima in der Bucht der gleichnamigen Stadt nahe Miyagis Hauptstadt Sendai gehören zu einer der drei schönsten Landschaften Japans (日本三景, Nihon sankei). Daneben ist Miyagi nicht nur für ihre Agrarprodukte und Fischfang bekannt, sondern auch für das berühmte Tanabata-Fest, welches jährlich von mehr als zwei Millionen Touristen besucht wird. Im Zuge von „Cool Japan“, einer Strategie zur Förderung der nationalen Kulturwirtschaft, konzentrierte sich die Präfektur Miyagi auch auf die Produktion lokaler Anime und den Verkauf von Anime-Merchandise.

Sengoku Basara (戦国BASARA/ 戦国婆娑羅) ist ein Action-Adventure-Spiel der Firma Capcom, welches im Jahre 2005 für die Playstation 2 auf den Markt kam. Seine Popularität sorgte dafür, dass neben dem Spiel auch eine Animeadaption mit 24 Folgen in zwei Staffeln 2009 und 2010 folgte. Hintergrund des Spielgeschehens bildet die Sengoku-Zeit, welche einen Zeitabschnitt im 15. und 16. Jahrhunderts der japanischen Geschichte beschreibt. Die meisten spielbaren Charaktere basieren dabei auf historischen Figuren: Kriegsherren, die in der Zeit der streitenden Reiche um Macht und die Einigung des Landes kämpften. Einer der Charaktere basiert auf den siebzehnten daimyô des Date-Clans, Date Masamune. Als Dank für seine Unterstützung  in der Schlacht von Sekigahara (ca.1600), welche zur endgültigen Herrschaft des TokugawaClans führte und die Edo-Zeit einläutete, verlieh der Shôgun Tokugawa Ieyasu ihm das riesige Lehen Sendai und machte Masamune damit zu einem der einflussreichsten daimyô des feudalen Japans. Im gleichen Jahr erhielt Masamune die Erlaubnis, in Sendai eine Burg bauen zu dürfen. Masamune bezog die Burg Sendai (仙台城, Sendai-jō), auch Burg Aoba (青葉城, Aoba-jō) genannt, welche auf dem Höhenrücken des Aobayama (青葉山) erbaut wurde. Von dort aus regierten der Date-Clan für mehr als 200 Jahre bis zum Zerfall des Shôgunats.

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Dark Tourism in Hiroshima

Von Sara Karagöz

Flickr, CC Arnaud Malon

Heute hat sich noch eine neue Form der Reiselust entwickelt und zwar der Katastrophentourismus oder engl. „Dark Tourism“. Der Katastrophentourismus ist eine bestimmte Art des Reisens, wo Menschen an Orte reisen, wo etwas Schreckliches passiert ist bzw. wo sich eine Katastrophe ereignet hat. Viele sind auf der Suche nach Sensationen und es reicht ihnen nicht von den Katastrophen in den Nachrichten zu hören, sie wollen selbst an den Orten gewesen sein und sich u.U. auch bereit Risiken dafür einzugehen. Beliebte Reiseziele des „Dark Tourism“ sind zum Beispiel Tschernobyl oder die Konzentrationslager in Ausschwitz. Da ist es auch nicht verwunderlich das Hiroshima als Ort einer historischen Katastrophe so gutbesucht wird.
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